Achtung Aktientausch

Steuerfalle „Barabfindung“


Wenn Aktiengesellschaften fusionieren oder sich spalten, müssen die beteiligten Aktionäre häufig die Aktien ihres alten Unternehmens hergeben und bekommen dafür Aktien des neuen Unternehmens. Beim Aktientausch treten die erhaltenen Anteile steuerlich an die Stelle der bisherigen Anteile. Dadurch bleiben die steuerlichen Reserven dauerhaft verstrickt und werden erst bei einer zukünftigen Veräußerung realisiert und erst dann versteuert.

FG Münster: Besteuerung ist rechtmäßig

Doch Vorsicht, es lauert eine fiese Steuerfalle: Wird bei einem Aktientausch zusätzlich ein Barausgleich gezahlt, ist dieser ebenso wie eine Bardividende steuerpflichtig und unterliegt sofort der Abgeltungsteuer.

Ist das rechtens? Ja, entschied das Finanzgericht Münster: Die sofortige und volle Besteuerung der Barabfindung ist rechtens und verstößt nicht gegen höherrangiges Recht (Urteil vom 09.10.2018, Aktenzeichen 2 K 3516/17 E).

Der Fall

Der Kläger hielt in seinem Depot Aktien einer US-Gesellschaft, die er in den Jahren 2013 und 2014 für insgesamt 105.080 US-Dollar angeschafft hatte. Mitte 2015 buchte seine Bank sämtliche Aktien der Gesellschaft aus seinem Depot aus und buchte dafür Aktien eines anderen US-Unternehmens ein. Zusätzlich kam es zu einem Barausgleich von letztlich fast 90.000 Euro. Die Bank erläuterte hierzu, dass die Aktien per 12.06.2015 umgetauscht würden im Verhältnis von 1 zu 0,2909 zzgl. 50,50 US-Dollar in bar wegen einer Fusion. Die angefallenen Aktienbruchteile würden in bar vergütet. Die Bank berechnete auf den Betrag von 90.000 Euro die volle Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag.

 

Steuerberatung?

Einzelfragen zu Ihrer Steuererklärung darf leider nur ein Steuerberater beantworten. Wir freuen uns jedoch über Lob und Kritik und nehmen Ihre Anregungen gerne für zukünftige Beiträge auf.
Übrigens: In unserer Steuer-Software finden Sie eine ausführliche Hilfe und Tipps zu allen Themen rund um Ihre Steuererklärung.

  1. 1
    Chris

    Ich halte das nicht für richtig, da die 90000 Euro ja kein Gewinn sondern ein Ausgleich waren. Ähnlich war es doch als man für jede Ebay Aktie 2015 eine Paypal aktie in sein Depot gebucht bekam. Es wurden Steuern Auf die Paypal Gratisaktien erhoben. Soweit war es ja richtig. Aber: Der Kurs der Aktie hat sich genau in dem Moment halbiert, besser gesagt auf die Anteile verteilt. Das heisst man hat keine Gewinne gemacht. Schlimmer noch: Wenn man jetzt diese Paypal vekauft kommt noch die Abgeltungssteuer selbst wenn mann die Ebay schon VOR 2009 hatte, als es die Abgeltungssteuer noch garnicht gab.

+ Kommentar hinterlassen