Arbeitszimmer: Beteiligen Sie den Fiskus

Arbeitszimmer: Beteiligen Sie den Fiskus

Diese Kosten mindern Ihre Steuer


Des Deutschen liebstes Steuer-Spar-Modell: Das Arbeitszimmer. Haben Sie auch schon einmal mit der Angabe des häuslichen Arbeitsplatzes in der Steuererklärung geliebäugelt? Wir zeigen Ihnen, unter welchen Voraussetzungen Sie die Kosten in Abzug bringen können.

Arbeit ist das halbe Leben

Ob häuslich oder außerhäuslich: Die meisten Berufstätigen sind auch nach Feierabend oder am Wochenende mit Ihrer Arbeit beschäftigt. Dafür nutzen Sie meist ein Arbeitszimmer. Das Positive daran: Die Ausgaben für den beruflich genutzten Raum senken als Werbungskosten Ihre Steuerlast.

1. Voraussetzungen für den Steuerabzug

Nicht jedes häusliche Büro wird durch den Fiskus unterstützt. Der Abzug der Kosten für das Arbeitszimmer ist nur in den folgenden Fällen möglich:

  1. Ihnen steht für die im häuslichen Arbeitszimmer ausgeübte Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, oder
  2. das Zimmer ist der qualitative Mittelpunkt Ihrer gesamten beruflichen und betrieblichen Betätigung, oder
  3. es handelt sich um ein außerhäusliches Arbeitszimmer bzw. eine Betriebsstätte, oder
  4. bei dem Arbeitszimmer handelt es sich um ein externes Arbeitgeberbüro, oder
  5. es handelt sich nicht um ein typisches Arbeitszimmer.

1.1 Räumliche Voraussetzungen

Eine kleine Ecke mit Arbeitsunterlagen mitten im Flur? Die Ausgaben dafür werden Ihnen mit großer Wahrscheinlichkeit wieder aus der Steuererklärung gestrichen. An das Arbeitszimmer in den eigenen vier Wänden (sog. häusliches Arbeitszimmer) stellt die Finanzverwaltung besondere Anforderungen:

Wohnungsgröße

In einer 70 qm Wohnung wohnen – und das Wohnzimmer mit 40 qm als Arbeitszimmer deklarieren? Unwahrscheinlich! Der Fiskus prüft ganz genau, ob neben dem Arbeitszimmer noch ausreichend Platz für normale Wohnzwecke vorhanden ist. Dabei ist die Größe des Wohnraums abhängig von Ihrem Familienstand sowie der Anzahl der Kinder.

Einrichtung

Ein Gästebett im Arbeitszimmer sehen Finanzbeamte gar nicht gern. Wenn auch noch ein Fernseher den Raum schmückt, werden Ihnen garantiert die Kosten gestrichen. Die Einrichtung des Arbeitszimmers muss zum – wer hätte das gedacht – Arbeiten geeignet sein. Dazu gehören Einrichtungsgegenstände wie:

Abgeschlossenheit

Für Ruhe bei der Arbeit braucht es nicht viel – nur vier Wände und eine Tür. Das Arbeitszimmer muss daher von den übrigen Wohnräumen durch eine Tür abgetrennt sein. Raumteiler oder Vorhänge reichen nicht aus.

Daher spricht ein Durchgangszimmer für eine erhebliche private Mitbenutzung. Sobald Sie andere private Wohnräume (Schlafzimmer, Bad, Wohnzimmer) nur durch das Arbeitszimmer erreichen, ist der Kostenabzug unwahrscheinlich.

Baulich auch nicht vom privaten Bereich abgetrennt sind Arbeitsecken im Wohn- oder Schlafzimmer. Allerdings haben bereits zwei Finanzgerichte eine Arbeitsecke im Wohnzimmer mit ihrem Flächenanteil als Arbeitszimmer anerkannt. Mehr dazu hier. Nun muss der BFH entscheiden (Az. IX R 23/12 und X R 32/11).

1260-arbeitszimmer 1

1.2 (Fast) ausschließliche berufliche Nutzung

DIE große Streitfrage der letzten Jahre lautet: Muss das Arbeitszimmer ausschließlich beruflich genutzt werden? Oder kann man es auch teilweise privat nutzen und die Kosten dann je nach Nutzung aufteilen?

