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Januar 2021

Thema

Vereinsgründung - Alles was ihr wissen müsst!

Vereinsgründung Alles was ihr wissen müsst

In Deutschland gibt es über 600.000 Vereine. Fast jeder zweite Deutsche ist Mitglied eines Vereins. Das allein lässt schon erahnen, welche tragende Rolle Vereine in unserer Gesellschaft spielen. Trotz der schon hohe Vereinsdichte im Lande ist von Stagnation im Vereinswesen keine Spur: Jährlich werden über 10.000 Vereine neu ins Vereinsregister eingetragen (Daten des Bundesamts für Justiz in der ZIVIZ Umfrage 2017). Grund genug, sich mit dem Thema Vereinsgründung einmal genauer zu beschäftigen, oder nicht?

Einige Informationen dieses Artikels stammen direkt aus dem Vereinsrecht (§§21 – 79 BGB). Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) stellt online einen Leitfaden zum Vereinsrecht zur Verfügung. Möchtest du einen Verein gründen, so wird sich ein Blick in den Leitfaden für dich definitiv lohnen.


1. Wieso sollte ich einen Verein gründen und eintragen?

Bevor wir uns damit beschäftigen, wie genau die Vereinsgründung abläuft, wollen wir kurz darauf eingehen, warum es sich überhaupt lohnt einen Verein zu gründen (und diesen ins Vereinsregister eintragen zu lassen):

Zur Ausübung deiner Freizeitbeschäftigung oder zur Organisation deines sozialen Engagements benötigst du nicht zwingend einen klassischen eingetragenen Verein („e.V.“). Dennoch organisieren die meisten Deutschen ihre „Projekte“ in Vereinen – und das aus gutem Grund: In der Form des Vereins hat der Gesetzgeber verschiedene (vor allem rechtliche und steuerliche) Vorteile geschaffen, um ehrenamtliche Arbeit zu unterstützen. Diese Vorteile (vor allem auch im Vergleich zu einem nicht eingetragenen Verein), haben wir hier für dich in einem gesonderten Blogbeitrag zusammengefasst.


Neben dem Verein gibt es weitere Rechtsformen, die theoretisch als Basis für deine Projekte geeignet sein könnten, darunter etwa die gemeinnützige GmbH (gGmbH), die Stiftung oder die Genossenschaft. Da diese Rechtsformen aber meist nur bei speziellen Ausgangslagen (z.B. einem sehr großen Vermögen) ihr volles Potenzial entfalten können, kommen sie in der Praxis deutlich seltener vor als der Verein (eine kurze Auflistung der Unterschiede einiger Rechtsformen findest du hier). „In der Regel“ ist der eingetragene Verein aber die passende Rechtsform für dein Projekt ist.

2. Wie gründe ich einen Verein?

Die nötigen Schritte bei der Gründung eines Vereins und deren zeitliche Abfolge sind in der Regel immer ähnlich:

  1. Finden der Gründungsmitglieder
  2. Einberufen der Gründungsversammlung
  3. Erarbeiten der Vereinssatzung
  4. Anfertigen und Unterzeichnen des Gründungsprotokolls
  5. Prüfen der Gemeinnützigkeit (optional)
  6. Eintragung ins Vereinsregister
  7. Eröffnen eines Bankkontos

Was sich hinter den einzelnen Punkten genau verbirgt, zeigen wir dir und deinen Mitgründern in den folgenden Abschnitten.

2.1 Die Gründungsmitglieder

Um in Deutschland einen Verein gründen zu dürfen, benötigst du keinerlei „Voraussetzungen“. Jeder deutsche Staatsbürger darf nämlich einen Verein gründen. Und auch wenn du keine deutsche Staatsbürgerschaft hast, so hast du Möglichkeiten, einen Verein zu gründen (mehr Infos zu dazu? Die gibt es hier!)

