Babyausstattung, das neue Kinderzimmer, die Betreuung und später die Ausbildung –Ausgaben rund um den Nachwuchs belasten die Familienkasse enorm. Doch der Fiskus unterstützt junge Eltern. Lesen Sie hier die wichtigsten Fragen- und praxisnahe Antworten darauf.

Müssen Eltern ihr Baby beim Finanzamt registrieren lassen?

Die Antwort auf diese Frage ist ein entschiedenes „Jein“. Zwar werden schon Babys als Steuerpflichtige erfasst, und sie erhalten gleich nach der Geburt ihre persönliche Identifikationsnummer. Doch die Eltern müssen hierfür nicht selbst aktiv werden.

Der Grund: Teilen sie die Geburt dem Standesamt mit, ergeht automatisch eine Meldung an das Bundeszentralamt für Steuern, welches wiederum die steuerliche Identifikationsnummer vergibt. Das kann so schnell gehen, dass in manchen Fällen die Identifikationsnummer noch vor der Geburtsurkunde im Briefkasten der Eltern liegt.

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Ist die steuerliche Identifikationsnummer des Babys wichtig?

Ja, denn wenn Eltern Kindergeld für den Nachwuchs bekommen möchten, müssen sie seit 2016 der Familienkasse nicht nur ihre eigene Steuer-Identifikationsnummer mitteilen, sondern auch die des Kindes, für das Kindergeld beantragt wird. Mit dieser Regelung wollen die Behörden sicherstellen, dass sie Kindergeld nicht mehrfach auszahlen.

Wer hat Anspruch auf Kindergeld?

Den finanziellen Zuschuss bekommen deutsche Staatsangehörige, wenn sie in der Bundesrepublik ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt haben. Oder sie wohnen im Ausland, sind aber weiterhin in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig.

Kindergeld steht jedoch auch Eltern zu, die Staatsangehörige der EU und der Schweiz sind und in Deutschland wohnen. Dies gilt ebenso für Angehörige aus Staaten, mit denen die Bundesrepublik entsprechende zwischenstaatliche Vereinbarungen getroffen hat. Dies sind zum Beispiel die Türkei, Serbien, Montenegro, Tunesien, Marokko, Kosovo, Algerien, Bosnien und Herzegowina. Voraussetzung ist jedoch, dass sie hierzulande einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen oder Arbeitslosengeld beziehen.

In der Bundesrepublik wohnende Ausländer aus dem übrigen Ausland, die über eine gültige Aufenthaltserlaubnis verfügen, können ebenfalls Kindergeld bekommen. Das gilt auch für unanfechtbar anerkannte Flüchtlinge und Asylberechtigte.

Wie hoch ist das Kindergeld?

Ab 2018 beträgt das Kindergeld für das erste und zweite Kind jeweils 194 Euro im Monat. Für das dritte Kind werden 200 Euro gezahlt, und ab dem vierten erhalten die Eltern monatlich 225 Euro für jedes weitere Kind.

Wo und wie wird das Kindergeld beantragt?

Der Antrag auf Kindergeld muss bei den Familienkassen der Agentur für Arbeit gestellt werden. Dafür müssen Eltern die amtlich vorgeschriebenen Dokumente verwenden: das zweiseitige Formular „Antrag auf Kindergeld“ (KG1) und die „Anlage Kind zum Antrag auf Kindergeld“. Beides kann auf der Internetseite der Bundesagentur für Arbeit heruntergeladen werden.

Wer bekommt das Kindergeld, wenn es mehrere Anspruchsberechtigte gibt?

Für ein Kind kann immer nur eine Person Kindergeld erhalten. Sofern der Sohn oder die Tochter im gemeinsamen Haushalt der Eltern lebt, müssen sich die Erwachsenen einigen, wer es erhalten soll. Leben Vater und Mutter nicht zusammen, wird grundsätzlich jenem Elternteil der Betrag ausgezahlt, der das Kind in seinem Haushalt aufgenommen hat. Falls der Nachwuchs nicht im Haushalt eines Elternteils lebt, wird das Kindergeld an denjenigen ausgezahlt, der dem Kind laufend den höheren Barunterhalt zahlt.

Worin liegt der Unterschied zu den Kinderfreibeträgen?

Das Kindergeld wird monatlich auf das Konto eines Elternteils überwiesen. Jede Familie erhält den gleichen Betrag – unabhängig von Einkommen und Vermögen.

Die Kinderfreibeträge sind dagegen Posten, die im Zuge der Einkommensteuererklärung berücksichtigt werden und die Einkommensteuer, den Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer des Steuerpflichtigen reduzieren. Aufgrund der Progression des Steuertarifs führt der Kinderfreibetrag zu einer höheren Steuerminderung, je höher das Einkommen der Eltern ist.

Soll man Kindergeld überhaupt noch beantragen oder direkt den Kinderfreibetrag wählen?

Ob der Familienleistungsausgleich über das Kindergeld oder die Kinderfreibeträge erfolgt, liegt nicht in der Wahl der Eltern. Sie sollten deshalb immer grundsätzlich Kindergeld beantragen. Bei der Einkommensteuerveranlagung prüft das Finanzamt dann für jedes Kind automatisch, ob das Kindergeld oder ob der Abzug der Freibeträge für die Familie günstiger ist – man spricht von der sogenannten Günstigerprüfung.

Ist das Kindergeld günstiger, bleibt alles beim Alten, und die Kinderfreibeträge werden nicht angesetzt. Sofern diese jedoch günstiger sind, werden sie abgezogen und das Kindergeld der Einkommensteuer hinzugerechnet.

Was ist das Elterngeld, und wer bekommt es?