Bisher war die Lage eindeutig – und zu Lasten der Steuerzahler: Arbeitszimmer wurden nur dann anerkannt, wenn sie nahezu ausschließlich zu beruflichen oder betrieblichen Zwecken genutzt wurden. Selbst wenn der Raum nur knapp über 10 Prozent privat genutzt wurde, wurden die Kosten komplett gestrichen!

Neues Verfahren macht Hoffnung

Doch ein anhängiges Verfahren beim BFH stimmt zuversichtlich: Möglicherweise kann die private Nutzung künftig einfach von den Gesamtkosten abgezogen werden – und der Rest mindert als Ausgaben die Steuer. Eine positive Grundsatzentscheidung würde das Absetzen der Ausgaben bei Millionen Steuerzahlern ermöglichen!

Darum geht es

Ein Vermieter verwaltete seine zwei Mehrfamilienhäuser in seinem heimischen Büro. Die Arbeiten protokollierte er in einem Tätigkeitsbericht. Ergebnis: Er nutzte den Raum zu 60 Prozent beruflich – und wollte diesen Prozentteil auch bei der Steuer geltend machen. Doch das Finanzamt strich – wie bisher üblich – die Ausgaben gänzlich. Der Mann klagte dagegen.

Das Finanzgericht entschied zu Gunsten des Mannes, dass er die 60 Prozent als Werbungskosten abziehen könne. Aktuell sprach sich auch der neunte Senat des BFH für eine Kostenaufteilung aus. Nun fehlt nur noch eine Beantwortung der Frage vom Großen Senat. Dieser entscheidet dann letztinstanzlich.

Es bleibt spannend

Wie auch immer der Große Senat entscheidet, wir halten Sie hier auf dem Laufenden. Wenn er das Urteil bestätigen sollte, können endlich viele Steuerzahler den Fiskus angemessen an ihren Bürokosten beteiligen.

Möglicherweise kann die private Nutzung künftig einfach von den Gesamtkosten abgezogen werden – und der Rest mindert als Ausgaben die Steuer. Eine positive Grundsatzentscheidung würde das Absetzen der Ausgaben bei Millionen Steuerbürgern ermöglichen!

2. Die Abzugsvoraussetzungen im Einzelnen

2.1 Kein anderer Arbeitsplatz

fotolia_8011688841x571ogis44485officeIhnen steht für ihre im häuslichen Arbeitszimmer ausgeübte Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz beim Arbeitgeber zur Verfügung? Dann können Sie Ihre Arbeitszimmerkosten bis maximal 1.250 Euro als Werbungskosten absetzen.
Diese Regelung betrifft vor allem Angehörige folgende Berufsgruppen:

  • Lehrer ohne eigenen Schreibtisch in der Schule für die Unterrichtsvor- und Nachbereitung
  • Mitarbeiter im Außendienst, die in der Firma ihre Reiseberichte oder Abrechnungen nicht erstellen können
  • Musiker, die zu Hause üben müssen
  • Arbeitnehmer, die zu Hause noch eine selbstständige Nebentätigkeit verrichten, für die sie in der Firma keine Ausübungsmöglichkeit haben

Heimischer Telearbeitsplatz

Arbeiten Sie mehrere Tage von zu Hause an einem heimischen Telearbeitsplatz? Vereinbaren Sie dies unbedingt schriftlich mit Ihrem Arbeitgeber. Denn ohne Vereinbarung streicht Ihnen der Fiskus die kompletten Kosten.

Der BFH muss noch prüfen, ob dem Arbeitnehmer kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, wenn sich sein Chef vertraglich verpflichtet, einen Telearbeitsplatz einzurichten, an dem der Angestellte nur zwei Tage in der Woche arbeitet (Aktenzeichen VI R 40/12).

Die Finanzverwaltung lässt bisher den Abzug bis zu 1.250 Euro zu, wenn die im heimischen Home-Office ausgeübte Tätigkeit mit der Tätigkeit in der Firma qualitativ gleichwertig ist und arbeitsvertraglich vereinbart ist, dass der Arbeitnehmer zu Hause nicht mehr Arbeitszeit ableistet als in der Firma (Verfügung der OFD Münster vom 21.03.2013).

Auch wenn Ihnen an Ihrer Arbeitsstätte bereits ein Poolarbeitsplatz zur Verfügung steht, können Sie u.U. die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer absetzen.

Ein Jahr – zwei Arbeitszimmer

Sie haben im letzten Jahr zwei verschiedene Arbeitszimmer nacheinander genutzt? Zum Beispiel wegen eines Wohnungsumzuges? Dann gibt es den Höchstbetrag von 1.250 Euro nur einmal.