An der Gründung eines Vereins müssen laut BMJV mindestens zwei Personen beteiligt sein. Die Eintragung ins Vereinsregister erfordert nach §59, Absatz 3 BGB jedoch mindestens 7 Vereinsmitglieder. Theoretisch ist es möglich, dass ihr euren Verein mit beispielsweise 4 Personen gründet und in der kurzen Zeit bis zur Eintragung ins Vereinsregister weitere Mitglieder rekrutiert – das ist aber vermutlich nicht die gängigste Praxis. Habt ihr direkt bei der Vereinsgründung 7 Gründungsmitglieder am Start, seid ihr auf der sicheren Seite.

Ist euer Verein einmal im Vereinsregister eingetragen, so darf sich anschließend die Zahl eurer Mitglieder theoretisch sogar wieder reduzieren – Mindestens drei Mitglieder benötigt ihr aber immer, damit euch der Status als eingetragener Verein nicht entzogen wird.

2.2 Die Gründungsversammlung

Zur Gründung eures Vereins müsst ihr eine erste offizielle Mitgliederversammlung – die sogenannte Gründungsversammlung – abhalten. Die Gründungsversammlung ist gesetzlich bei der Vereinsgründung vorgeschrieben und der erste Schritt zur rechtlichen Anerkennung eures Vereins. Bei der Gründungsversammlung müsst ihr im Wesentlichen 3 Dinge tun:

• Ihr bestimmt den Namen eures Vereins

• Ihr erarbeitet und verabschiedet eure Satzung

• Ihr wählt einen Vorstand

Die Beschlüsse eurer Gründungsversammlung haltet ihr in einem Gründungsprotokoll fest. Eine Mustervorlage für ein solches Gründungsprotokoll könnt ihr euch hier herunterladen.

Um der Bedeutung der Gründungsversammlung gerecht zu werden, haben wir dem Thema einen eigenen Beitrag gewidmet, der das Thema etwas weitgehender beleuchtet. Wie ihr eure Gründungsversammlung im Vorfeld optimal vorbereitet, zeigen wir euch ebenfalls in einem eigenen Leitfaden.

Bei der Wahl eures Vereinsnamens seid ihr generell frei. Es gelten aber die Grundsätze der Namensklarheit und Namenswahrheit. Euer Vereinsname muss sich klar von den Bezeichnungen anderer Vereine unterscheiden. Er darf auch nicht täuschen (indem er z.B. eine falsche Vereinsgröße oder einen anderen Vereinszweck suggeriert). Achtet darauf, dass ihr mit eurer Namenswahl nicht die Persönlichkeits- oder Namensrechte anderer verletzt.

Durch §12 BGB genießt euer Vereinsname einen grundsätzlichen Namensschutz. In einigen Fällen kann es aber sinnvoll sein, euren Namen zusätzlich schützen zu lassen.

2.3 Die Vereinssatzung

Das Erarbeiten und Diskutieren der Vereinssatzung ist eines der Kernthemen bei eurer Gründungsversammlung. Nach §57 BGB muss eure Satzung mindestens die folgenden Punkte enthalten:

• Den Zweck eures Vereins

• Den Namen eures Vereins

• Den Sitz eures Vereins

• Eine Anmerkung, dass euer Verein ins Vereinsregister eingetragen werden soll.

Über die in §57 aufgelisteten Anforderungen solltet ihr noch einige weitere Punkte in eurer Satzung festhalten:

• Bestimmungen zur Zusammensetzung und Wahl eures Vorstandes  

• Regelungen zum Ein- und Austritt von Mitgliedern

• Regelungen zu euren Mitgliedsbeiträgen

• Wann (Frist), wie (Form) und unter welchen Voraussetzungen eine Mitgliederversammlung einberufen werden kann

• Regelung zur Beurkundung von Beschlüssen 

Online gibt es viele Mustersatzungen, an denen ihr euch beim Verfassen eurer eigenen Satzung orientieren könnt. Ehrenamt 24 bietet z.B. eine Mustersatzung zum Download an. Darüber hinaus findet ihr dort auch viele weitere relevanten Vorlagen und Muster. Reinschauen lohnt sich!

Alles, was ihr in eurer Satzung nicht regelt, wird durch das BGB geregelt. Über die nötigen „Mindestanforderungen“ eurer Satzung hinaus habt ihr als Verein bei der Gestaltung und Formulierung der einzelnen Satzungsinhalte aber einigen Spielraum. Möchtet ihr diesen Spielraum nutzen, so solltet ihr euch aber über die rechtliche Zulässigkeit eurer Satzung beraten lassen.

