Was sind außergewöhnliche Belastungen?

Mit diesen Ausgaben sparen Sie Steuern


Egal ob Krankheit, Pflege oder Unterhalt – außergewöhnliche Umstände fordern oft auch einen außergewöhnlich hohen finanziellen Tribut. Aber wussten Sie, dass Sie in vielen Situationen Unterstützung vom Staat bekommen? Einige solcher außergewöhnlichen Belastungen können Sie nämlich steuerlichen berücksichtigen! Wie das geht? Lesen Sie hier.

Was bedeutet „außergewöhnliche Belastung“?

Die außergewöhnlichen Belastungen reihen sich ein in eine Kette von Ausgaben, die Sie steuermindernd berücksichtigen können. Hierzu zählen zum Beispiel auch Betriebsausgaben, Werbungskosten oder Sonderausgaben. Ist das alles das Gleiche? Keineswegs. Nachfolgend erläutern wir Ihnen den Unterschied.

Betriebliche bzw. berufliche Ausgaben

Alle Ausgaben, die Sie in Zusammenhang mit Einkünften haben, können Sie grundsätzlich steuerlich berücksichtigen. Bei Arbeitnehmern heißen die beruflich veranlassten Ausgaben Werbungskosten. Bei Gewerbetreibenden oder Selbstständigen sind es Betriebsausgaben. Die Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben werden von Ihren steuerpflichtigen Einkünften abgezogen. Damit mindern Sie Ihre Einkünfte und somit auch Ihr zu versteuerndes Einkommen.

Durch den Abzug von Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben von Ihren Einkünften kann auch ein Verlust entstehen. Diesen können Sie dann in andere Steuerjahre vor- bzw. rücktragen.

Kosten der privaten Lebensführung

Alle Ausgaben, die nicht im Zusammenhang mit Einkünften stehen, zählen zu den Kosten der privaten Lebensführung. Damit sind sie steuerlich grundsätzlich irrelevant – also nicht abzugsfähig. Allerdings macht der Gesetzgeber bei einigen Privatkosten eine Ausnahme. Hierzu zählen die Sonderausgaben. Typische Sonderausgaben sind z. B. Krankenversicherungs- oder Altersvorsorgebeiträge, Spenden oder Kosten für die Erstausbildung.

Außergewöhnliche Belastungen stellen eine weitere Gruppe von Ausgaben dar, die Sie steuermindernd angeben dürfen. Auch dann, wenn sie privat veranlasst sind.

Warum sind außergewöhnliche Belastungen abzugsfähig?

Die Besteuerng erfolgt in Deutschland nach dem Leistungsprinzip. Die Besteuerung wird also so vorgenommen, dass den Steuerpflichtigen ein gewisses Existenzminimum steuerfrei zur Verfügung bleibt. Ein bekanntes Mittel, um dies zu gewährleisten ist z. B. der Grundfreibetrag. Der Grundfreibetrag gilt für alle Steuerpflichtigen in gleicher Höhe.

Nicht berücksichtigt sind dabei die individuellen Lebensumstände. Es kann also beispielsweise sein, dass z. B. eine schwer kranke Person aufgrund der hohen Krankheitskosten mehr Geld als Existenzminimum zur Verfügung haben muss. Um außergewöhnliche Lebensumstände wie diese zu berücksichtigen, sieht das Einkommensteuergesetz den Abzug von außergewöhnlichen Belastungen vor. Es unterscheidet hierbei in allgemeine und besondere außergewöhnliche Belastungen.

Außergewöhnliche Belastungen absetzen Infografik

Infografik: Außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen

Allgemeine außergewöhnliche Belastungen

Die allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen sind im § 33 Einkommensteuergesetz festgehalten. Hier sind lediglich die Voraussetzungen genannt, unter denen bestimmte private Kosten steuerlich abzugsfähig sind. Die Art der Aufwendungen ist in diesem Paragraphen nicht genannt.

Welche Voraussetzungen gelten?

Welche Lebensumstände und damit einhergehende finanzielle Belastungen gelten als „außergewöhnlich“? Als Voraussetzung gilt, dass es sich dabei um private Kosten handeln muss. Und zwar um solche, die in Ihrer Art oder Höhe außergewöhnlich sind. Damit scheidet für übliche Lebenshaltungskosten der Abzug als außergewöhnliche Belastung aus.

Wichtig ist, dass Sie die Kosten nicht als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten oder Sonderausgaben absetzen können.

Zudem müssen Sie die Kosten zwangsläufig haben. Als zwangsläufig gelten Kosten dann, wenn Sie sie z. B. aufgrund einer rechtlichen, sittlichen oder tatsächlichen Verpflichtung tragen. Kosten, die Sie also freiwillig tragen, zählen nicht zu den außergewöhnlichen Belastungen.

Welche Kosten sind abzugsfähig?

Die Voraussetzungen bieten zwar eine grobe Orientierung darüber, welche Kosten als außergewöhnliche Belastungen zählen. Dennoch hängt es oftmals vom Einzelfall ab, ob außergewöhnliche Belastungen vorliegen – und in welcher Höhe. Nachfolgend stellen wir Ihnen einige allgemeine außergewöhnliche Belastungen vor.

