Ehrenamt im Lebenslauf: Ist soziales Engagement immer ein Vorteil?

Wer eine ehrenamtliche Tätigkeit ausführt, hat zumindest schon einmal gesellschaftlich einen Pluspunkt verdient. Schließlich ist es unheimlich wichtig, dass es Menschen gibt, die sich leidenschaftlich und unentgeltlich Themen widmen, die sonst viel zu kurz kämen. Doch: Wie verhält es sich mit dem Ehrenamt im Lebenslauf? Ist soziales Engagement dem Arbeitgeber wirklich immer einen Pluspunkt wert? Und wie steht’s mit der sozialen Tätigkeit in der Bewerbung um einen Job?

In diesem Beitrag wollen wir genauer hinschauen und aufdröseln, unter welchen Bedingungen sich die Erwähnung des Ehrenamts im Lebenslauf wirklich lohnt. Außerdem klären wir die Frage, inwiefern man seinem Arbeitgeber bei der Aufnahme einer neuen Tätigkeit Rede und Antwort stehen muss und ob dieser einem ein Ehrenamt auch verbieten könnte.

Schwierige Frage: Wie verhält es sich mit dem Ehrenamt im Lebenslauf?
Welches Ehrenamt gehört in den Lebenslauf?

Welchen Ruf haben ehrenamtliche Tätigkeiten?

Bevor wir uns überlegen, ob man das Ehrenamt im Lebenslauf erwähnt, schauen wir uns einmal an, welchen Ruf und welches Ansehen ehrenamtliche Tätigkeiten überhaupt haben.

Zunächst denkt man vermutlich: Wer ehrenamtlich tätig ist, ist besonders gütig und herzlich, schließlich stellt er kostenlose Arbeitszeit zur Verfügung und hilft damit gewissermaßen anderen. Das stimmt auch! Aber ist die Arbeit für’s Ehrenamt immer nur altruistisch (d.h. selbstlos, uneigenützig) motiviert oder gibt es auch egoistische Motive?

Ein spannendes Forschungsprojekt der Universität Bielefeld hat das genauer unter die Lupe genommen. 

Herausgekommen ist: Beweggründe für die Aufnahme einer sozialen, ehrenamtlichen Tätigkeit sind immer sowohl egoistisch als auch altruistisch geprägt (weiterhin spielen natürlich viele andere Faktoren eine Rolle). Aber bestätigt das jetzt die These der Ehrenamts-Kritiker, die behaupten: „Der/die macht das doch nur, um selbst gut da zu stehen!“ ?

Na, ich weiß nicht. Meines Empfindens nach ist es vollkommen in Ordnung, sowohl selbstlose als auch eigennützige Beweggründe für die Aufnahme einer sozialen Tätigkeit zu haben.

Im Bezug auf unsere Frage nach dem Ruf ehrenamtlicher Tätigkeiten ist es jedoch wichtig, zu wissen, dass nicht alle Menschen dem Ehrenamt etwas Positives abgewinnen können.

Von vielen wird es belächelt, dass man sich unentgeltlich für eine Herzensangelegenheit einsetzt und wertvolle Lebenszeit „verschwendet“.

Gott sei Dank hat das Ehrenamt einen überwiegend sehr angesehenen Ruf! Schließlich ist es einfach lobenswert und ehrenhaft, sich freiwillig für eine Sache einzusetzen und sich ganz nebenbei auch noch Kompetenzen anzueignen.

Das Ehrenamt im Lebenslauf

Sind soziale Tätigkeiten bei der Bewerbung von Vorteil?

Diese Frage kann man weder mit Ja noch mit Nein beantworten. Jedes Unternehmen, jeder Personalchef oder Geschäftsführer hat sicher seine ganz individuelle Meinung dazu. Jedoch gibt es ein paar Indikatoren, an denen man festmachen kann, wann es sich lohnt, ein Ehrenamt im Lebenslauf zu erwähnen.

Was spricht für ein Ehrenamt im Lebenslauf?

Wer ein Ehrenamt ausübt, ist ganz bestimmt ein sozialer Mensch, da er auch außerhalb seines beruflichen Umfeldes mit Menschen agiert. Daher wird er/sie über kommunikative Grundkenntnisse verfügen, sich in eine Gruppe/ein Team einfügen können und auch Erfahrungen mit Konfliktsituationen haben. Natürlich eignet man sich, je nach Ehrenamt und ausführender Position, gewisse Kompetenzen an. Je nachdem, wie lange der Bewerber/die Bewerberin schon ehrenamtlich aktiv ist, kann man davon ausgehen, dass er/sie bestimmte Fähigkeiten bereits besitzt. Nicht zu vergessen: Ein Ehrenamt zeigt Arbeitsbereitschaft und hohes Engagement, welches auch im Job sehr gefragt ist. Die angesprochenen Fähigkeiten und Kompetenzen nennt man auch „Soft Skills“.

Was spricht gegen das Ehrenamt im Lebenslauf?

Nicht jedes Ehrenamt ist gemeinnützig und sozial bzw. gesellschaftlich anerkannt. Gewisse Aktivitäten (z.B. politische) könnten den potenziellen Arbeitgeber auch persönlich irritieren, wie uns die Karriereberaterin Angelika Gulder auch in diesem Interview verrät.