Zwei Leute – ein Arbeitszimmer

Nutzen neben Ihnen noch andere Personen das Arbeitszimmer als Mitmieter oder Miteigentümer? Dann ist der Höchstbetrag auf die einzelnen Personen aufzuteilen (BMF-Schreiben vom 02.03.2011).

Beispiel: Ein Lehrer-Ehepaar kann seine Arbeitszimmerkosten nur bis zu 625 Euro (= 50 % von 1.250 Euro) pro Person absetzen (FG Baden-Württemberg, Aktenzeichen 3 K 447/12). Eine Revision ist jedoch auch hier anhängig (Aktenzeichen VI R 53/12).

Tipp: Betroffene Ehepaare mit nur einem, gemeinsam genutzten häuslichen Arbeitszimmer sollten Einspruch unter Hinweis auf die Revision einlegen, wenn ihre Kosten über 625 Euro pro Person liegen.

Ein Arbeitszimmer – nur teils genutzt

Nutzen Sie das Arbeitszimmer nur einen Teil des Jahres? Keine Angst: Es gibt es trotzdem den vollen Höchstbetrag von 1.250 Euro. Eine zeitanteilige Kürzung erfolgt nicht.

2.2 Mittelpunkt der Tätigkeit

Die Ausgaben für ein Arbeitszimmer können Sie geltend machen, wenn der Raum der qualitative Mittelpunkt Ihrer Tätigkeit ist. Dies ist dort, wo Sie die Tätigkeit ausüben, die für Ihr Berufsbild wesentlich und prägend ist. Dabei spielt der tatsächliche Zeitaufwand eine untergeordnete Rolle. Der Mittelpunkt wird anerkannt für:

  • Heimarbeiter und Hausgewerbetreibende;
  • Freiberufler und Gewerbetreibende, wenn sie die Tätigkeit ausschließlich zu Hause ausüben;
  • Arbeitslose und Eltern im Erziehungsurlaub, wenn sie sich fortbilden;
  • Verkaufsleiter, die zur Überwachung von Mitarbeitern und zur Betreuung von Großkunden auch im Außendienst tätig sind, wenn im Arbeitszimmer die für den Beruf wesentlichen Leistungen erbracht werden;
  • Ingenieure, deren Tätigkeit durch die Erarbeitung theoretischer, komplexer Problemlösungen im häuslichen Arbeitszimmer geprägt ist, auch wenn zu ihren Aufgaben die Betreuung von Kunden im Außendienst gehört.

Was für Ruheständler gilt, die im Arbeitszimmer einer Nebenbeschäftigung nachgehen (z.B. als Schriftsteller oder Hausverwalter), muss der BFH noch entscheiden (Aktenzeichen VIII R 3/12). Auch hier gibt es Hoffnung: Die Vorinstanz hatte einem Pensionär den vollen Kosten-Abzug gewährt.

Nicht anerkannt wurde der Mittelpunkt von den Finanzgerichten in folgenden Fällen:

  • Bei einem Handelsvertreterist die Tätigkeit durch den Außendienst geprägt, auch wenn die zu Hause verrichteten Tätigkeiten zur Erfüllung der beruflichen Aufgaben unerlässlich sind.
  • Bei Lehrern, da für diese der Unterricht in der Schule wesentlich und prägend ist.
  • Bei einem Hochschullehrer ist einer der qualitativen Schwerpunkte die Durchführung von Vorlesungen und Seminaren. Das Arbeitszimmer kann nicht Mittelpunkt der Tätigkeit sein, auch nicht während eines Forschungssemesters.
  • Bei einer Ärztin, die Gutachten erstellt und dazu ihre Patienten ausschließlich außerhalb des Arbeitszimmers untersucht und dort vor Ort alle erforderlichen Befunde erhebt, liegt der qualitative Schwerpunkt nicht im häuslichen Arbeitszimmer, in welchem lediglich die Tätigkeit begleitende Aufgaben erledigt werden.
  • Bei einem Architekten, der neben der Planung auch die Ausführung der Bauwerke betreut, kann diese Gesamttätigkeit keinem konkreten Tätigkeitsschwerpunkt zugeordnet werden. Das Arbeitszimmer bildet in diesem Fall nicht den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit
  • Bei einem Betriebsprüfer der Finanzverwaltung, auch wenn mehr als die Hälfte der Arbeitszeit im häuslichen Arbeitszimmer verbracht wird
  • Bei Richtern, da für diese der Tätigkeitsmittelpunkt im Gericht liegt.