Außergewöhnliche Belastungen setzen Sie in dem Jahr an, in dem Sie die Leistungen bezahlt haben.

Krankheitskosten

Unter bestimmten Voraussetzungen zählen Krankheitskosten zu den außergewöhnlichen Belastungen. Um die Kriterien für den steuerlichen Abzug zu erfüllen, müssen Sie diese Ausgaben allerdings zwangsläufig haben. D. h., Kosten für Präventionsmaßnahmen oder Nahrungsergänzungsmittel scheiden in der Regel aus. Eine Gesundheitsmaßnahme ist grundsätzlich dann zwangsläufig, wenn sie vorher ärztlich angeordnet wurde. Für einige Maßnahmen müssen Sie auf Nachfrage des Finanzamtes im Zweifel sogar ein amtsärztliches Attest vorlegen können.

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Krankheitskosten Steuer absetzen Titelbild

Krankheitskosten von der Steuer absetzen

Krankheitskosten mindern Ihre Steuer. So weit so gut. Doch von Ihren Ausgaben zieht das Finanzamt automatisch eine zumutbare Belastung ab. Und das rechtens, wie nun das Bundesverfassungsgericht entschieden hat.

Pflegekosten

Pflegekosten sind dann als außergewöhnliche Belastung abzugsfähig, wenn sie tatsächlich krankheitsbedingt sind. Dazu zählen z. B.

  • Häusliche Pflege durch eine Pflegekraft
  • Unterbringung im Pflegeheim
  • Unterbringung in der Pflegestation eines Altenheims

Die Zwangsläufigkeit der Kosten weisen Sie z. B. mit einer Bescheinigung der Pflegekasse nach.

Alternativ können Sie sich auch für den Abzug des Behinderten-Pauschbetrags entscheiden. Der Ansatz der tatsächlichen Pflegekosten ist dann sinnvoll, wenn diese (nach Abzug der zumutbaren Belastung) höher sind als der Pauschbetrag. Hier gilt: entweder – oder. Pauschbetrag und tatsächliche Kosten können Sie nicht gleichzeitig angeben.

Behindertengerechter Wohnungsumbau

Müssen Sie aufgrund einer Behinderung Ihre Wohnung behindertengerecht umbauen lassen? Dann können unter Umständen hohe Kosten auf Sie zukommen. Diese Kosten zählen zu den außergewöhnlichen Belastungen. Damit können Sie sich zumindest einen Teil der Ausgaben von der Steuer zurückholen.

Bestattungskosten

Auch Kosten im unmittelbaren Zusammenhang mit einer Bestattung sind außergewöhnliche Belastungen. Sie sind ein Beispiel für Ausgaben, die Sie aufgrund einer sittlichen Verpflichtung tragen. Abzugsfähig sind z. B. Kosten für

  • die Grabstätte
  • den Sarg oder die Urne
  • Blumen oder Kränze
  • Todesanzeige

Ausgaben für Trauerkleidung oder die Trauerfeier hingegen werden nicht anerkannt.

Wiederaufbau- und Wiederbeschaffungskosten

Außergewöhnliche Umstände treten auch nach außergewöhnlichen Naturschauspielen auf. Deshalb sind auch Aufwendungen im Zusammenhang mit Naturkatastrophen (z. B. Brände, Hochwasser, Stürme, …) als außergewöhnliche Belastung abzugsfähig. Anerkannt werden hier Kosten für die Schadensbeseitigung, wie z. B. den Wiederaufbau von zerstörtem Eigentum. Vorausgesetzt ist allerdings, dass Sie sich zuvor durch geeignete Maßnahmen vor dem drohenden Unheil geschützt haben. Außerdem müssen die Maßnahmen zur Schadensbeseitigung notwendig und angemessen sein.

Kein Abzug von Scheidungskosten

Lange war strittig, ob auch die Kosten für eine Scheidung die Voraussetzungen für den Abzug als außergewöhnliche Belastung erfüllen. Der BFH beantwortete die Frage mit Urteil vom 18. Mai 2017 (Az.: VI R 9/16). Scheidungskosten sind bis auf wenige Ausnahmen nicht steuerlich abzugsfähig.

Nur selbst getragene Kosten

Für alle außergewöhnlichen Belastungen gilt: Nur Kosten, die Sie auch wirklich selbst getragen haben, sind abzugsfähig. Erstattungen oder Zuschüsse (z. B. von Versicherungen) müssen Sie also von den Gesamtkosten immer abziehen.

Das Zuflussprinzip wird bei Erstattungen zu außergewöhnlichen Belastungen ausnahmsweise ausgesetzt.

Beispiel
Sie hatten 2019 Krankheitskosten in Höhe von 1.000 Euro. Die Versicherungserstattung erhalten Sie erst 2020 in Höhe von 500 Euro. In der Steuererklärung 2019 dürfen Sie trotzdem nur 500 Euro als außergewöhnliche Belastung angeben.

