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Spenden sammeln

Deutschland ist als eines der spendenfreudigsten Länder bekannt. Doch häufig bevorzugt man die großen Organisationen (die mit einem ganz schönen Werbeaufwand nach Spendern suchen). Auch, wenn wegen einem spektakulären Ereignis (z. B.: Naturkatstrophen, Kriege) zu Spenden aufgerufen wird, unterstützen das viele Menschen – und das ist auch gut und richtig.  Aber der örtliche Gesangs- oder Sportverein hat es da sehr viel schwerer, Spenden für seine Arbeit zu bekommen. Hier einige Ratschläge, wie du es schaffen kannst, Geld für deinen Verein zu bekommen.

Sogenannte Haus- und Straßensammlungen, bei denen Personen konkret angesprochen werden, sind genehmigungspflichtig. Aber es gibt auch einige Möglichkeiten, Spenden zu sammeln, ohne dazu vorher eine Genehmigung einzuholen.

Nicht drauflos sammeln

Wenn Du über die klassischen Medien (Zeitung, Flugblatt oder Plakat) ohne einen besonderen Anlass um Spenden bittest, wird der Erfolg eher überschaubar sein. Um es deutlich zu sagen: Er läuft dann meist gegen Null. Bei Aufrufen über die Internetseite oder Social-Media-Kanäle kann das schon anders aussehen, weil du hier viel näher an der Zielgruppe bist. Aber auch hier wirst du so ohne weiteres keine großen Erfolge erzielen.

Für das Sammeln von Spenden, bei denen die potenziellen Spender nicht direkt angesprochen werden, gilt nämlich ein wichtiger Grundsatz: Sammle nicht „nur für den Verein“ sondern für einen konkreten Zweck.

Wenn du beispielsweise einen Pressebericht an die regionalen Zeitungen schickst, in dem du um die Unterstützung der Jugendarbeit bittest, werden sich mehr Leserinnen und Leser dazu durchringen, den Verein zu unterstützen. Wenn du dann noch ein Foto von fröhlichen Kindern beifügst, wird der Erfolg noch größer sein. Denke aber daran, dass du für die Veröffentlichung des Fotos die Zustimmung aller Erziehungsberechtigten brauchst, deren Kinder abgebildet sind.

Noch besser ist es, wenn es einen ganz speziellen Anlass gibt. Beispielsweise die Finanzierung von Musikinstrumenten, Sportgeräten usw. Wenn es um überschaubare Summen geht, kann man die Spender auch durch eine indirekte Sachspende animieren. Hier dazu ein Beispiel:

Ein Fußballverein hat einen ganz schönen Verbrauch an Bällen. Darum rief ein Verein zur „Ballspende“ auf. Jeder, der einen Ball bezahlte, durfte diesen bei einem Spiel seiner Wahl persönlich der Mannschaft schenken. Für die Bälle wurde ein Preis vom Verein angesetzt, der dem normalen Preis im Laden entsprach. Angeschafft wurden sie jedoch vom Verein, der durch kluge Verhandlungen und die Massenabnahme die Bälle günstiger kaufen konnte. So wurden nicht nur die Bälle finanziert, sondern auch noch einige Euros in die Vereinskasse gespült.

Öffentlich machen – ja oder nein?

Gerade, wenn es um konkrete Gegenstände geht, findet sich auch oft ein privater Spender oder Unternehmer, der die Bälle kauft und dem Verein schenkt.  Dass von der Übergabe ein Pressebericht für die Lokalzeitung geschrieben wird, scheint zunächst selbstverständlich – ist es aber nicht. Bevor Du mit der Spende in die Öffentlichkeit gehst, sprich erst mal mit dem Spender. Gerade bei Unternehmen ist es oft so, dass man gar nicht genannt werden will, um nicht auch noch andere Vereine zu animieren, hier um Spenden zu bitten, die man dann vielleicht ablehnen muss.

Wenn Du die Zustimmung des Spenders hast, vergiss auch hier nicht, ein aussagefähiges Bild beizufügen. Möglicherweise ist dieser Pressebericht dann schon wieder Anstoß für neue Spenden.

Wer kommt als Spender infrage?

Bisher haben wir über Aktionen gesprochen, bei denen du mehr oder weniger im Nebel stocherst, und versuchst, Spender „auf gut Glück“ zu finden. Besser ist es aber immer, wenn man sich vorher darüber im Klaren ist, wer als Spender für die Aktion oder das Projekt infrage kommt. Dazu kannst du dir einige grundsätzliche Fragen stellen, um den Kreis möglicher Spender einzugrenzen.

Frag dich erst einmal, welcher Spender zur Größe und zur Bedeutung deines Vereins passt? Es macht wenig Sinn, auf höchsten Ebenen um Spenden zu bitten, wenn der Verein nur lokale oder regionale Bedeutung hat. Das gilt übrigens nicht für die Suche nach anderen Fördermitteln, wie Zuschüsse vom Staat oder von Stiftungen.

Hast du eine Liste von Spendern, die so zu Verein passen, musst du klären, ob der Spender mit den Zielen des Projekts harmoniert? Wenn dein Verein beispielsweise ein Projekt gegen den Pelztierhandel startet, sind ortsansässige Kürschner nicht unbedingt die Erste Wahl, die man als Spender ansprechen kann.

Tipp: Haben deine Vereinsmitglieder direkten Kontakt zu potenziellen Spendern (Verwandtschaft, Freundeskreis usw.), sollten diese auch direkten Kontakt aufnehmen. Bei der Suche nach Spendern ist „Vitamin B“ legitim

Geben und Nehmen

Dein Verein will etwas vom Spender: sein Geld. Doch der Spender erwartet auch etwas von Euch. Gerade von einem örtlichen Verein erwartet er, dass dieser sich dankbar zeigt – ihn vielleicht sogar ein wenig hofiert. Ein Verein darf sich nicht wundern, dass er von den Spendern nur einmal eine Spende erhält – und dann nie wieder, wenn man sich nicht um ihn kümmert. Einen Dankesbrief sollte es für jede – auch für die kleine – Spende geben.

Für den Spender besonders wichtig: Was wird aus seiner Spende? Deshalb schreib‘ ihm das, wenn du dich für die Spende bedankst. Wenn es schon Presseberichte über das Projekt gibt, oder Fotos von der Aktion, füge diese bei. Bei Fotos muss aber auch hier eine Genehmigung der abgebildeten Personen vorliegen, dass das Foto vom Verein genutzt werden darf (Bei Minderjährigen die Zustimmung der Erziehungsberechtigten).   

Tipp: Kleine Aufmerksamkeiten wie ein Taschenkalender oder Aufkleber kommen gut an – aber nicht übertreiben, sonst fragt sich der Spender, ob sein Geld etwa für so etwas ausgegeben wird – was ganz sicher nicht in seinem Sinne ist.

Übrigens: Bei einer Spendensammlung über die Presse sollte im Nachhinein die Redaktion auch über den Erfolg der Aktion informiert werden. Naben dem Ergebnis muss dann auch geschildert werden, wofür das Geld ausgegeben wird oder wurde. Doch mit dem Dankschreiben hört es nicht auf. Spender, bei denen man mit weiteren Zuwendungen rechnen kann, sollten mindestens alles halbe Jahr angeschrieben und über die Entwicklungen im Verein informiert werden. Bei Spendern gilt das Gleiche wie bei Kunden: Neue gewinnen ist wichtig – aber ebenso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger, ist, die bereits gewonnenen Spender zu halten.