Arbeitszimmer und Elternzeit

Arbeitszimmer und Elternzeit

Auch während der Elternzeit absetzbar?


Das Elterngeld macht’s möglich, dass ein Elternteil nach der Geburt eines Kindes zumindest für ein Jahr zu Hause bleibt und das Kind betreut. Diese Elternzeit kann bis auf drei Jahre ohne Gehaltsfortzahlung ausgedehnt werden. Doch was ist mit der steuerlichen Absetzbarkeit des Arbeitszimmers während der Elternzeit?

Vorab entstandene Werbungskosten

Auch wenn während der Elternzeit keine steuerpflichtigen Einnahmen erzielt werden, dürfen Sie die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer absetzen – als vorab entstandene Werbungskosten. Voraussetzung ist jedoch, dass die Aufwendungen in einem konkreten Zusammenhang mit künftigen Einnahmen stehen. Hierzu müssen Sie die Tätigkeiten und Ausgaben während der Elternzeit im Einzelnen darlegen, damit das Finanzamt einen beruflichen Zusammenhang mit künftigen Einnahmen beurteilen kann.

Fast ausschließliche berufliche Nutzung

Grundvoraussetzung für die steuerliche Anerkennung ist, dass das Arbeitszimmer so gut wie ausschließlich für berufliche Zwecke genutzt wird. Dies können sein:

  • Studium von Fachliteratur
  • Lektüre von abonnierten Fachzeitschriften
  • Vor- und Nachbereitung von besuchten Fortbildungsveranstaltungen
  • Erstellen neuer Arbeitskonzepte
  • Aufbewahrung von Arbeitsmitteln
  • Archivierungsarbeiten
  • kurzum: Tätigkeiten, um fachlich auf dem Laufenden zu bleiben und die Wiederaufnahme der Berufstätigkeit vorzubereiten.

Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit?

Da es während der Elternzeit keinen anderen Arbeitsplatz und Tätigkeitsort gibt, könnte man auf die Idee kommen, dass das Arbeitszimmer in dieser Zeit zum „Mittelpunkt der beruflichen Betätigung“ mutiert und deshalb die Kosten in unbegrenzter Höhe absetzbar sein müssten. Doch der Bundesfinanzhof stellt auf die zu erwartenden Umstände der späteren beruflichen Tätigkeit ab (Urteil des Bundesfinanzhofes, Aktenzeichen VI R 102/01).

  • Bei einer Lehrerin in Elternzeit sind die Arbeitszimmerkosten nur begrenzt bis 1.250 Euro absetzbar, weil ihr bisher „kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung“ stand und dies auch später wieder so sein wird (Urteil des Finanzgerichtes Rheinland-Pfalz, Aktenzeichen 2 K 1703/00).
  • Bei einer Bankangestellten, die als Personalreferentin vor der Elternzeit keinen Arbeitsplatz in der Bank hatte und im Homeoffice arbeitete, war das Arbeitszimmer „Mittelpunkt der beruflichen Betätigung“ und so wird es auch nach der Elternzeit wieder sein. Daher sind die Kosten während der Elternzeit in unbegrenzter Höhe abziehbar (Urteil des Niedersächsischen Finanzgerichtes, Aktenzeichen 9 K 505/99).

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