Der zeitliche Umfang der Nutzung des Arbeitszimmers hat nur indizielle Bedeutung. Das häusliche Arbeitszimmer kann selbst dann (noch) den qualitativen Mittelpunkt einer beruflichen Betätigung bilden, wenn die außerhäuslichen Tätigkeiten zeitlich überwiegen.

Beispiel

Ein Angestellter eines Industrieunternehmens ist nebenbei für einen Lohnsteuerhilfeverein selbstständig tätig. Für letztere Tätigkeit nutzt er sein häusliches Arbeitszimmer als Beratungsstelle. Folge: Für die Nebentätigkeit ist das Arbeitszimmer der Tätigkeitsmittelpunkt, nicht jedoch für die gesamte Betätigung. Liegt der qualitative Mittelpunkt der gesamten Erwerbstätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer, sind die Kosten dafür voll abzugsfähig.

Liegt der qualitative Mittelpunkt der gesamten Erwerbstätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer, so sind die Kosten dafür in voller Höhe abzugsfähig.

2.3 Häusliches bzw. außerhäusliches Arbeitszimmer

Der größte Unterschied bei der Unterscheidung „häuslich oder außerhäuslich?“ liegt im steuerlichen Abzug: Grundsätzlich gilt: Kosten beim häuslichen Arbeitszimmer sind auf 1.250 Euro im Jahr begrenzt, beim außerhäuslichen Arbeitszimmer können Sie die Ausgaben in unbegrenzter Höhe ansetzen.

Häusliches Arbeitszimmer

Ist das Zimmer nach der Lage, Funktion und Ausstattung in die häusliche Sphäre eingebunden, spricht man von einem „häuslichen“ Arbeitszimmer. Dies ist regelmäßig der Fall, wenn der Raum zu Ihrer privaten Wohnung oder Einfamilienhaus gehört. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Wohn-, Zubehör-, Dach- oder Kellerraum handelt.

In einem ausschließlich selbst genutzten Zweifamilienhaus ist ein getrennt gelegenes Arbeitszimmer immer häuslich – auch wenn es im Obergeschoss liegt und von der selbst genutzten Wohnung im Erdgeschoss nicht direkt, sondern nur über einen eigenen Treppenaufgang erreicht werden kann (Urteil des BFH, Aktenzeichen VIII R 7/10). Ist allerdings die zweite Wohnung im Haus fremdvermietet und wird der zum Arbeitszimmer führende Hauseingang auch von den Mietern genutzt, ist das Arbeitszimmer außerhäuslich (Urteil des BFH, Aktenzeichen IX R 56/10).

Als „häuslich“ gilt auch eine unmittelbar an die eigene Wohnung angrenzende oder unmittelbar gegenüberliegende Zweitwohnung in einem Mehrfamilienhaus. Auch ein Arbeitszimmer in einem ausgebauten Raum über der Garage wurde bereits als „häuslich“ angesehen.

Außerhäusliches Arbeitszimmer

Bei außerhäuslichen Arbeitszimmer oder Betriebsstätten gilt die Abzugsbeschränkung von 1.250 Euro nicht: Die Aufwendungen sind in voller Höhe als Werbungskosten absetzbar.

Ein außerhäusliches Arbeitszimmer liegt vor, wenn es sich außerhalb Ihrer Wohnung befindet. Dies ist z. B. der Fall bei Anmietung getrennter Räume von der Wohnung – nicht aber bei umfunktionierten Kellerräumen im gleichen Haus. Betriebsstätten haben Freiberufler, wenn sich ihre Praxis außerhalb der Wohnung befindet.

Ein außerhäusliches Arbeitszimmer ist z.B. ein Raum im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses, wenn dies nicht durch die unmittelbare räumliche Nähe Ihren privaten Wohnräumen als gemeinsame Wohneinheit verbunden ist. Bei einem Speicher, der zum Sondereigentum Ihrer Wohnung gehört, sieht die Sache jedoch anders aus: Dann ist das Arbeitszimmer häuslich – und die Absetzung der Kosten begrenzt.