Irritation kann auch dann entstehen, wenn die Bewerbung dem Arbeitgeber vermittelt, dass die Ehrenämter das gesamte Leben einnehmen und zeitlich erfüllen. Denn das könnte ihn zurückschrecken lassen: „Hat mein zukünftiger Arbeitnehmer überhaupt einen freien Kopf für diesen Job?“

Passt das Ehrenamt zum Job?

Hinsichtlich der Entscheidung, ob man die ehrenamtliche Tätigkeit in der Bewerbung für einen Job erwähnen sollte, ist vor allem diese Frage richtungsweisend: Hat mein Ehrenamt/haben meine freiwilligen Tätigkeiten eine Verbindung zu meinem Job? 

Ein Lebenslauf dient schließlich nicht dazu, alle Aktivitäten des Lebens chronologisch aufzulisten. Vielmehr ist er eine Dokumentation dessen, was einen zur Ausführung der angestrebten Position bzw. des angestrebten Jobs befähigt.

Ob das langjährige Mitwirken im Kaninchenzuchtverein mich wirklich zur Führung einer großen Geschäftseinheit befähigt, wage ich zu bezweifeln. Wenn ich allerdings vorhabe, mich als Tierpfelegerin im nahegelegenen Zoo zu bewerben, sieht das Ganze schon anders aus.

Es muss nicht immer der direkte Bezug sein, wie im genannten Beispiel. Wichtig ist nur, dass man die durch das Ehrenamt erlernten Fähigkeiten herausarbeitet und diese in Verbindung mit dem angestrebten Beruf bringen kann.

Ein frisierter Lebenslauf fliegt auf

Wer kein Ehrenamt ausübt, muss aber längst nicht in Panik verfallen. Eine ehrenamtliche Tätigkeit kann einen Pluspunkt geben, wenn die dadurch erlernten Kompetenzen die Fähigkeiten im Beruf unterstreichen, ist aber kein Muss. Mit ehrenamtlichen Engagement kann man längst nicht bei jedem Personaler punkten!

Den Lebenslauf bzw. die Bewerbung durch falsche Angaben zu frisieren, ist jedoch absolut keine Alternative. Spätestens im Vorstellungsgespräch fliegt diese Lüge auf. Personalchefs haken hier nämlich besonders genau nach. Wer keine genauen Auskünfte über die Art und Weise seiner Tätigkeit geben kann, steht schnell unter Verdacht, den Lebenslauf erfunden zu haben.

Nur wer gut begründen kann, warum er/sie sich engagiert und welchen Mehrwert er/sie dadurch erlangt, hat gute Chancen, ein paar Pluspunkte einzuheimsen!

Ehrenamt im Lebenslauf gezielt einsetzen

Wenn man tatsächlich ehrenamtliches Engagement vorzuweisen hat, das die vom Job geforderten Fähigkeiten unterstreicht, sollte man dieses bei der Bewerbung unbedingt erwähnen. Bei mehreren Tätigkeiten ist es besser, sich auf maximal 2 Ämter zu beschränken, um nicht den Eindruck zu erwecken, man wäre rund um die Uhr für Vereine und Verbände tätig.

Im Lebenslauf steht das ehrenamtliche Engagement in jedem Fall nach dem beruflichen und schulischen Werdegang unter der Oberzeichnung „Soziales Engagement“ oder „Hobbies und Interessen“.

Hier ist die bisherige Dauer der Tätigkeit anzugeben, ebenso wie eine genaue Beschreibung des Tätigkeitsbereiches. Ein Nachweis der Tätigkeiten kann in jedem Fall hilfreich sein und sollte, wenn möglich, der Bewerbung hinzugefügt werden.

Um die Verbindung von Ehrenamt und Beruf besser herausarbeiten zu können, sollte man das Ehrenamt ebenso im Anschreiben erwähnen. Wenn möglich sollte man hier auch herausstellen, dass man zeitlich nicht so durch das Ehrenamt belastet wird, dass es der Konzentration im Job schadet. 

Muss man dem Arbeitgeber ein Ehrenamt melden?

Sofern es im Arbeitsvertrag nicht anders vereinbart ist, muss der Arbeitgeber über jegliche Nebentätigkeit informiert werden, egal ob bezahlt oder unentgeltlich.  Zudem muss er sie auch genehmigen. Sofern es sich bei der Tätigkeit nicht um eine Konkurrenztätigkeit handelt, steht der Genehmigung nichts im Wege. Dennoch muss der Arbeitnehmer die Tätigkeit melden. Tut er dies nicht, kann eine Abmahnung drohen.

Fazit: Ehrenamt im Lebenslauf

Ein Ehrenamt auszuführen ist toll und wichtig für unsere Gesellschaft. Richtig klasse ist es, wenn die Kompetenzen, die du während deiner ehrenamtlichen Tätigkeit erlernst, auch für deinen Job nützlich sind. Dann wird es auch dem Personaler oder Arbeitgeber imponieren und für einen Pluspunkt sorgen. Wichtig ist allerdings, dass du deine Nebentätigkeit beim Arbeitgeber genehmigen lässt und sehr offen und ehrlich damit umgehst. Ein frisierter Lebenslauf ist noch immer aufgeflogen und verschafft dir keinerlei Bewerbungsvorteil.

Jessica Diehl

Hallo! Ich heiße Jessica Diehl, bin 25 Jahre alt und blogge hier für MEINVEREIN. Auch privat beschäftige ich mich sehr viel mit der Vereinswelt, denn ich bin selbst in mehreren Vereinen tätig - sowohl als Mitglied als auch in der Vereinsverwaltung.

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