Schreiben kann jeder – aber Texte für den Verein schreiben, die nicht nur den Autor sondern auch den Leser begeistern, will gelernt sein! Gegen das Gebot für den Leser zu schreiben wird oft verstoßen. Journalisten, Texter und Autoren verschreiben sich oft dem Hochmut oder verwechseln Lässigkeit mit Nachlässigkeit. Dann setzt es Sätze wie Irrgärten, eng verwinkelt und weit verzweigt. Da stehen die Worte schlange – und viele sind der Rede nicht wert. Vom Aufbau solcher Texte ganz zu schweigen: statt „kontrollierter Offensive“, die das Thema geordnet voranbringt, geht es munter hin und her, bis der Leder (des Lesens) müde ist.

Der „Baustein für die Vereinszukunft“ zeigt dir, wie du einen Text gekonnt aufbaust, interessant einleitest, wortgewandt gestaltest und mit einem verlockenden Titel ausstattest. Vereinstexte schreiben lässt sich lernen. Zunächst macht es Mühe. Wenn aber der Text erst einmal in Fluss kommt und eine Formulierung ins Schwarze trifft, macht es auch Spaß – dem Autor wie dem Leser!

 

Texte für den Verein schreiben – Gekonnt den Leser begeistern

Der Autor weiß alles, der Leser noch nichts. Mit diesem Wissensvorsprung beginnt es, aber so sollte es nicht enden. Lotse den Leser, bis er versteht, worum es geht, erkennt, was dahinter steckt und begreift, warum es wichtig ist.  Das Ziel ist Orientierung, das Mittel Verständlichkeit. Nimm den Leser „an die Hand“ und leite ihn durch das unbekannte Gelände – Schritt für Schritt. Dazu musst du dir erst einmal selbst einen Überblick verschaffen: das Terrain abstecken, Informationen gewichten, Haupt- und Nebenschauplätze abgrenzen.

 

Die W-Fragen

Der Leser hat Fragen, die ihm der Autor beantworten soll. Aber welche? Prüfe anhand der sechs W-Fragen, was der Leser wissen muss.

  1. Wer?
    Nenne die Handelnden und Betroffenen.
  2. Was?
    Bringe den Kern der Information auf den Punkt und ordne die Fakten nach Stellenwert und Logik.
  3. Wo?
    Ob etwas jenseits des Äquators oder aber in der eigenen Gemeinde geschehen ist, macht für den Leser einen Unterschied. Manches Ereignis versteht man auch nur, wenn man weiß, wo es passiert ist. Und schließlich: Wenn der Leser handeln soll (zum Beispiel bei einer Einladung), muss er wissen, wo.
  4. Wann?
    Die Zeiten gehören unbedingt dazu. Eine andere Frage ist, wie du Zeitabläufe darstellst. Ob du chronologisch berichtest oder zum Beispiel mitten ins Geschehen springst und von dort aus die Geschichte rückwärts aufrollst, ist eine Frage des Verständnisses und der Dramaturgie. Die Nacherzählung eines Ereignisses ist zwar leicht nachzuvollziehen, aber oft ermüdend. Wer zum Beispiel von der Mitgliederversammlung berichtet, sollte schnell zum Punkt kommen: Was war bemerkenswert?
  5. Wie?
    Manchmal ergibt es sich schon aus dem Geschehen selbst; dann musst du es nicht erläutern. Wenn aber zum Beispiel dein Verein auf kreative Weise neue Mitglieder geworben hat, will der Leser wissen, wie das gelungen ist.
  6. Warum?
    Im Stadion ist das Licht ausgegangen und 10.000 Zuschauer sitzen plötzlich im Dunklen. Das ist spannend. Und jetzt will der Leser wissen: Was steckt dahinter?

Manchmal ist sogar noch eine siebte W-Frage zu beantworten, die nach dem „woher“. Lege die Quellen, aus denen die Informationen stammen, immer dann offen, wenn sie für den Leser wichtig sind, um sich ein Urteil zu bilden.

Auf welche der W-Fragen der Autor Antwort geben muss und in welcher Reihenfolge entscheidet erstens der Leser und zweitens der Autor. Der Leser, weil seine Bedürfnisse nach Verständlichkeit jedem Text die Leitlinien vorzeichnen. Der Autor, weil die Ziele, die er verfolgt, den Ablauf der „Erzählung“ bestimmen.

 

Ein Beispiel

Nehmen wir an, du möchtest über eine außerordentliche Versammlung berichten, in der Vorstand, Mitglieder und Bürgermeister diskutiert haben, wie Hochwasserschäden des Vereins beseitigt werden können. Welche Fragen musst du beantworten?

