Das sind die entscheidenden Vorteile eines eingetragenen Vereins

Der Eintrag ins Vereinsregister steht meist am Anfang des Prozesses der Vereinsgründung. Doch was unterscheidet den eingetragenen Verein eigentlich vom nicht eingetragenen Verein? Und worin liegt der größte Vorteil als eingetragener Verein?

Vorab: Dieser Beitrag versucht zwar umfassend und nach bestem Gewissen zu informieren, kann jedoch keine Rechtsberatung ersetzen und stellt nicht den Anspruch, dies zu tun.

Wer sich mit Freunden trifft, um einen Verein zu gründen, befindet sich faktisch schon mitten im Prozess der Vereinsgründung.

Die Frage, ob man sich als Verein im Vereinsregister eintragen soll oder nicht, ist ein wichtiges Thema, das bei der Neugründung unbedingt diskutiert werden sollte.

Doch Vereine, die bereits längere Zeit existieren, können eine Eintragung nachholen.

Denn durch die Eintragung erwirbt man auch die Rechtsfähigkeit des Vereines, was wiederum einige Vorteile mit sich bringt.

Aber nun von vorn.
Schauen wir uns zunächst einmal die genaue Definition eines Vereins an.

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Was ist ein Verein?

Als Verein bezeichnet man einen freiwilligen, auf (gewisse) Dauer angelegten Zusammenschluss von mehreren Personen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Dieses Ziel ist durch die Vereinssatzung definiert. Bei einem Verein handelt es sich um eine körperschaftliche Organisation, die dann vorliegt, wenn die sich zusammenschließenden Einzelpersonen in Zukunft als Einheit unter einem Gesamtnamen auftreten wollen.
Der Zweck eines Vereines darf nicht wirtschaftlich sein. Wirtschaftliche Vereine erlangen ihre Rechtsfähigkeit nicht durch einen Registereintrag, sondern benötigen staatliche Genehmigungen.

Ist der Verein als Rechtsform die beste Lösung?

Für die Verfolgung lang- oder kurzfristiger Ziele stellt sich die Rechtsform des Vereines häufig als sehr sinnvoll heraus. Nicht nur für einen besseren bzw. wirkungsvolleren Auftritt in der Öffentlichkeit, sondern auch hinsichtlich gewisser rechtlicher Vorteile kann die Vereinsgründung für viele (gemeinsame) Anliegen die richtige Lösung sein.

Im Zuge der Vereinsgründung stellt sich die Frage, ob man den Verein auch im Vereinsregister eintragen lässt.
Doch welche Unterschiede gibt es eigentlich? Und welche Vorteile erhält man als eingetragener Verein?

Welche Risiken birgt ein nicht eingetragener Verein?

Ein Verein ist nicht allein durch seine Gründung rechtsfähig.
Es werden rechtsfähige und nicht rechtsfähige Vereine voneinander unterschieden.
Bei einem nicht eingetragenen Verein handelt es sich um einen „nicht rechtsfähigen Verein“, welcher für die Mitglieder und den Vorstand einige Gefahren und Risiken bergen kann.

Diesbezüglich heißt es im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) zu nicht rechtsfähigen Vereinen:

§54 BGB Aus einem Rechtsgeschäft, das im Namen eines solchen Vereins einem Dritten gegenüber vorgenommen wird, haftet der Handelnde persönlich; handeln mehrere, so haften sie als Gesamtschuldner.

Daraus ergibt sich auf die Frage „Wer haftet bei einem nicht eingetragenen Verein?“ folgende Antwort:
Neben dem Verein haftet auch der Handelnde persönlich – ganz egal, ob er eine Vollmacht besitzt oder nicht.

Somit können Mitglieder eines nicht eingetragenen Vereins mit ihrem gesamten Privatvermögen haften, z.B. bei eigenem Verschulden oder unerlaubten Handlungen.

Durch die fehlende Rechtsfähigkeit kann der Verein selbst auch kein Vermögen bilden, sondern es steht den Mitgliedern als Gesamthändern zu.

Welche entscheidenden Vorteile entstehen durch den Eintrag ins Vereinsregister?

Die Rechtsfähigkeit des Vereines entsteht erst durch die Eintragung im Vereinsregister. Einen eingetragenen Verein erkennt man an der Abkürzung „e. V.“ am Ende des Vereinsnamens, welches in allen Dokumenten des Vereins genannt werden muss.

Weiterhin ist der eingetragene Verein eine juristische Person, die, wie jede natürliche Person, rechtlich selbstständig (rechtsfähig) ist und somit Träger von Rechten und Pflichten sein kann.
Durch die Rechtsfähigkeit wird der Verein als reale Verbandspersönlichkeit bzw. als reales Wesen bezeichnet.

Dadurch ist es dem Verein möglich, eigenes Vermögen zu erwerben. Hierbei wird nun auch im Grundbuch der e.V. als Eigentümer eingetragen, beim nicht eingetragenen Vereins stehen an dieser Stelle die Mitglieder des Vereins.

