Auf deutschen Dächern

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Mit einer Photovoltaikanlage Steuern sparen


Mit einer Photovoltaikanlage kann jeder von der kostenlosen Sonnenenergie profitieren. Wie Sie dabei Steuern sparen, und was bei der Wahl des Anlagetyps zu beachten ist.

Wer sich für eine Photovoltaikanlage interessiert, bekommt beim Anlagenbauer problemlos Informationen zu technischen Details und Möglichkeiten der Finanzierung. Die steuerliche Seite wird aber häufig stiefmütterlich behandelt. Die Angst vor dem komplexen Steuerrecht schreckt daher immer wieder Interessenten vor dem Kauf einer Photovoltaikanlage ab. Zu Unrecht.

Hier die wichtigsten Informationen im Überblick:

  • Betreiber einer Photovoltaikanlage sind Gewerbetreibende
  • Gewerbsteuer fällt aufgrund des Freibetrages nicht an
  • Die Umsatzbesteuerung ist vorteilhaft

Steuerlich wird der Betreiber einer Photovoltaikanlage als Gewerbetreibender eingestuft, da sein Energieversorger ihm den ins Netz gespeisten Solarstrom vergütet. Dennoch ist in aller Regel eine Gewerbeanmeldung nicht notwendig. Zumindest dann nicht, wenn die Solarzellen nur bis zu 30 Quadratmeter groß ist. Bei reinen Privatanlagen kann häufig auch darüber hinaus auf die Gewerbeanmeldung verzichtet werden.

Unabhängig von der Gewerbeanmeldung muss der Betreiber der Anlage die so genannte Aufnahme einer gewerblichen Tätigkeit beim Finanzamt anzeigen. Das ist unproblematisch, es genügt ein formloser Brief. Der Fiskus wird dann im Gegenzug mit einem Fragebogen zur Betriebseröffnung antworten, der ausgefüllt zurückgesendet werden muss.

Werden Sie zum Unternehmer!

Auf Basis des ausgefüllten Fragebogens wird die Steuernummer vergeben, die für den Vorsteuerabzug bei der Umsatzsteuer wichtig ist. Die Einkommensteuerliche Einordnung ist eindeutig: Der Betreiber einer Photovoltaikanlage ist ein Unternehmer, der gewerbliche Einkünfte erzielt. Eine Buchführungspflicht, also die Verpflichtung eine Bilanz aufzustellen besteht jedoch nicht. Selbst auf die komplizierte Anlage EÜR kann verzichtet werden. Zumindest, wenn die Einnahmen weniger als 17.500 EUR pro Jahr betragen, was bei üblichen Photovoltaikanlagen immer der Fall sein dürfte.

Der Gewinn kann schlicht durch Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben ermittelt werden und wird schließlich in Anlage G der Einkommensteuererklärung angegeben.

Auf der Einnahmenseite wird dabei in erster Linie die Einspeisevergütung  zu verbuchen sein. Als Faustregel gilt aber: Grundsätzlich gehört alles zu den Einnahmen, was durch den Betrieb der Photovoltaikanlage zufließt. Werden beispielsweise nicht mehr benötigte Anlagenteile verkauft, gilt der Erlös ebenso als Betriebseinnahme wie eine etwaige Umsatzsteuererstattung.

Zwei Abschreibungsarten

Bei den Ausgaben ist es genauso. Alles ist abzusetzen, was mit dem Betreiben der Photovoltaikanlage in Zusammenhang steht: Zählermiete, Wartungs- und Versicherungskosten, eventuelle Schuldzinsen für ein Darlehen usw.

Die Anschaffungs-und Herstellungskosten der Photovoltaikanlage können nicht sofort als Betriebsausgabe steuermindernd eingesetzt werden. Die Finanzverwaltung hat hier eine Nutzungsdauer von 20 Jahren vorgegeben, auf die die Kosten für Anschaffung und Herstellung verteilt werden müssen. Der Betreiber kann dabei zwischen zwei Abschreibungsarten wählen. Generell gilt die lineare Abschreibung in gleichbleibenden Jahresbeträgen.