2.4 Die Gemeinnützigkeit

Ein Verein ist nicht von sich aus gemeinnützig. Die Eintragung ins Vereinsregister und die Gemeinnützigkeit eines Vereins hängen auch nicht zusammen. Die Gemeinnützigkeit ist etwas, das euch vom Finanzamt gewährt wird und sich nur steuerliche auswirkt. Möchte euer Verein die Gemeinnützigkeit beantragen, so ist es empfehlenswert, eure Satzung vor der Eintragung ins Vereinsregister dem zuständigen Finanzamt zur Prüfung vorzulegen.

Die Gemeinnützigkeit bietet eurem Verein vor allem steuerliche Vorteile. Sie ist aber auch an einige Auflagen und Bedingungen geknüpft. Die Kollegen von Ehrenamt 24 listen hier für euch einige Vor- und Nachteile der Gemeinnützigkeit auf.

2.5 Die Eintragung ins Vereinsregister

Der Eintrag ins Vereinsregister ist keine gesetzliche Pflicht. Wie in Kapitel 1 aber bereits erläutert hat das Dasein als „eingetragener Verein“ enorme Vorteile.

Die eigentliche Eintragung des Vereins wird von eurem (frisch gewählten) Vorstand (in Zusammenarbeit mit einem Notar) vorgenommen. Dabei muss euer Vorstand einige Dinge beim zuständigen Amtsgericht einreichen:

• Ein Anmeldeformular (notariell beglaubigt)

• Das Protokoll der Gründungsversammlung

• Die von euren Gründungsmitgliedern unterschriebene Satzung (Original + Kopie)

Das Amtsgericht prüft eure Eintragung und sendet euch bei Annahme des Antrags einen Registerauszug zu. Ausführlichere Informationen zum Eintrag ins Vereinsregister bieten wir euch hier.

2.6 Eröffnung eines Bankkontos

Nach der Eintragung eures Vereins in das Vereinsregister müsst ihr ein Bankkonto für euren Verein einrichten. Für die Einrichtung des Vereinskontos müsst ihr bei der Bank in der Regel euren Registerauszug, das Gründungsprotokoll und eine Legitimation aller bevollmächtigten Personen vorlegen.

Die Auswahl der für euch passenden Bank ist wieder ein Thema für sich. Viele Direktbanken bieten meist keine (oder zumindest keine guten) Vereinskonten an. Sparkassen und Volksbanken sind hier gewöhnlich etwas besser aufgestellt. Um eine gründliche Recherche der Möglichkeiten bei euch vor Ort werdet ihr aber nicht herumkommen. Egal ob Direktbank oder nicht, in eurer Vereinssoftware lassen sich in der Regel die Konten aller Banken einrichten.

3. Was kostet die Vereinsgründung?

Eine Vereinsgründung ist nicht sonderlich kostspielig. Auf die folgenden Kosten müsst ihr euch bei der Vereinsgründung aber auf jeden Fall einstellen:

Notargebühr für die Beglaubigung des Anmeldeformulars: ca. 30€ – 40€

Gebühren beim Amtsgericht zur Eintragung ins Vereinsregister: 75€

Bekanntmachung der Eintragung: ca. 30€

Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit seitens des Finanzamts kostet nichts. Lasst ihr euch bei der Erstellung eurer Satzung von einem Fachmann helfen, kommen hier natürlich weitere Kosten auf euch zu.

4. Fazit

Mit dem eingetragenen Verein haben wir in Deutschland optimale rechtliche Voraussetzungen zur Organisation unserer freizeitlichen oder ehrenamtlichen Tätigkeiten. Einen Verein zu gründen benötigt zwar etwas Planung und Organisation, mit der richtigen Vorbereitung lassen sich aber alle bürokratischen Hürden einfach überwinden. Auch die Kosten der Vereinsgründung halten sich in Grenzen. Zehntausende machen jährlich vor, dass die Gründung eines Vereins kein Hexenwerk ist.