Einen entscheidenden Vorteil bietet der eingetragene Verein auch in Bezug auf die Haftung: Für Vereinsschulden haftet das Vereinsvermögen – in vielen Fällen werden weder die Mitglieder noch der Vorstand mit ihrem Privatvermögen zur Rechenschaft gezogen.
Allerdings gilt es, hier die sogenannte „Durchgriffshaftung“ zu beachten, die das Trennungsprinzip von Privat- und Gesellschaftsvermögen dann aufhebt, wenn schuldhaftes (d.h. fahrlässiges oder vorsätzliches) Handeln des Vorstands oder des Vorstandsvorsitzenden vorliegt. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn es um Steuern oder Beiträge zur Sozialversicherung geht. Beispielsweise bei nicht rechtzeitig abgegebenen Steuererklärungen, Steuerschulden oder nicht bezahlte Beiträge zur Sozialversicherung, kann der Vorstand haftbar gemacht werden. 

Ein großer Unterschied besteht außerdem im Klagerecht: Ein eingetragener Verein kann im eigenen Namen klagen. Dementsprechend kann der Verein als juristische Person auch verklagt werden.

Übrigens gibt es auch einen wesentlichen Unterschied, der die Anzahl der Gründungsmitglieder im Verein betrifft. Im Beitrag „Wann darf ein Verein 3 Mitglieder haben?“ informieren wir dich näher dazu.

Die entscheidenden Vorteile eines eingetragenen Vereins - Infografik

Eingetragener Verein – Nicht eingetragener Verein
Was ist sinnvoll?

Es wird recht schnell deutlich:
Eine Eintragung ins Vereinsregister ist auf jeden Fall sinnvoll. Besonders zu empfehlen ist sie aufgrund des großen Haftungsrisikos für Mitglieder bei nicht eingetragenen Vereinen. Die Risiken und Nachteile, die ein nicht eingetragener Verein birgt, sind leicht zu umgehen. Von der Eintragung profitieren also sowohl die Vereinsmitglieder und der Vorstand, als auch der Verein als Institution an sich. Wie der Eintrag ins Vereinsregister funktioniert, welche Voraussetzungen es gibt und welche Regeln man im Umgang mit dem Vereinsregister beachten muss, möchten wir dir bald in einem anderen Beitrag erklären.

Jessica Diehl

Hallo! Ich heiße Jessica Diehl, bin 25 Jahre alt und blogge hier für MEINVEREIN. Auch privat beschäftige ich mich sehr viel mit der Vereinswelt, denn ich bin selbst in mehreren Vereinen tätig - sowohl als Mitglied als auch in der Vereinsverwaltung.

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Hallo zusammen,
    die Aussage das für die Schulden immer nur der Verein haftet ist so nicht richtig. Eine Haftung des Vorstandes für Steuerschulden und Sozialversicherung ist immer gegeben da es hier eine Durchgriffshaftung gibt. Die Erleichterungen gem. BGB gelten in diesen Bereichen nicht.
    MFG
    Claus Wenzler
    Steuerberater
    Dozent für den LSB NRW und http://www.bnve.de

    1. Hallo Herr Wenzler,
      vielen Dank für die konstruktive Kritik. Sie haben Recht: unsere Aussage haben wir um die von Ihnen gelieferten Informationen ergänzt und den Artikelabschnitt entsprechend aktualisiert.

      Viele herzliche Grüße,
      das MeinVerein Blog-Team

  2. Hallo Jessica,

    der Hinweis im Text, der nicht-rechtsfähige Verein sei als GbR zu handhaben (§ 54 BGB) und könne kein Vermögen bilden, ist unvollständig. DIe Rechtsprechung wendet entgegen § 54 auch auf nicht-rechtsfähige Vereine das Vereinsrecht gem. BGB an. Auch steht das Vermögen nicht den Mitgliedern als Gesamthandsgemeinschaft zu, sondern dem Verein als „teilrechtsfähige“ Personengruppe.

    Viele Grüße,
    David Fabricius

  3. Sehr geehrte Frau Diehl,
    wir sind ein eigetragener Verein, da der Verein ohne Nachwuchs immer kleiner wird, erwägen wir jetzt einen Austritt aus dieser EV-Rechtsform, da wir auch nicht erkennen können, welche Vorteile die EV-Rechtsform für uns haben soll, was müssen wir dabei beachten?

    1. Hallo Herr Wrackmeyer,
      grundsätzlich hat ein eingetragener Verein auch keinerlei Nachteile (auch für einen kleinen Verein nicht), deshalb würde ich empfehlen, die Eintragung bestehen zu lassen, bis der Verein sich auflöst.
      Was Sie bei einer Austragung genau beachten müssen, kann Ihnen das zuständige Registergericht mitteilen.

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