Anerkennung des doppelten Haushalts

Anerkennung des doppelten Haushalts

Wieviel Kilometer müssen es sein?


Immer mehr Arbeitnehmer machen beim Fiskus die doppelte Haushaltsführung geltend. Oft stellt sich der Bearbeiter im Finanzamt jedoch quer: Zu lang der Weg zur Arbeit. Ab wie viel Kilometer werden die Ausgaben berücksichtigt?

Wann liegt ein doppelter Haushalt vor?

Eine doppelte Haushaltsführung liegt vor, wenn Sie außerhalb Ihrer Hauptwohnung beschäftigt sind und auch am auswärtigen Beschäftigungsort wohnen. Die Zweitwohnung kann auch außerhalb dieses Ortes in dessen Einzugsbereich liegen.

Dies ist der Bereich, von dem aus Pendler üblicherweise täglich zur Arbeitsstätte fahren. Auch muss ein tägliches Aufsuchen möglich sein.

Doch wie weit genau darf die Zweitwohnung vom Beschäftigungsort entfernt liegen, damit die Mietkosten noch anerkannt werden?

141 Kilometer Entfernung zulässig

Der Bundesfinanzhof hat eine Entfernung von 141 km als zulässig erachtet. Die Besonderheit in diesem Fall lag darin, dass der Arbeitnehmer am ursprünglichen Arbeitsort Wohneigentum erworben hatte. Später hatte sein Arbeitgeber dann den Firmensitz verlegt hatte.

Folge: Der Arbeitnehmer fuhr täglich 141 km zum neuen Firmensitz. Ein tägliches Aufsuchen der Arbeitsstätte mit der Bahn war möglich. Die Fahrt mit dem ICE dauerte eine Stunde, und ein derartiger Zeitaufwand liegt durchaus im Bereich des Üblichen (Aktenzeichen VI R 59/11).

Fahrtzeit weniger als eine Stunde

Nun entschieden die Richter des BFH, dass die Zweitwohnung noch im Einzugsbereich des Beschäftigungsortes liegt, wenn die Entfernung 83 km beträgt und der Arbeitsplatz in weniger als einer Stunde erreicht werden kann.

Für die Anerkennung der doppelten Haushaltsführung ist es auch unschädlich, wenn die Entfernung zwischen Zweitwohnung und Familienwohnung mit 47 km wesentlich geringer ist. Maßgebend ist hier, dass es sich bei einer Entfernung von 83 km und einer Fahrzeit von weniger als einer Stunde um eine übliche Pendelstrecke und Pendelzeit handelt (Aktenzeichen VI R 59/13).

Zwei Stunden Fahrt nicht zumutbar

Im Urteilsfall war es nicht möglich, den Beschäftigungsort in zumutbarer Weise vom Hauptwohnort aus zu erreichen. Denn der Weg war ganz erheblich baustellen- und staubelastet, sodass ein arbeitstägliches Pendeln mit Fahrzeiten von bis zu zwei Stunden pro Strecke nicht zumutbar und damit die Nutzung einer Zweitwohnung am Beschäftigungsort angezeigt war. Die Fahrzeit von der Zweitwohnung aus betrug weniger als eine Stunde.

Neue Rechtslage ab der Steuererklärung 2014

Wie weit die Zweitwohnung vom auswärtigen Beschäftigungsort (erste Tätigkeitsstätte) ab 2014 entfernt sein darf, ist nun geregelt: Die Zweitwohnung liegt dann noch im Einzugsbereich des Beschäftigungsortes, wenn der Weg von der Zweitwohnung zur Tätigkeitsstätte weniger als die Hälfte der Entfernung zwischen Hauptwohnung und Tätigkeitsstätte beträgt (BMF-Schreiben vom 30.09.2013, Tz. 95; BMF-Schreiben vom 24.10.2014, Tz. 101).

Beispiel

Thomas hat seine Hauptwohnung in A und eine neue erste Tätigkeitsstätte in B. Die Entfernung von A nach B beträgt 200 Kilometer. Er findet in C sofort eine günstige Zweitwohnung. Die Entfernung von C (Zweitwohnung) nach B (erste Tätigkeitsstätte) beträgt 90 Kilometer.

Auch wenn die Zweitwohnung 90 Kilometer von B entfernt liegt, gilt sie noch als „Wohnung am Beschäftigungsort“ bzw. in dessen Einzugsbereich, da sie weniger als die Hälfte der Entfernung von der Hauptwohnung in A zur Tätigkeitsstätte in B entfernt liegt.

+ Hier gibt es noch keine Kommentare

eigener Kommentar