Durch das Konjunkturpaket I kann für Investitionen in den Jahren 2009 und 2010 jedoch auch die degressive Abschreibung mit fallenden Jahreswerten angesetzt werden. Diese führt dabei in den ersten Jahren zu einer höheren Steuerminderung, wird aber von Jahr zu Jahr geringer. Sie beträgt das 2,5fache des linearen Abschreibungssatzes(5 Prozent x 2,5 = 12,5 Prozent) und wird jeweils auf den Restbuchwert des Vorjahres angewendet.

Während lineare und degressive Abschreibung nur alternativ auftreten können, kann daneben noch eine Sonderabschreibung von bis zu 20 Prozent der Anschaffungs- und Herstellungskosten in den ersten fünf Jahren nach der Installation geltend gemacht werden.

Tipp: Ob diese 20 Prozent dabei auf die ersten fünf Jahre verteilt werden oder komplett in einem Jahr zum Einsatz kommen, ist dem Betreiber der Photovoltaikanlage überlassen.

Aber aufgepasst: Sonderabschreibung und degressive Abschreibung können nur bei so genannter Aufdachmontage angewendet werden. Dachziegelanlagen (auch als Solar-Dachsteine bezeichnet) hingegen werden fest in das Dach integriert und gelten daher steuerrechtlich als unbewegliche Gebäudebestandteile.

Sowohl die degressive Abschreibung als auch die Sonderabschreibung kommen hier nicht in Betracht – Das sollten Interessenten bei der Planung einer Anlage berücksichtigen.

Steuern schon vorher senken

Wer eine Anlage plant, kommt zudem in den Genuss des Investitionsabzugsbetrags mit Blick auf die steuerliche Planung. Bis zu drei Jahre vor der Installation kann so die Steuer schon gesenkt werden, da bis zu 40 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungs- und Herstellungskosten angesetzt werden dürfen. Besonders interessant ist diese Möglichkeit in Kombination mit einer degressiven Abschreibung und der Sonderabschreibung. Denn bis zum Ende des Investitionsjahres können so bis zu 59,5 Prozent der gesamten Anschaffungs-und Herstellungskosten zum Abzug gebracht werden.

Dieses hohe Abschreibungsvolumen führt zu einem besonderen Effekt: Die hohen Betriebsausgaben – wie die degressive Abschreibung, die Sonderabschreibung und der Investitionsabzugsbetrag mindern die Steuerschuld und machen den Betrieb der Photovoltaikanlage so zum Steuersparturbo.

Verrechnet mit allen Einkunftsarten, wie beispielweise Gehalt oder Mieterlösen ist eine Steuererstattung sehr wahrscheinlich.

Die Gewerbesteuer ist das Schreckgespenst aller, die gewerbliche Einkünfte erzielen. Als Betreiber einer Photovoltaikanlage besteht jedoch kein Anlass zur Furcht, da der Gewinn aus der Solaranlage in aller Regel den allgemeinen Freibetrag der Gewerbesteuer von 24.500 EUR pro Jahr nicht überschreiten wird. Mit einer Gewerbesteuerbelastung muss daher nicht gerechnet werden.

Entwarnung für Privatleute

Etwas anderes kann bei Personengesellschaften gelten. Schon die geringen gewerblichen Einkünfte aus einer Photovoltaikanlage können hier die restlichen und ansonsten gewerbesteuerfreien Einkünfte mit Gewerbsteuer infizieren.

Beispiel: Zwei Architekten haben sich eine Immobilie gekauft, in der sie ein gemeinsames Büro als Gesellschaft bürgerlichen Rechts führen. Die GbR ist im Grundbuch als Eigentümer des Hauses eingetragen. Durch eine neu installierte Photovoltaikanlage auf dem Dach entstehen nun besagte gewerbliche Einkünfte, die – der Steuerprofi spricht hier von Abfärbung der Gewerblichkeit – fatale, weil steuerliche Folgen haben. Denn nun müssen beide auch für die Erlöse aus der Arbeit als Architekt Gewerbesteuer berappen. Der allgemeine Freibetrag von 24.500 EUR wird – je nach Branche – rasend schnell überschritten.

