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Montag, 21. August 2017 Joshua Ehrhardt | Kategorie: Business-Basics

Verzugszinsen berechnen – einfacher als man denkt

Mahngebühren und Verzugszinsen berechnen: Diese Aufgaben stellen sich leider öfter, als einem lieb ist. Wir möchten Ihnen in diesem Beitrag zeigen, wie Sie Mahngebühren rechtlich sicher veranschlagen und wie Sie korrekt Verzugszinsen berechnen. Fangen wir mit den Mahngebühren an! Hier gilt nur eine Regel: Sie müssen angemessen sein!

Verzugszinsen berechnen Mann mit Taschenrechner

Wie hoch dürfen Mahngebühren sein, damit sie angemessen sind?

Grundsätzlich sollte die Höhe der Mahngebühren für Ihre Kunden nachvollziehbar sein! Man berechnet eine Pauschale für Porto und Material. Kommen Sie also bei der ersten Mahnstufe mit EUR 50,00 daher, wird das zu einigen Rückfragen und schlussendlich zu einer Korrektur Ihrerseits führen.

Üblicherweise berechnet man für jede Mahnstufe EUR 2,50. Sprich: Bei der Zahlungserinnerung EUR 2,50, bei der ersten Mahnung EUR 5,00, bei der zweiten Mahnung EUR 7,50 und bei einer eventuellen dritten Mahnung EUR 10,00!

Welche Mahngebühren Sie veranschlagen, bleibt grundsätzlich ganz Ihnen überlassen. Sie sollten allerdings darauf achten, dass Sie Ihrem Aufwand entsprechend sind. Sind Sie unsicher? Dann sind Sie mit den EUR 2,50 pro Mahnstufe auf der sicheren Seite.

Sind Mahngebühren und Verzugszinsen das Gleiche?

Kurz und knapp: Nein! Verzugszinsen stehen Ihnen grundsätzlich zu, sobald einer Ihrer Kunden in Verzug gerät. Dabei ist es egal, ob es sich um einen Privat- oder Geschäftskunden handelt. Lediglich bei der Berechnung der anfallenden Verzugszinsen wird unterschieden!

Verzugszinsen berechnen

Ist ein Privatkunde in Zahlungsverzug geraten, dürfen Sie Ihm Verzugszinsen in Höhe von 5% über dem Basiszinssatz in Rechnung stellen. Dieser beträgt momentan (August 2017) -0,88%. Sprich: Sie dürfen Ihrem Privatkunden Verzugszinsen in Höhe von 4,12% berechnen. Gerät einer Ihrer Geschäftskunden in Verzug, dürfen Sie ihm Verzugszinsen in Höhe von 9% über dem Basiszinssatz in Rechnung stellen, also 8,12%!

Schauen wir uns die beiden Situationen einmal anhand von zwei Beispielen an:

Beispiel für Verzugszinsen bei Privatkunden

Sie haben einem Privatkunden einen Laptop zum Preis von EUR 1.000,00 verkauft. Dafür haben Sie ihm eine Rechnung mit dem Zahlungsziel 01. Februar 2017 geschrieben. Diese Rechnung hat er nicht bezahlt! Somit befindet er sich ab dem 02. Februar 2017 in Verzug. Tatsächlich bezahlt er die Rechnung erst am 15. August 2017. Er befand sich also 195 Tage im Verzug! Sie müssen also die Verzugszinsen berechnen, die für diese 195 Tage angefallen sind.

Wir rechnen also wie folgt:

EUR 1.000 / 100 * 4,12 = 41,20

Wir wissen nun also, dass die 4,12% von den EUR 1.000 einem Betrag von EUR 41,20 entsprechen. Da der Kunde aber „nur“ 195 Tage im Verzug war, müssen wir nun wie folgt rechnen:

EUR 41,20 / 365 * 195 = EUR 22,01

Wir dürfen dem Kunden also insgesamt EUR 1.022,01 in Rechnung stellen!

Beispiel für Verzugszinsen bei Geschäftskunden

Wir verkaufen eine Produktionsmaschine an einen unserer Kunden und stellen ihm dafür eine Rechnung in Höhe von EUR 2.500.000 mit Zahlungsziel 04. Januar 2017 in Rechnung. Diese Rechnung wurde nicht beglichen, somit befindet sich der Kunde ab dem 05. Januar 2017 in Verzug. Nach einigem Hin und Her wird die Rechnung schließlich am 27. Juli 2017 beglichen. Der Kunde befand sich demnach 204 Tage im Verzug. Sie müssen also die Verzugszinsen berechnen, die für diese 204 Tage angefallen sind.

Wir rechnen also wie folgt:

EUR 2.500.000 / 100 * 8,12 = 203.000

Wir wissen nun, dass die 8,12% von den EUR 2.500.000 einem Betrag von EUR 203.000 entsprechen. Da der Kunde aber „nur“ 204 Tage im Verzug war, müssen wir wie folgt rechnen:

EUR 203.000 / 365 * 204 = EUR 113.457,53

Wir dürfen dem Kunden also insgesamt EUR 2.613.457,53 in Rechnung stellen!

Tool Tipp zum Verzugszinsen berechnen

Im Internet findet man auch einig Tools, mit denen man Verzugszinsen berechnen kann. Wir haben eines gefunden, das uns besonders gut gefallen hat:

Der Verzugszinsrechner von www.zinsen-berechnen.de

Mit diesem Tool können Sie sich einiges an Arbeit sparen. Trotzdem ist es sicher nicht schlecht, wenn man das ganze Prozedere einmal verstanden hat. So haben Sie auch eine Antwort parat, sollte von Ihren Kunden einmal eine Rückfrage zur Berechnung kommen.

Zusammenfassung

Wir halten also stichpunktartig fest:

  • es gibt keine feste Regel für Mahngebühren, sie müssen nur angemessen berechnet werden
  • wenn man sich unsicher ist, sind EUR 2,50 pro Mahnstufe ein guter Richtwert
  • Verzugszinsen sind jedoch genau definiert und können auf den Cent genau berechnet werden
  • Achtung: Für Privat- und Geschäftskunden gelten unterschiedliche Prozentwerte für die Berechnung

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