Au-pair

So retten Sie das Kindergeld


Viele Abiturientinnen zieht es nach dem Abitur für eine gewisse Zeit ins Ausland, wo sie als Au-pair ihre Sprachkenntnisse verbessern und Land und Leute kennen lernen wollen. Die Frage ist, ob die Eltern in dieser Zeit weiterhin das Kindergeld für ihre Tochter bekommen oder die steuerlichen Freibeträge geltend machen können.

Die Eltern haben Anspruch auf Kindergeld, wenn der Au-pair-Aufenthalt als Berufsausbildung anzusehen ist. Und hierzu ist erforderlich, dass das Kind an einem theoretisch-systematischen Sprachunterricht von mindestens 10 Wochenstunden teilnimmt, wobei es hier allerdings auch Ausnahmen gibt. Zahlreiche Eltern hoffen, dass der BFH auch weniger als 10 Wochenstunden genügen lässt, und haben daher ihre Steuerbescheide mittels Einspruch offen gehalten.

Der Bundesfinanzhof hat seine bisherige Rechtsprechung bestätigt, dass ein Au-pair-Aufenthalt nur dann als Berufsausbildung anzusehen ist, wenn der begleitende Sprachunterricht mindestens 10 Unterrichtsstunden pro Woche im Durchschnitt des gesamten Aufenthaltes erreicht (BFH-Urteil vom 15.3.2012, III R 58/08).

Ferienmonate werden berücksichtigt

Nach Auffassung der Richter können bei weniger als durchschnittlich 10 Wochenstunden ausnahmsweise einzelne Monate als Berufsausbildung zu werten sein, wenn sie – z. B. infolge von Blockunterricht oder Lehrgängen – durch intensiven, die Grenze von 10 Wochenstunden deutlich überschreitenden Unterricht geprägt werden. Auch kann das Kind in einem Ferienmonat weiter berücksichtigt werden, wenn der Unterricht im Übrigen umfangreicher als 10 Wochenstunden ist.

Ausnahmsweise kann ein Sprachunterricht von weniger als 10 Wochenstunden ausreichen, damit die Eltern für das Au-pair weiterhin Kindergeld oder die steuerlichen Freibeträge erhalten, beispielsweise

  • wenn der Fremdsprachenunterricht einen über die übliche Vor- und Nachbereitung hinausgehenden erheblichen zusätzlichen Zeitaufwand des Kindes erfordert, z. B. bei Einzelunterricht oder fachlich orientiertem Sprachunterricht (z. B. Englisch für Juristen).
  • wenn der Sprachunterricht der Vorbereitung auf einen anerkannten Prüfungsabschluss dient und das Kind diesen Abschluss anstrebt.
  • wenn für den angestrebten Studiengang besondere Sprachkenntnisse erforderlich sind.
  • wenn das Kind ein gutes Ergebnis in einem für die Zulassung zum Studium oder zu einer anderweitigen Ausbildung erforderlichen Fremdsprachentest erlangen will, z. B. TOEFL (Test of English as a Foreign Language) oder IELTS (International English Language Testing System).

Wichtig

Beabsichtigt das Kind ein Studium oder eine Ausbildung, in deren Studien- oder Ausbildungsordnung ein Sprachaufenthalt im Ausland vorgeschrieben oder empfohlen ist, liegt im Allgemeinen ein ausreichender Bezug zum angestrebten Beruf vor. Dann kommt es nicht auf den 10-stündigen Sprachunterricht an.

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