 

W-Frage Antwort
Wann? Tag / Uhrzeit
Wo? im Rathaus (wegen Überschwemmung des Vereinsheims)
Wer? 100 Mitglieder (so viele waren noch nie dabei), Vorstand vollzählig, Bürgermeister (vom Vorstand eingeladen)
Was? außerordentliche Mitgliederversammlung
Themen:

  • Zuschuss der Gemeinde für Beseitigung der Hochwasserschäden im Verein (Vereinsheim)
  • Zeitweise Nutzung der gemeindlichen Anlagen
  • Spendenaufruf an Mitglieder

Ergebnisse:

  • Nutzung: ja (Ort, Termine, mehr Infos am Schwarzen Brett)
  • Vom Vorstand geforderter Zuschuss: 5.000 € / Beschluss des Stadtrats innerhalb von zwei Wochen
  • Spenden: bisher 75, gesamt rund 1.500 €
Warum?  

  • Aufräumarbeiten dauern rund vier Wochen
  • Kosten von rund 6.000 € übersteigen finanzielle Mittel des Vereins
  • Mitverantwortung der Gemeinde: unzureichende Hochwasservorbeugung
  • Solidarität der Mitglieder
Wie?  

  • Hitzige Debatte (53 Wortmeldungen in 3-stündiger Diskussion!)
  • „Ehrenwort“ des Bürgermeisters, den Zuschuss zu befürworten

Zitate:

  • „Uns steht das Wasser bis zum Hals und der Stadtrat macht Trockenübungen!“ (Schatzmeister)
  • „Bei uns ist Ebbe in der Kasse.“ (Bürgermeister)

Wenn du geklärt hast, was wichtig für den Leser ist, hast du alle Materialien für das Textgerüst beisammen. Der nächste Schritt: Fügst du es so zusammen, dass es tragfähig, das heißt informativ und interessant ist.

 

Satzstruktur – weniger ist mehr

Das Textgerüst steht? Phase zwei beim Aufbau eines Textes: das Satzgefüge. Auch hier gilt: Übersichtlichkeit ist Trumpf. Sätze, die kein Ende finden, sind für den Leser meist ein Elend. Und wie lang ist ein optimaler Satz? Kurz! Allgemeingültige Vorgaben gibt es nicht, wohl aber einige Richtwerte:

 

5 Wörter: Durchschnitt in „Bild“
9 Wörter: Obergrenze der optimalen Verständlichkeit laut dpa (Deutsche Presse-Agentur)
15 Wörter: Durchschnitt in deutschen Tageszeitungen
20 Wörter: Obergrenze des Erwünschten nach dpa-Empfehlung
30 Wörter: Obergrenze des Erlaubten laut dpa

(Quelle: Wolf Schneider, Deutsch für Profis)

 

Lange Sätze sind keine Kunst. Sie enthüllen höchstens, dass sich der Autor nicht genügend Mühe gemacht hat. Da wird in einen Satz hineingepackt, was irgendwie zusammenhängt. Profis machen es anders: Sie bearbeiten das Thema so lange, bis sie den Leser in kleinen Schritten und kurzen Sätzen ans Ziel führen können. Faustregel: Möglichst nur ein Gedanke pro Satz mit nicht mehr als einem Nebensatz, denn der Mensch kann nur einen Gedanken auf einmal denken. Für den Autor ist das harte Arbeit: Sich schwierig auszudrücken ist ein Kinderspiel, einfach zu schreiben hohe Spielkunst!

Mach‘ mal einen Punkt!

Lange Schachtelsätze sind kein Vorbild. Oder findest du folgenden Satz mit 38 Wörtern und sechs Informationen leicht zu lesen?

„Die Mannschaft, nach einem langen und intensiven Trainingslager vermeintlich fit, erfüllte die Erwartungen der fünfzehnhundert Zuschauer und des neuen, mit vielen Vorschusslorbeeren bedachten Trainers, der bereits mehrere Meisterschaften errungen hat, nur in der ersten Viertelstunde.“

Das ist Schwerstarbeit für jeden Leser! Und so „klingt“ es, wenn man sich Mühe gibt:

„Ein neuer Trainer, der weiß, wie man Meister macht. Ein langes Trainingslager, in dem sich die Mannschaft intensiv auf das Spiel vorbereitet hatte. Die 1.500 Zuschauer durften viel von ihrem Team erwarten. Doch der Schwung reichte nur für 15 Minuten.“

Tipp: Wenn du Texte in WORD erstellst, kannst du dir im Menü „Extras“, Menüpunkt „AutoZusammenfassen“ die Anzahl von Wörtern und Sätzen anzeigen lassen. Dividiere die Anzahl der Wörter durch die Anzahl der Sätze und du erhälst die durchschnittliche Satzlänge deines Textes.

 

Fazit Texte für den Verein schreiben

Nicht jeder ist gleich Profi im Vereinstexte schreiben, Amateure müssen es nicht direkt besser können sondern erstmal nur besser wissen. Über Geschmack lässt sich zwar auch beim Schreiben streiten, aber nicht alles ist Geschmackssache. Es ist ähnlich wie beim Eiskunstlaufen: Über den künstlerischen Wert der Kür mag man streiten. Doch wer sich aufs Eis wagt, sollte zumindest die Pflichtübungen beherrschen.