2.4 Externes Büro Ihres Arbeitgebers

Hat Ihr Arbeitgeber ein Arbeitszimmer in Ihrem Hause angemietet? Die Kosten für das Arbeitszimmer können Sie voll als Werbungskosten aus Vermietung und Verpachtung abziehen. Die Mieteinnahmen hingegen müssen Sie als Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung versteuern.

Die Finanzverwaltung erkennt solche direkten Mietverhältnisse allerdings nur an, wenn dafür tatsächlich ein betriebliches Interesse vorliegt. Dies ist insbesondere der Fall

  • wenn für Sie im Unternehmen kein geeignetes Büro vorhanden ist. Auch muss ihr Chef versucht haben, ein Büro von fremden Dritten anzumieten,
  • wenn Ihr Arbeitgeber für andere Arbeitnehmer, die über keine für ein Arbeitszimmer geeignete Wohnung verfügen, z. B. wegen der Größe, bei fremden Dritten Räume angemietet hat, und
  • wenn eine ausdrückliche, schriftliche Vereinbarung über die Bedingungen der Nutzung abgeschlossen wurde

Für den Abzug müssen Sie das vorrangige betriebliche Interesse Ihres Arbeitgebers nachweisen.

2.5 Kein typisches Arbeitszimmer

Räume, die ihrer Ausstattung und Funktion nach keinem Büro entsprechen, sind keine typischen Arbeitszimmer. Ob sie mit Ihrem Wohnraum verbunden sind ist dabei egal. Für diese betrieblich genutzten Räume erhalten Sie den vollen Kostenabzug.

Typische Arbeitszimmer liegen in folgenden Fällen regelmäßig nicht vor:

  • Eine Arzt-, Steuerberater- oder Anwaltspraxis grenzt an das Einfamilienhaus an oder befindet sich im selben Gebäude wie die Privatwohnung, wenn diese Räume für einen intensiven und dauerhaften Publikumsverkehr geöffnet und bei häuslichen Arztpraxen für Patientenbesuche eingerichtet sind.
  • In einem Geschäftshaus befinden sich neben der Wohnung des Bäckermeisters die Backstube, der Verkaufsraum, ein Aufenthaltsraum für das Verkaufspersonal und das Büro, in dem die Buchhaltungsarbeiten durchgeführt werden. Die Kosten können voll abgezogen werden.
  • In einem Keller gelegene Lagerräume, die keine Funktionen erfüllen, die einem Arbeitszimmer zukommen.
  • Eine mit den Wohnräumen eines Arztes in räumlichem Zusammenhang stehende Notfallpraxis, wenn der Zugang über einen von den privaten Räumen separaten Eingang erfolgt.
  • In einer Wohnung gelegene, nicht wie ein Arbeitszimmer ausgestattete Räume (z.B. Archivraum).

Die Aufwendungen für beruflich genutzte häusliche Räume, die kein Arbeitszimmer darstellen, sind in voller Höhe als Werbungskosten absetzbar.

Zur Abgrenzung: Ein typisches Arbeitszimmer ist ein Raum, der

  • vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder organisatorischer Arbeiten dient und
  • ausschließlich oder nahezu ausschließlich zu betrieblichen und / oder beruflichen Zwecken genutzt wird. Dies kann auch bei einer geistigen, künstlerischen oder schriftstellerischen Tätigkeit gegeben sei

3. Unterschiedliche Nutzung des Arbeitszimmers

Änderung der Nutzung unterhalb des Jahres

Ändern sich die Nutzungsverhältnisse innerhalb eines Wirtschafts- oder Kalenderjahres, sind die angefallenen Aufwendungen auf die Zeiträume aufzuteilen, für die ein Kostenabzug in Betracht kommt bzw. ausscheidet.

Beispiel

Herr Schneider hat im 1. Halbjahr den Mittelpunkt seiner gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit in seinem häuslichen Arbeitszimmer. Im 2. Halbjahr übt er die Tätigkeit am Arbeitsplatz bei seinem Arbeitgeber aus. Die auf das 1. Halbjahr entfallenden Kosten sind in voller Höhe als Werbungskosten abziehbar. Für das 2. Halbjahr kann er keine Kosten ansetzen.

Ein Arbeitszimmer – unterschiedliche Einkünfte

Nutzen Sie das Arbeitszimmer für mehrere Tätigkeiten? Dann müssen Sie die tatsächlichen Ausgaben auf einzelnen Einkunftsarten der Nutzung aufzuteilen.

