Als Kleinunternehmer starten

Als Kleinunternehmer starten

Wie funktioniert das Schätzen der Umsätze im ersten Jahr?


Endlich startet das eigene Gewerbe. Wollen Sie als Kleinunternehmer behandelt werden, müssen die Gewinne und Umsätze für das erste Jahr geschätzt werden. Wie funktioniert das?

Die Kleinunternehmer-Regelung

Gewerbetreibende und Freiberufler mit eher geringen Umsätzen können sich von den Unannehmlichkeiten der Umsatzsteuer befreien: Mit der Kleinunternehmerregelung. Dies ist möglich, wenn Ihr Umsatz zuzüglich der darauf entfallenden Umsatzsteuer

  • im Vorjahr nicht höher als 17.500 Euro war und
  • im laufenden Jahr voraussichtlich nicht höher als 50.000 Euro sein wird.

Laufendes Jahr bei Schätzung maßgebend

Aber was gilt, wenn ein Umsatz im Vorjahr nicht vorliegt, weil Sie die Tätigkeit erst im laufenden Jahr beginnen? In diesem Fall ist allein entscheidend, ob Sie im laufenden Jahr die Umsatzgrenze von 17.500 Euro voraussichtlich überschreiten. Nicht maßgebend ist die Grenze von 50.000 Euro.

Existenzgründer sind also nur dann von der Umsatzsteuer befreit, wenn ihre Umsätze im Erstjahr 17.500 Euro voraussichtlich nicht überschreiten. Sollte der Umsatz im Nachhinein tatsächlich höher ausfallen, hat dies keine nachteilige Folgen – etwa in Form von Umsatzsteuer-Nachforderungen.

Rechtsprechung bestätigt Handhabung

Nun hat das Finanzgericht Köln die geltende Rechtsauffassung bestätigt: Wenn ein Unternehmen neu beginnt ist auf den voraussichtlichen Umsatz des laufenden Kalenderjahres abzustellen. Im sogenannten Erstjahr darf der Umsatz also 17.500 Euro nicht überschreiten.

Im Urteilsfall betrug der Umsatz jedoch 25.200 Euro und damit mehr als die erlaubten 17.500 Euro. Dass die Umsätze des Folgejahres niedriger als 50.000 Euro waren, ist nicht relevant, da für die Anwendung der Kleinunternehmerregelung beide Voraussetzungen zwingend erfüllt sein müssen (Aktenzeichen 5 K 1080/13).

ACHTUNG Steuerfalle!

Die Grenze von 17.500 Euro ist eine Jahresgrenze! Bei Betriebseröffnung oder Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit während des Jahres ist die Umsatzgrenze entsprechend niedriger! Wird das Gewerbe im Mai begonnen, liegt die unschädliche Umsatzgrenze folglich bei 11.666 Euro (17.500 Euro : 12 x 8). Bei Aufnahme der Selbständigkeit am 1. Dezember beträgt die Umsatzschwelle nur 1.458 Euro!

Beginnen Sie Ihre gewerbliche oder selbständige Tätigkeit im Laufe des Jahres, ist der tatsächliche Gesamtumsatz in einen Jahresgesamtumsatz hochzurechnen. Dabei sind angefangene Monate als volle Kalendermonate zu behandeln. Für die Kleinunternehmerregelung kommt es also darauf an, ob Sie mit dem prognostizierten Gesamtumsatz im Gründungsjahr voraussichtlich unter der – ggf. anteiligen – Grenze von 17.500 Euro bleiben.

Falls  Sie im Erstjahr der Betriebsgründung keine Umsätze erzielen, gilt dennoch die Umsatzgrenze von 17.500 Euro (die also unterschritten wird). Das bedeutet, dass die Kleinunternehmerregelung im Folgejahr angewandt werden kann, sofern der Umsatz im Folgejahr voraussichtlich nicht höher als 50.000 Euro ist (OFD Frankfurt vom 13.9.2005).

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