Das Elterngeld ist eine staatliche Leistung, die das Einkommen von Vätern oder Müttern ersetzen soll, wenn sie nach der Geburt nicht arbeiten, sondern den Nachwuchs betreuen. Anspruch hat immer jenes Elternteil, das nach der Geburt zu Hause bleibt

Dabei gelten zwei Voraussetzungen: Der Junior muss in einem Haushalt in Deutschland leben. Und während des Elterngeldzeitraums darf der Vater oder die Mutter nicht mehr als 30 Wochenstunden arbeiten.

Außerdem gibt es noch eine Einschränkung: Eltern, die im Jahr vor der Geburt ein gemeinsames zu versteuerndes Einkommen von 500.000 Euro (bei Alleinerziehenden 250.000 Euro) erzielt haben, haben keinen Anspruch auf Elterngeld.

Wie lange dauert der Elterngeldzeitraum?

Grundsätzlich können Eltern ab der Geburt bis zu 14 Monate lang das sogenannte Basiselterngeld erhalten. Die Eltern können frei wählen, wer das Kind wie lange betreut, und sich dabei auch abwechseln. Ein Elternteil allein kann für mindestens zwei und höchstens zwölf Monate Basiselterngeld beziehen.

Was ist das Elterngeld-Plus?

Das Elterngeld-Plus ist insbesondere für Väter und Mütter gedacht, die weiterhin in Teilzeit arbeiten möchten. Es wird über den 14. Monat nach der Geburt hinaus gezahlt.

Tatsächlich erhält man jedoch nicht mehr Geld – das Elterngeld-Plus beträgt nämlich maximal die Hälfte des Basiselterngelds. Im Gegenzug wird es für einen doppelt so langen Zeitraum gezahlt. Die Rechnung des Bundesfamilienministeriums: ein Elterngeldmonat gleich zwei Elterngeld-Plus-Monate.

Wie hoch fällt das Elterngeld aus?

Ausgangspunkt für die Berechnung ist das Nettoeinkommen des betreuenden Elternteils vor der Geburt. Grundsätzlich beträgt das Elterngeld 67 Prozent dieses Verdienstes. Je nach Einkommen kann sich der Prozentsatz jedoch verändern.

Maximal werden 1.800 Euro pro Monat gezahlt, mindestens jedoch 300 Euro im Monat. Dies gilt auch dann, wenn vor der Geburt kein Einkommen vorhanden war. Bei der Berechnung gelten jedoch noch zwei Besonderheiten:

  • Lag das Einkommen unter 1.000 Euro, erhöht sich der Prozentsatz von 67 Prozent um 0,1 Prozentpunkte für je zwei Euro, um die das Einkommen die 1.000-EuroGrenze unterschreitet, bis 100 Prozent erreicht sind. Hierzu ein Beispiel: Das Nettoeinkommen beträgt 400 Euro. Die Differenz zu 1.000 Euro beträgt 600 Euro. Damit steigt der Anspruch also um 30 Prozentpunkte (600 Euro geteilt durch zwei Euro gleich 300 – das dann mal 0,1 Prozent). Das Elterngeld beträgt daher 97 Prozent (67 Prozentpunkte plus 30 Prozentpunkte) des bisherigen Nettoeinkommens.
  • In den Fällen, in denen das Einkommen höher als 1.200 Euro war, sinkt der Prozentsatz von 67 Prozent um 0,1 Prozentpunkte für je zwei Euro, um die das Einkommen den Betrag von 1.200 Euro überschreitet, auf bis zu 65 Prozent. Zu kompliziert? Wer die Höhe des Elterngelds ermitteln will, kann bequem den Rechner des Bundesfamilien- ministeriums (www.familien-wegweiser.de/Elterngeldrechner) nutzen.

Wo und wie beantragt man das Elterngeld?

Dies ist leider nicht deutschlandweit einheitlich geregelt. Es handelt sich zwar um eine Leistung des Bundes. Die Verwaltung des Elterngelds obliegt aber den Bundesländern, weshalb auch die Antragstellung unterschiedlich gehandhabt wird.

Auf der Website des Bundesfamilienministeriums können die jeweiligen Formulare der einzelnen Bundesländer heruntergeladen werden. Zu lange sollte man sich damit allerdings nicht Zeit lassen, denn Elterngeld wird nur drei Monate rückwirkend nach Antragstellung geleistet.

Deshalb der Tipp: den Antrag auf Elterngeld unbedingt in den ersten drei Lebensmonaten des Nachwuchses einreichen.

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Wie hoch sind die Kinderfreibeträge?

Der Kinderfreibetrag beträgt ab 2018 pro Elternteil jährlich 2.394 Euro. Zusätzlich gibt es noch einen Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf von 1.320 Euro. Insgesamt stehen also 3.714 Euro (2.394 Euro plus 1.320 Euro) zur Verfügung.

Wenn die Eltern zusammen zur Einkommensteuer veranlagt werden, verdoppeln sich die Beträge, sodass dann insgesamt 7.428 Euro abgezogen werden können. Für jeden Monat, in dem die Voraussetzungen nicht vorliegen, verringern sich die Kinderfreibeträge um ein Zwölftel.

Sind die Kinderfreibeträge verfassungsgemäß?

Im Jahr 2016 hat das Niedersächsische Finanzgericht festgestellt (Az. 7 V 237/15), dass es für 2014 und wohl auch für Vorjahre die Kinderfreibeträge für zu niedrig hält. Das betrifft Eltern, für die der Abzug der steuerlichen Kinderfreibeträge günstiger ist als das Kindergeld. Ab 2015 und auch ab 2016 wurden die Kinderfreibeträge jedoch erhöht, sodass hier derzeit noch niemand Bedenken geäußert hat.

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