Dank, Anerkennungen und Ehrungen im Verein – ihr Wert hängt von der inneren Haltung desjenigen ab, der sie ausspricht. Menschen haben ein untrügliches Gespür, ob proforma gedankt wird oder eine Ehrung routiniert abgespult wird – oder ob sie von Herzen kommt!

Das wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie stehen die Verantwortlichen eines Vereins zum ehrenamtlichen Engagement? Betrachten sie es als Selbstverständlichkeit oder als etwas Besonderes? Vielleicht haben sie schon unzählige Ehrungen im Verein „vollzogen“. Ist ihnen dann noch bewusst, dass sie für die Geehrten außergewöhnliche Momente sind?

Ehrungen im Verein – Kleine und große Gelegenheiten, Danke zu sagen

Wie stehst du zu Ehrungen im Verein?

Der Schlüssel zum Erfolg einer Ehrung ist eine bejahende Haltung zu Dank und Anerkennung. Einige Fragen helfen dir, sich deiner inneren Haltung besser bewusst zu werden:

  • Nehme ich selbst gerne ein ehrliches Wort des Danks oder der Anerkennung an?
  • Was löst eine Lobrede in mir aus?
  • Fühle ich mich unsicher, wenn ich Ehrungen vornehmen muss? Wie wirken sich mögliche Unsicherheiten aus?
  • Bin ich mir bewusst, warum der Geehrte die Anerkennung verdient hat? Kann ich mir seinen Einsatz bildhaft vorstellen?
  • Betrachte ich Ehrungen als wichtiges Thema für die Mitglieder und für die Vereinsentwicklung?
  • Bereite ich mich innerlich auf die Ehrung vor? Denke ich darüber nach, wie ich durch Kleidung, Sprache und Gestik Wertschätzung ausdrücken kann?

 

Aufmerksamkeit im Alltag

Sicherlich engagieren sich auch in deinem Verein viele Ehrenamtliche. Freiwilliger Einsatz ist in viele Vereinen Alltag. Da ist es nur konsequent, wenn auch Danksagungen eine feste Größe in deinem Verein sind. Anerkennung sollte Teil jeder Vereinskultur sein – ohne zur Routine zu werden! Ehrende, ehrliche Worte wärmen das Herz und stärken das Rückrat.


Nicht nur Leistung zählt
 

Wann sind Ehrungen im Verein angemessen? Das ist keine theoretische Überlegung. Die Antwort hat unmittelbaren Einfluss auf die Kultur deines Vereins. Erfolgsorientierte Menschen schlagen vielleicht folgende Definition vor: Eine Ehrung ist die Anerkennung einer bestimmten Leistung. Dagegen ist nichts einzuwenden. Schon gar nicht im Verein. Jede Pokalverleihung wird von diesem Verständnis getragen. Aber ein Verein steht auf zwei Säulen: Dem Verein als Ziel und der Gemeinschaft als Form. In der Gemeinschaft erfährt sich der Einzelne als Teil des Ganzen. Er erlebt Zugehörigkeit. Es ist ihm eine Ehre, dazuzugehören. Eine Ehrung kann deshalb auch zum Ausdruck bringen: Wie gut, dass es dich gibt! Dafür braucht man keinen in Leistung messbaren Grund. Es reicht ein Anlass, um das Selbstverständliche zu bezeugen.

Die Anerkennung von Leistungen

Für den einen zählt nur der Erste Platz. Für den anderen aber ist schon die Teilnahme ein Erfolg. Wer zum ersten Mal einen Marathon bestreitet und ins Ziel gelangt, ist ein Sieger – ganz egal wo die Uhr stehen bleibt.
Der Maßstab für eine anerkennenswerte Leistung ist immer, was dem Einzelnen möglich ist. Wer sich selbst fordert, seine persönlichen Grenzen erreicht, hat sich eine Ehrung verdient.

Oft sind es die kleinen Beiträge, die einen Verein vorwärts bringen. Der Platzwart, der Kartenabreißer, ein Mitglied, das ein Plakat entworfen hat – sie alle verdienen nicht weniger Aufmerksamkeit als diejenigen, die Reden halten, Pokale überreichen oder Bericht erstatten. Frage dich auch, was den Ehrenamtlichen sein Einsatz kostet: Eine Mutter mit Kindern, die „nebenbei“ noch kleinere Vereinsaufgaben übernimmt, hat viel für den Verein geleistet.

Gründe für leistungsgerechte Anerkennung können zum Beispiel sein:

  • die Mitarbeit im Vorstand, in einer Abteilung, in Gremien etc.
  • die Mitarbeit in einem Projekt
  • die Bereitschaft, sich für kleine Dienste zur Verfügung zu stellen
  • Engagement, das den Zusammenhalt des Vereins gefestigt hat
  • Einsatz, der das Ansehen des Vereins verbessert hat
  • sportliche Leistungen

Natürlich schätzen nicht nur Ehrenamtliche Ehrungen im Verein. Auch Mitarbeiter, die sich engagieren, sind „der Ehre wert“. Und auch Externe tragen oft zum Gedeihen eines Vereins bei, zum Beispiel durch Sach- und Geldspenden oder durch beratende Unterstützung.