Arbeitszimmer während Ausbildung

Wird das Arbeitszimmer zu Ausbildungszwecken genutzt, sind die obigen Aufteilungsgrundsätze anzuwenden. Die danach auf die Ausbildungszwecke entfallenden Kosten sind jedoch nur als Sonderausgaben bis zu 6.000 Euro abziehbar.

Arbeitszimmer während Arbeitslosigkeit absetzen?

Sie sind momentan erwerbslos und bilden sich weiterhin fort? Dann müssen Sie dem Fiskus glaubhaft machen, dass die Fortbildung im Zusammenhang mit einer späteren beruflichen Tätigkeit steht. Nur dann können Sie die Kosten abziehen.

4. Absetzbare Kosten

Die Ausgaben sind nur abziehbar, soweit sie auf das Arbeitszimmer entfallen. Dem Arbeitszimmer direkt zuordenbare Kosten können in voller Höhe berücksichtigt werden. Nicht direkt zuordenbare Kosten sind im Verhältnis der Wohnfläche des Arbeitszimmers zur Wohnfläche der Wohnung bzw. des Hauses aufzuteilen.

Die Kosten für Küche, Flur und Badezimmer sind nicht mit dem Arbeitszimmeranteil absetzbar (Urteil des FG Düsseldorf, Aktenzeichen 7 K 87/11). Der Kläger hat jedoch Revision beim BFH eingelegt, sodass die Frage noch nicht endgültig entschieden ist (Aktenzeichen VIII R 10/12).

1144-bank 1

Aufzuteilende Kosten

Zu den absetzbaren Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer gehören insbesondere die auf das Arbeitszimmer entfallenden Kosten für

  • die Miete, wenn sich das Arbeitszimmer in einem gemieteten Objekt (Haus- oder Wohnung) befindet;
  • die Gebäudeabschreibung, wenn das Arbeitszimmer im eigenen Haus oder der Eigentumswohnung liegt;
  • Schuldzinsen für Kredite, die zur Anschaffung, Herstellung oder Reparatur des Gebäudes oder der Eigentumswohnung verwendet worden sind;
  • Nebenkosten wie Wasser- und Energiekosten, Reinigungskosten, Grundsteuer, Gebühren für die Müllabfuhr und den Schornsteinfeger, Beiträge zu Gebäudeversicherungen;
  • Renovierungskosten des eigenen Hauses als Ganzes (z.B. für das Dach, die Außen-fassade, die Fenster oder Heizung) sowie die Kosten der Gartenerneuerung, wenn bei einer Gebäudereparatur Schäden am Garten verursacht worden sind;

Diese Kosten können flächenanteilig auf das Arbeitszimmer aufgeteilt werden:

Berechnung

                                                Fläche des Arbeitszimmers

Arbeitszimmeranteil   =  —————————————————————————–   x  100

Wohn- oder Nutzfläche des Hauses / der Wohnung

Kosten für die Ausstattung

  • Beistelltisch
  • Bürocontainer
  • Büroschränke
  • Einbauschrank
  • Gardinen
  • Kosten für die Reinigung und Renovierung des Arbeitszimmers
  • Lampen
  • Papierkorb
  • Pinnwand
  • Regale
  • Schreibtisch
  • Schreibtischlampe
  • Stühle
  • Tapeten
  • Teppiche
  • Vorhänge
  • Wand- oder sonstige Uhren

Daneben abziehbar sind auch Computer und Zubehör, Telefon, Fax, Anrufbeantworter, Taschenrechner, Rechenmaschine sowie typische Arbeitsmittel für Ihren Beruf.

3 Comments

eigener Kommentar
  1. 2
    Christian Ganz

    Als Privatlehrer unterrichte Ich zuhause in meinen 4 Wänden. Der Unterricht findet in meinem Wohnzimmer oder in einem Schlafzimmer der Kinder statt. Kann ich ein Arbeitszimmer von der Steuer abziehen?

  2. 3
    Ralf

    Wenn man auf der Basis einer Vereinbarung mit dem Arbeitgeber aufgrund Pflege eines pflegebedürftigen Angehörigen an 2 von 5 Tagen einen alternierenden Telearbeitsplatz in einem häuslichen Arbeitszimmer betreibt, dass vom AG arbeitschutzrechtlich abgenommen und mit Bürostuhl und Laptop ausgestattet wurde, das Hauptbüro beim AG aber uneingeschränkt zur Verfügung steht, kann das h.A. steuerlich geltend gemacht werden?

+ Kommentar hinterlassen