Wenn das Familienheim vererbt wird

Kein Steuerprivileg bei Abriss und Neubau


Wird die selbstgenutzte Wohnimmobilie innerhalb des engsten Familienkreises vererbt, fällt keine Erbschaftssteuer an. Dazu gehören Ehepartner, Kinder, Stiefkinder oder Kinder verstorbener Kinder. Zusätzlich dazu können noch die persönlichen Steuerfreibeträge ausgenutzt werden.

Ein Jahrzehnt selbst bewohnt

Voraussetzung für die Steuerbefreiung ist jedoch, dass der Erblasser das Familienheim vor dem Erbfall selbst bewohnt hat. Auch müssen die Erben die Immobilie nach der Erbschaft zehn Jahre lang selber zu Wohnzwecken nutzen.

Spannend ist dabei folgende Frage: Gilt die Steuerbefreiung auch dann, wenn das Familienheim in einem maroden Zustand ist und die Erben die Immobilie deswegen abreißen und einen Neubau errichten, den sie danach weiter als Familienheim nutzen wollen?

Immobilie muss fortbestehen

Nun hat das Finanzgericht München entschieden, dass die Steuerbefreiung für das Familienheim an den physischen Fortbestand der ererbten Immobilie geknüpft ist. Sofern das ererbte Gebäude abgerissen und ein Neubau errichtet wird, fehlt es an der Bedingung der unverzüglichen Nutzung zu eigenen Wohnzwecken.

Davon könne nicht mehr gesprochen werden, wenn eine solche durch die vollständige Beseitigung des Bestandsbaues überhaupt nicht mehr stattfinden kann. Folglich führt die vollständige Beseitigung des bisherigen Familienheims zum Verlust der Steuerbefreiung (Aktenzeichen 4 K 847/13).

Gründe für Abriss egal

Nach Auffassung der Finanzrichter ist es unerheblich, ob der Abriss des bisherigen Gebäudes aus bautechnischen, ökonomischen, ökologischen oder sonstigen wichtigen Gründen für den Erwerber unvermeidbar gewesen ist. Der wegen Baufälligkeit erfolgte Abriss stellt keinen zwingenden objektiven Ausnahmegrund dar.

Für das Erbe muss also Erbschaftssteuer gezahlt werden. Die Abrisskosten für das Haus dürfen jedoch nicht von der Steuerschuld abgezogen werden, denn sie beruhen nicht unmittelbar auf dem Erwerb, sondern auf der Entscheidung zugunsten des Neubaus. Somit stellen sie keine Nachlassverbindlichkeiten dar.

Hinweis:  Falls der Erbe eine umfassende Sanierung und Modernisierung des ererbten Familienheims vornimmt und sich deswegen der Beginn der Selbstnutzung verzögert, ist dies für die Steuerbefreiung unschädlich (FG München).

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