Anlässe für Ehrungen im Verein ohne aktuellen Leistungsbezug

Anlässe, die nicht auf konkreten, augenblicklichen Gründen beruhen, können zum Beispiel sein:

  • der Eintritt in den Verein – weil sich das neue Mitglied für die Vereinsgemeinschaft entschieden hat und ein offizielles „Herzlich Willkommen“ immer angemessen ist
  • eine langjährige Mitgliedschaft
  • der Geburtstag – auch der jungen Mitglieder
  • Höhepunkte im Leben, zum Beispiel die Hochzeit, die Geburt eines Kindes, die erfolgreiche Arbeitsplatzsuche, der Eintritt ins Rentenalter
  • selbst der Austritt aus dem Verein – weil das Mitglied eine Zeit lang im Verein mitgewirkt hat

 

Ein anerkennender Blick, ein ausdrückliches „Danke schön!“, eine kleine Aufmerksamkeit – Anerkennung braucht weder große Anlässe noch große Gesten. Der spontane Besuch bei einer Vereinsgruppe und einige Worte des Danks für Engagement und Treue – die Anwesenden werden es über alle Maßen schätzen.


Natürlich sind auch Feste gute Gelegenheiten, um Mitglieder ganz besonders anzusprechen und zu ehren.

Ehrungen im Verein hingegen brauchen immer einen angemessenen Rahmen. Die Bedeutung einer Ehrung verlangt nach Öffentlichkeit. Und nach einem hochrangigen Repräsentanten, der sie ausspricht.

Jahreshauptversammlung und Feste

Es gibt kaum ein besseres Forum, Mitglieder zu ehren, als die Jahreshauptversammlung. Achte aber darauf, dass Ehrungen im Verein nicht „am Band“ ausgesprochen werden. Du willst doch nicht, dass geraunt wird: „Und noch eine…“. Sorge für Abwechslungen und Überraschungen.

Gelegenheiten schaffen

Sinnvoll ist auch, Gelegenheiten aktiv herbeizuführen. Du könntest zum Beispiel einen Wettbewerb initiieren, um ehrenamtliche Talente auszuzeichnen – natürlich mit einer großen Abschlussveranstaltung.

Viele Gemeinden oder Verbände fordern Vereine auf, aktive Bürger zu benennen, die öffentlich geehrt werden sollen. Nimm daran teil.
Oder rege bei deinem Fachverband bzw. Kreis- oder Stadtbund eine Veranstaltung oder einen Wettbewerb an, zum Beispiel die Wahl zum „Ehrenamtlichen des Monats“.

Das sind nur zwei Beispiele von vielen. Bestimmt fallen dir weitere ein, die vielleicht noch besser zu deinem Verein passen. Neue Ideen werden deine Ehrenamtlichen sicherlich schätzen. Denn sie zeigen ihnen, dass ihr Engagement wichtig ist – und dass der Verein es zu schätzen weiß. So stärkt der Vereinsvorstand nicht nur die Motivation seiner Ehrenamtlichen, er gewinnt auch neue hinzu.

 

Vereine brauchen Rituale – aber welche?

Rituale haben in einem Verein ihren festen Platz. Sie geben Orientierung, vermitteln Sicherheit und Vertrautheit. Wer sie kennt, spürt, dass er dazu gehört. Manchmal stören sie aber auch – wenn sie keine positive Bedeutung (mehr) haben. Wenn sie nicht mehr zeitgemäß sind. Aber was ist zeitgemäß? Der Maßstab sind die Mitglieder deines Vereins. Welche Rituale entsprechen ihren Bedürfnissen? Haben sich die Bedürfnisse im Laufe der Zeit verändert? Zum Beispiel, weil neue Mitglieder hinzu gekommen sind (wenn dein Verein aktives Marketing betreibt, ist das beinahe zwangsläufig, denn dann umwirbt er auch neue Zielgruppen)

Es gehört deshalb zu den wichtigen Aufgaben eines Vereinsvorstands, sich über folgende Fragen Klarheit zu verschaffen:

  • Wie haben sich die Bedürfnisse unserer Mitglieder gewandelt?
  • Welche Rituale werden diesen Bedürfnissen gerecht, welche nicht?
  • Wie schaffen wir neue Rituale?

Positive Überraschung

Für Ehrungen im Verein sind Rituale besonders wichtig. Denn liebgewonnene Rituale steigern die Vorfreude. Sie sind der positive Ausdruck des Gewohnten. Vom Gewohnten zum Langweiligen ist es jedoch nur ein kleiner Schritt. Das lässt sich leicht vermeiden: Mit kleinen, positiven Überraschungen.

Nehmen wir ein Beispiel: Ein Ehrenamtlicher hat seit vielen Jahren die Trikots der Mannschaft gewaschen. Dafür soll er im Rahmen der Jahreshauptversammlung geehrt werden. Es ist wie immer: Der Vorsitzende steht auf, spricht das Mitglied an, greift nach einer Urkunde. Doch plötzlich kommt die Mannschaft nach vorn, bringt ein Ständchen und fügt die Urkunde in einen Wechselrahmen, in dem sich schon ein Mannschaftstrikot befindet; natürlich haben es alle Spieler unterschrieben. Wetten, daran erinnert sich der Geehrte noch viele Jahre?

Der Geehrte ist der Maßstab

Ehrungen im Verein sollen Befriedigung bringen. Aber sie können auch Spaß machen. Sie können zu echten Erlebnissen werden – wenn sie gut inszeniert werden. Was aber ist eine gute Inszenierung? Das hängt ganz davon ab, wer geehrt wird. Ältere Menschen legen vielleicht eher auf eine feierliche Inszenierung Wert. Für sie mag wichtig sein, dass möglichst viele anwesend sind. Bei Jugendlichen kann das ganz anders sein. Zuviel der Feierlichkeit mag ihnen peinlich sein. Sie wissen eine Ehrung, die im Kreis von Gleichaltrigen stattfindet, vielleicht mehr zu schätzen.