Auch ohne eigenen Hausstand

Auch ohne eigenen Hausstand

Doppelte Haushaltsführung


Ledige – manchmal auch geschiedene – Arbeitnehmer, die auswärts beschäftigt sind, wohnen oftmals noch bei den Eltern, sei es im bisherigen Kinderzimmer oder in einer Wohnung im Elternhaus. Für diesen Fall sollten Sie folgende steuerlichen Spitzfindigkeiten kennen:

Kosten einer doppelten Haushaltsführung können Sie nur dann als Werbungskosten absetzen, wenn Sie in Ihrer Hauptwohnung einen „eigenen Hausstand“ unterhalten. Dies ist eine eingerichtete Wohnung, die Ihren Wohnbedürfnissen entspricht, in der Sie einen Haushalt unterhalten und die den Mittelpunkt Ihrer Lebensinteressen darstellt. Es ist erforderlich, dass Sie die Wohnung aus eigenem oder abgeleitetem Recht nutzen und dass Sie den Haushalt „unterhalten“ oder mitunterhalten, d. h. die Haushaltsführung bestimmen oder wesentlich mitbestimmen und im Allgemeinen für die Kosten aufkommen.

Lebensmittelpunkt

Haben Sie im Elternhaus keinen eigenen Hausstand, ist zu prüfen, ob Sie dort wenigstens Ihren „Lebensmittelpunkt“ haben. Denn nur dann können Sie Ihre Fahrten als Fahrten zwischen (Haupt-)Wohnung und Arbeitsstätte mit der Entfernungspauschale geltend machen. Der Lebensmittelpunkt ist bei Alleinstehenden dort, wo die engeren persönlichen Beziehungen bestehen, wo also die Eltern oder die/der Verlobte leben, der Freundes- und Bekanntenkreis ist, Vereinsmitgliedschaften bestehen, andere Aktivitäten stattfinden. Ohne Bedeutung ist, ob Sie dort eine eigene Wohnung haben oder noch im Haushalt Ihrer Eltern ein Zimmer bewohnen. Das Finanzamt akzeptiert die Hauptwohnung ohne weiteres als Lebensmittelpunkt, wenn Sie durchschnittlich mindestens zweimal im Monat nach Hause fahren, also mindestens 24 Fahrten im Jahr in der Steuererklärung geltend machen.

Kein eigener Hausstand – aber Lebensmittelpunkt

Das Finanzgericht München hat entschieden, dass eine geschiedene Arbeitnehmerin, die neben der Zweitwohnung am Beschäftigungsort das Obergeschoss im Elternhaus bewohnt und keine Miete zahlt, dort keinen eigenen Hausstand hat. Da die Tochter hier in den Hausstand der Eltern eingegliedert sei, werden Kosten der doppelten Haushaltsführung nicht anerkannt. Gleichwohl befindet sich dort der Lebensmittelpunkt, und deshalb sind die Fahrten zur Arbeit als Werbungskosten absetzbar (FG München vom 3.3.2010, 9 K 3789/08).

Die Entscheidung des FG München ist kritisch, sie entspricht nicht der höchstrichterlichen Rechtsprechung. Nach Auffassung des BFH sind Mietzahlungen nicht erforderlich, um einen eigenen Hausstand anzunehmen. Wichtiger ist eine Kostenbeteiligung an der Haushaltsführung. Denn dies ist – so der BFH – regelmäßig ein gewichtiges Indiz für das Unterhalten eines eigenen Haushalts (BFH-Urteil vom 21.4.2010, VI R 26/09; BFH-Urteil vom 14.6.2007, BStBl. 2007 II S. 890).

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