Für Privatleute kann aber Entwarnunggegeben werden. Die Oberfinanzdirektion Frankfurt hat in einer Verfügung bekannt gegeben, dass diese Abfärbung nicht bei Erbengemeinschaften, ehelichen Gütergemeinschaften und reinen Bruchteilsgemeinschaften  gelten soll.

Auch bei der Umsatzsteuer wird der Betreiber einer Photovoltaikanlage zum Unternehmer. Hier besteht zwar die Möglichkeit, dank der so genannten Kleinunternehmerregelung nichts mit der Umsatzsteuer zu tun haben. Allerdings ist das nicht sonderlich zweckdienlich. Der Grund: Ohne Umsatzbesteuerung erstattet das Finanzamt auch keine Vorsteuer.

Anmeldung zügig einreichen

Dies ist ein klarer Nachteil. Die Umsatzsteuer auf die Einspeisevergütung wird nämlich zusätzlich zu eigentlichen Vergütung an die Anlagenbetreiber nun jedoch die Vorsteuerbeträge aus seinen Eingangsrechnungen, insbesondere aus den Anschaffungs- und Herstellungskosten der Anlage, vom Finanzamt zurückfordern. Ist er hingegen Kleinunternehmer, muss er die Vorsteuerbeträge auch bezahlen, bekommt aber keine Erstattung vom Finanzamt.

Grunderwerbsteuer bedenken

Den Umsatzsteuerausweis auf der Einspeisevergütung  wird das lokale Energieversorgungsunternehmen vornehmen. Dies geschieht jedoch nur, wenn dem Energieversorger eine Steuernummer für umsatzsteuerliche Zwecke vorgelegt werden kann. Daher empfiehlt es sich unbedingt, die Anmeldung beim Finanzamt zügig einzureichen. Beim Hauskauf zahlt die Grunderwerbsteuer im Normalfall der Käufer, wenngleich sowohl Käufer und Verkäufer eines Grundstücks im Sinne des Gesetzes Steuerschuldner werden.

Wer auch ihm letztlich für die Steuer geradestehen muss: Interessieren wird ihn die Frage, ob auch Gewerbesteuer auf eine eventuell vorhandene Photovoltaikanlage bezahlt werden muss. Denn schließlich steigert sie den Kaufpreis der Immobilie erheblich- und der Preis ist die Bemessungsgrundlage für die Höhe der zuzahlenden Steuer.

Wichtig

Grundsätzlich bleibt die Photovoltaikanlage steuerfrei, sagt das Gesetz. Aber nur dann, wenn sie in so genannter Aufdachmontage installiert ist und der gewonnene Strom ins lokale Energienetz fließt.

Anders sieht es aus, wenn es sich um eine integrierte Dachziegelanlage handelt, die als Ersatz für eine ansonsten erforderliche Dacheindeckung dient. Oder wenn die erzeugte Energie ausschließlich dem Eigenbedarf dient. In beiden Fällen ist der Nutzungszusammenhangvon Photovoltaikanlage und Gebäude so eng, dass auch auf die Anlage Grunderwerbsteuer zu zahlen ist.

Kein Stress bei der Steuererklärung

Die Steuererklärungspflichten gestalten sich im Bereich der Ertragssteuern übersichtlich. Der üblichen Einkommensteuererklärung muss lediglich die Anlage Gsamt samt einer Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben beigefügt werden. Da im Bereich der Gewerbesteuer meist der Freibetrag greift, wird das Finanzamt in aller Regel aus Vereinfachungsgründen auf die Abgabe einer Gewerbesteuererklärung  verzichten.

Ein wenig Arbeit macht lediglich die Umsatzsteuer. Neben der Steuererklärung müssen nämlich in den ersten beiden Jahren monatliche Umsatzsteuervoranmeldungen eingereicht werden, die die jedoch schon nach kurzer Zeit zur Routine werden sollten. Ab dem dritten Jahr ist eine monatliche Anmeldung nur noch zu leisten, wenn die Steuer des vorangegangenen Jahres 6.136 EUR überschritten hat. Sofern die Steuer weniger als 512 EUR betragen hat, kann auf die Voranmeldung sogar verzichtet werden. Für alle Beitraäge dazwischen ist die veirteljährliche Abgabe der Meldungen Pflicht.

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