Steuerminderndes Arbeitszimmer bei Bereitschaftsdiensten

Steuerminderndes Arbeitszimmer bei Bereitschaftsdiensten

Wann gibts den Steuervorteil?


Mit rechtskräftiger Entscheidung hat das Finanzgericht München den Abzug von Arbeitszimmerkosten zugelassen, weil ein Arbeitnehmer am Wochenende von Zuhause aus einen Bereitschaftsdienst absolviert hat (Aktenzeichen 15 K 439/15).

Die Arbeitszimmerregelung

Ausgaben für das häusliche Arbeitszimmer mindern als Werbungskosten Ihre Steuer. Die kompletten Kosten können Sie jedoch nur dann absetzen, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bildet. Daneben besteht auch noch die Möglichkeit die Arbeitszimmerkosten bis zum Höchstbetrag von 1.250 Euro steuermindernd anzusetzen. Voraussetzung ist dann allerdings, dass für die betriebliche und berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

In allen anderen Fällen stellen die Arbeitszimmerkosten für das Finanzamt Privatvergnügen dar. Folge: Die Ausgaben dürfen nicht steuermindernd berücksichtigt werden.

Kein anderer Arbeitsplatz vorhanden

In dem aktuellen Verfahren vor dem Finanzgericht München ging es um die Frage, ob ein anderer Arbeitsplatz gegeben ist. Konkret hatte der klagende Steuerzahler zwar einen Arbeitsplatz im Betriebsgebäude seines Arbeitgebers. Diesen konnte er aber an Wochenenden nicht nutzen. Dennoch war der Arbeitnehmer gezwungen insbesondere an Wochenenden Bereitschaftsdienste zu absolvieren. Dabei griff er mit einem Laptop über eine gesicherte Datenleitung auf den Server des Arbeitgebers zu umso über alle notwendigen Arbeitsunterlagen von seinem häuslichen Arbeitszimmer aus verfügen zu können.

Die Kosten für den heimischen Arbeitsplatz wollte das Finanzamt jedoch nicht im Rahmen des Höchstbetrags zum Abzug zulassen. Die haarsträubende Begründung: Grundsätzlich ist ein anderer Arbeitsplatz gegeben. Erfreulicherweise sahen die erstinstanzlichen Richter des Finanzgerichts München dies jedoch anderes. Gerade weil der Steuerzahler den Arbeitsplatz im Betriebsgebäude seines Arbeitsgebers an Wochenenden nicht nutzen konnte, steht ihm in dieser Zeit auch kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. Die Richter ließen somit die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer bis zu 1.250 Euro zum steuerlichen Abzug zu.

Notwendigkeit des Arbeitszimmers unerheblich

Besonders erfreulich an der Entscheidung: das Gericht sieht es als unerheblich an, ob die Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers notwendig ist oder die Arbeiten am Laptop nicht auch von einem anderen Raum aus hätten erledigt werden können. Mit einem deutlichen Seitenhieb in Richtung Finanzamt führen die Richter aus: Ob Werbungskosten getätigt werden, unterliegt grundsätzlich der Dispositionsbefugnis des Steuerzahlers. Es kommt nicht darauf an, ob die Aufwendungen notwendig, üblich oder zweckmäßig sind. Unerheblich ist auch, wie oft und in welchem zeitlichen Umfang der Steuerpflichtige tatsächlich am Laptop gearbeitet hat.

Was Sie jetzt tun sollten

Die erstinstanzliche Entscheidung ist nun rechtskräftig geworden. Das Finanzamt hat also auf einen Weg zum Bundesfinanzhof verzichtet. Erledigen Sie Arbeiten zu Hause zu Zeiten, an denen Sie Ihren betrieblichen Arbeitsplatz nicht nutzen können? Dann sollten Sie sich die Ausgaben für Ihr Arbeitszimmer als Werbungskosten in der Steuererklärung ansetzen. Wenn Ihnen das Finanzamt die Kosten streicht, legen Sie unter Verweis auf die positive Entscheidung aus München Einspruch gegen den Steuerbescheid ein.

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