Jobeinstieg: So beteiligst du den Fiskus an deinen Bewerbungskosten

22. Januar 2020

Ganz egal, ob Zusage oder nicht: Die Mühe für deine Bewerbungen zahlt sich spätestens mit deiner Steuererklärung aus. Wir zeigen dir wie!

Noch nichts verdient – aber eine Menge gezahlt!

Die Bewerbungsphase kann sehr teuer werden. Bedenkt man, dass es selten bei einer einzigen Bewerbung bleibt, können Mappen, Bewerbungsfotos oder Kopien schon ein kleines Vermögen kosten. Damit nicht genug: Erhält man die lang ersehnte Einladung zum Vorstellungsgespräch, kommen noch Fahrkarten oder Benzinkosten oben drauf.
Doch hier kommt die gute Nachricht: Du wirst mit deinen Ausgaben nicht allein gelassen!

Was sind (Be)Werbungskosten?

Ein bisschen verrät es schon der Name: Bewerbungskosten sind eines der Beispiele für Ausgaben, die du als sogenannte Werbungskosten in deiner Steuererklärung eintragen kannst. Damit sind Kosten gemeint, die mit deinem Berufsleben und deinem Gehalt in Verbindung stehen. Dazu zählen auch Ausgaben, die du schon vor deinem Einstieg ins Berufsleben hattest.
Gibst du deine (Be)Werbungskosten in deiner Steuererklärung an, mindern sie den Betrag, auf den du Steuern zahlen musst und erhöhen im besten Fall deine Erstattung.

Du warst fleißig am Bewerbungen schreiben, aber kannst dich nicht mehr an alle Ausgaben erinnern? Hier eine kleine Gedankenstütze, welche Kosten du ansetzen kannst:

Erstellen der Bewerbung

  • Bewerbungsfotos oder -Videos
  • Büromaterialien
  • Bewerbungsmappe
  • Postversand (Umschläge, Porto)
  • Kopien und Beglaubigungen
  • Internet- und Telefonkosten
  • Hilfen zum Bewerbungsschreiben (Bücher, Kurse)
  • Design und Erstellung durch Dritte
  • Gebühren für Anzeigen und soziale Netzwerke (z.B. Xing, LinkedIn)

Vorstellungsgespräch

  • Fahrten zum Vorstellungsgespräch und wieder zurück (Fahrkarte, Ticket oder 0,30 Euro pro Kilometer für die Hin- und Rückfahrt)
  • Übernachtungskosten
  • Parkgebühren
  • Verpflegungskosten (hier gilt eine Pauschale für sogenannte Verpflegungsmehraufwendungen)
  • Bei mehr als acht Stunden Abwesenheit von Zuhause: 12 Euro
  • Für An- und Abreisetage mit Übernachtung (z.B. bei mehrtägigem Assessment-Center): 12 Euro
  • Für Tage mit 24 Stunden Abwesenheit: 24 Euro
  • Hilfen zum Vorstellungsgespräch (Bücher, Kurse)

Muss ich das belegen?

Grundsätzlich ja. Möchtest du die oben genannten Kosten in der Steuererklärung angeben, musst du sie im Zweifel durch Belege nachweisen können. Wir empfehlen dir also, Kassenzettel und Rechnungen aufzuheben bis du einen Steuerbescheid bekommst. Um dem Finanzamt zu beweisen, dass du wirklich zu Vorstellungsgesprächen gefahren bist, wirf am besten auch die Einladungen hierzu nicht weg.

Du wurdest abgelehnt? So gern du dieses Schreiben auch entsorgen möchtest: Tu’s nicht. Auch mit Absageschreiben kannst du auf Nachfrage belegen, wie oft du dich beworben hast. Wenn du mal gar keine Antwort erhalten solltest, bedeutet das nicht, dass die Ausgaben verloren gehen. In dem Fall kannst du auch das Anschreiben oder die verschickte E-Mail vorlegen.

Keine Belege – Kein Problem

Kassenzettel entsorgst du immer sofort? Wenn du es versäumt hast, alle Belege aufzuheben, ist das kein Weltuntergang. Es gibt nämlich noch eine zweite Möglichkeit, deine Kosten zu berücksichtigen. Mit der sogenannten Bewerbungskostenpauschale. Diese Pauschale ist zwar gesetzlich nicht festgeschrieben, wird aber im Allgemeinen anerkannt. Die exakte Höhe der akzeptierten Pauschale hängt jedoch ganz von deinem zuständigen Finanzamt ab. Für jede schriftliche Bewerbung kannst du aber in der Regel mit 8,50 Euro rechnen.  Für jede Bewerbung, die per E-Mail bzw. online verschickt wurde gibt es 2,50 Euro.

 Ausnahme Erststudium

Natürlich fallen Bewerbungskosten nicht erst an, wenn du ins Berufsleben einsteigst. Auch die Bewerbung für ein Studium kann Geld kosten. Handelt es sich bei deinem Studienwunsch um ein Erststudium in Vollzeit, kannst du die Ausgaben leider nicht als Werbungskosten ansetzen. In dem Fall werden deine Kosten nur als Sonderausgaben berücksichtigt. Der Nachteil: Ein Verlustvortrag ist dadurch nicht möglich. Lediglich wenn du schon Steuern im laufenden Jahr zahlst, kannst du dir mit einer Steuererklärung  dann einen Teil der Bewerbungskosten zurückholen.

2020-01-24T08:21:00+01:00