„Soll ich als Student eine Steuererklärung abgeben?“ Vielleicht hast du dich das auch schon mal gefragt. Die Antwort ist einfach: Es lohnt sich so gut wie immer. Denn als Student kannst du alle Kosten rund um dein Studium bei der Steuer absetzen. Doch das Steuerrecht unterscheidet hier zwischen Erststudium oder Zweitstudium.

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Erststudium: Kosten als Sonderausgaben auf 6.000 Euro begrenzt

Bei deiner ersten Berufsausbildung kannst du deine Ausgaben nur als so genannte Sonderausgaben geltend machen. Diese Einordnung hat leider mehrere Nachteile:

  1. Du kannst maximal 6.000 Euro im Jahr bei deiner Steuererklärung absetzen.
  2. Die Sonderausgaben mindern deine Steuer nur in dem Jahr, in dem du sie gezahlt hast. Das bedeutet, wenn du in dem Jahr keine Steuer zahlen musstest, kannst du sie in den Folgejahren nicht mehr ansetzen – ein Verlustvortrag ist hier also nicht möglich.

Was zählt als erste Berufsausbildung?

Doch was fällt eigentlich unter die erste Berufsausbildung? Das Finanzamt versteht unter einer Berufsausbildung jede Ausbildung, nach deren Abschluss du in der Lage bist eine Arbeitsstelle anzutreten. Darunter fallen auch Studenten, die sich im ersten Studium befinden.

Als Berufsausbildung gelten aber auch rein schulische Ausbildungen, die zu einem durch die IHK anerkannten Berufsabschluss führen (sog. Berufskollegs). Das heißt, wenn du nach deinem (Fach-) Abitur an die Universität oder Hochschule gegangen bist, um als Student deinen Bachelor zu erwerben, sind die Kosten als Sonderausgaben zu behandeln.

Jede weitere Berufsausbildung: Kosten unbegrenzt als Werbungskosten abzugsfähig

So, und jetzt zur guten Nachricht: Kosten für jede weitere Berufsausbildung kannst du bei der Steuererklärung als Werbungskosten absetzen. Dabei ist es egal, ob die erste und die zweite Berufsausbildung in einem inhaltlichen Zusammenhang stehen. Sobald du eine Berufsausbildung abgeschlossen hast, kannst du die Kosten jeder weiteren Berufsausbildung als Werbungskosten absetzen. Die einzige Voraussetzung ist, dass du vorhast, in dem neu gelernten Beruf zu arbeiten.

Damit werden die Kosten nicht mehr gedeckelt. Außerdem kannst du mit jeder Steuererklärung einen sogenannten Verlustvortrag beim Finanzamt aufbauen. Das heißt, du kannst als Student deine Studienkosten Jahr für Jahr sammeln. Die Kosten wirken sich dann als Werbungskosten in dem Jahr aus, indem du mit deinem Studium fertig bist und eine bezahlte Stelle antrittst.

Duale Ausbildung: Alle Studienkosten sind Werbungskosten

Aus steuerlicher Sicht sind duale Ausbildungen und Studiengänge ideal. Bei einer dualen Ausbildung schließt du mit deinem Ausbildungsbetrieb einen Vertrag über deine Arbeitsleistung und das Erreichen eines bestimmten Ausbildungsziels ab.

In diesem Fall sind die Kosten, die durch deine Ausbildung oder dein Studium entstehen, immer in vollem Umfang in deiner Steuererklärung abzugsfähig! Der Grund: In diesem Fall stehen die Kosten aus dem Studium in einem unmittelbaren Zusammenhang mit einem Arbeitsverhältnis und werden daher sofort als Werbungskosten abgezogen. Heißt für dich als dualen Student: Du sparst eine Menge Steuern!

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Bundesfinanzhof und Finanzamt sind sich noch uneins

Wie du siehst, kommt es für Studenten beim steuerlichen Abzug vor allem auf die Frage „Erstausbildung oder nicht“ an. Hier liegen sich aktuell der Bundesfinanzhof und das Finanzamt in den Haaren. Denn nach Auffassung des Bundesfinanzhofs sollen auch die Kosten für ein Erststudium unbegrenzt als Werbungskosten abzugsfähig sein. Dies würde ein sattes Plus für alle Studenten bedeuten- denn sie könnten ordentlich Steuern sparen.

Vor dem Bundesverfassungsgericht sind aktuell gleich mehrere Verfahren deswegen anhängig. Seit März 2015 wird dies auch von den Finanzämtern direkt im Steuerbescheid vermerkt: mit einem so genannten Vorläufigkeitsvermerk bei den Ausbildungskosten. Das bedeutet, dass der Steuerbescheid in diesem Punkt offen bleibt und nach einer positiven Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts automatisch zu Gunsten der Studenten geändert wird.

Unser Steuertipp: Steuererklärung abgeben und gegen den Bescheid Einspruch einlegen

Allen Studenten empfehlen wir daher: Gebt unbedingt eine Einkommensteuererklärung während eures Studiums ab! Denn nur so bekommt ihr eure Steuern zurück. In der Erklärung listet ihr alle Studienkosten als Werbungskosten auf, die ihr von der Steuer absetzen wollt z.B. Studiengebühren, Semestergebühren, Fahrtkosten, Literatur, PC und andere Arbeitsmittel.

Dann kreuzt ihr im Mantelbogen der Steuererklärung das Feld „Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs“ an. Das Finanzamt wird vermutlich die Studienkosten den Sonderausgaben zuordnen.

Das solltet ihr aber nicht hinnehmen und gegen den Steuerbescheid Einspruch einlegen. Darin weist ihr dann auf das Revisionsverfahren hin – und das Finanzamt muss Euren Einspruch ruhen lassen.

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0 Kommentare  ↓

Ein Gedanke zu „Studenten aufgepasst: Wie ihr eure
Studienkosten von der Steuer absetzt“

  1. Vielen Dank für den interessanten Artikel,
    dazu habe ich eine Frage:

    Ich bin neben dem Studium selbstständig und habe Kosten im Rahmen eines Auslandssemesters angesammelt.

    Laut Finanzamt habe ich durch diese Kosten keinen Vorteil, da diese aufgrund der Einnahmen durch die Selbstständigkeit nicht mehr geltend gemacht werden können, bzw. keinen Effekt mehr haben.

    Ist das richtig? Oder ist die Argumentation falsch, da die Selbstständigkeit nur meine Zweittätigkeit ist und entsprechend nicht in der Rechnung berücksichtigt werden darf?

    Können Sie mir da weiterhelfen?

    Vielen Dank und viele Grüße

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