Obacht also vor allem bei Erstattungen, die Sie bei Abgabe der Steuererklärung noch nicht erhalten haben. Hier sind Sie in der Pflicht, das Finanzamt rückwirkend darüber zu informieren, wenn Ihnen die Erstattung zufließt. Im schlimmsten Fall könnte Ihnen das Finanzamt ansonsten unterstellen, es pflichtwidrig über steuerlich relevante Tatsachen in Unkenntnis gelassen zu haben. Dabei handelt es sich um einen typischer Steuerstraftatbestand.

Was ist die zumutbare Belastung?

Allgemeine außergewöhnliche Belastungen sind nur abzugsfähig, wenn sie eine gewisse Höhe überschreiten. Diese Höhe richtet sich nach Ihrem Gesamtbetrag der Einkünfte. Je höher Ihre Einkünfte sind, desto höher liegt die Grenze, ab der sich die außergewöhnlichen Belastungen auswirken. Es wird also geprüft, welcher Anteil der Kosten Ihnen auf Basis Ihres Einkommens wirtschaftlich zugemutet werden kann. Deshalb nennt man diese Grenze auch zumutbare Eigenbelastung.

Das Finanzamt prüft die zumutbare Belastungsgrenze automatisch – Sie müssen also nicht selbst rechnen. Um bereits vor dem Bescheid zu wissen, ob sich Ihre Ausgaben steuerlich auswirken, nutzen Sie am besten WISO Steuer.

FamilienstandGesamtbetrag der Einkünfte bis 15.340 EuroGesamtbetrag der Einkünfte bis 51.130 EuroGesamtbetrag der Einkünfte über 51.130 Euro
Ledig ohne Kind5 %6 %7 %
Verheiratete ohne Kind4 %5 %6 %
mit 1 oder 2 Kindern2 %3 %4 %
mit mehr als 2 Kindern1 %1 %2 %

Die zumutbare Belastung wird stufenweise ermittelt. Wie das funktioniert, zeigt folgendes Beispiel:

Beispiel
Sie sind ledig und alleinerziehender Elternteil eines Kindes. Ihr Gesamtbetrag der Einkünfte für das Jahr 2019 beträgt 35.000 Euro. Im Jahr 2019 hatten Sie Krankheitskosten von insgesamt 6.100 Euro für ärztlich verordnete Behandlungen. Ihre Versicherung hat hiervon insgesamt 2.500 Euro übernommen.

1. Berechnung außergewöhnliche Belastung
Krankheitskosten: 6.100 Euro
Abzgl. Erstattungen: 2.500 Euro
Außergewöhnliche Belastung: 3.600 Euro
2. Berechnung der zumutbaren Belastung
I. Stufe: 15.340 Euro x 2 % (Steuerpflichtige mit 1 Kind / 1. Stufe)
= 306 Euro
II. Stufe: 19.660 Euro (35.000 Euro – 15.340 Euro) x 3 % (Steuerpflichtige mit 1 Kind /2. Stufe)
= 589 Euro
Summe 1. + 2. Stufe = Zumutbare Belastung
= 895 Euro
3. Berechnung abzugsfähige außergewöhnliche Belastung
Außergewöhnliche Belastung: 3.600 Euro
Abzgl. zumutbare Belastung: 895 Euro
Abzugsfähige außergewöhnliche Belastung: 2.705 Euro

Besondere außergewöhnliche Belastungen

Für bestimmte Fallgruppen sieht das Gesetz Sonderbestimmungen vor – z. B. durch bestimmte Pauschal- oder Höchstbeträge. Eine zumutbare Belastung wird in diesem Rahmen nicht mehr abgezogen. Diese Sonderbestimmungen sind meistens an ein Wahlrecht gekoppelt. So können Sie sich entscheiden, ob ein pauschaler Ansatz für Sie günstiger ist. Falls Sie besonders hohe Kosten hatten, können Sie in der Regel den Ansatz als allgemeine außergewöhnliche Belastung  (mit Abzug der zumutbaren Belastung) ansetzen.

Unterhaltsleistungen

In bestimmten Fällen können Sie dazu verpflichtet sein, an bedürftige Personen (z. B. Angehörige) Unterhalt zu zahlen. Die Zahlungen können Sie bis zu einem Höchstbetrag von 9.408 Euro*(=Grundfreibetrag) ansetzen. Dieser Betrag wird um das eigene Einkommen des Unterhaltsempfängers gekürzt, wenn es mehr als 624 Euro beträgt.

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Ausbildungsfreibetrag

Ihr volljähriges Kind macht gerade eine Berufsausbildung und ist bereits von Zuhause ausgezogen? Wenn Sie noch Anspruch auf Kinderfreibetrag bzw. Kindergeld für das Kind haben, können Sie Ihr Kind bei der Ausbildung unterstützen. Ihr Vorteil: Sie sparen Steuern. Bis zu 924 Euro* pro Jahr dürfen Sie in diesem Fall als besondere außergewöhnliche Belastung steuerlich absetzen.

Behinderten-Pauschbetrag

Falls bei Ihnen ein Grad der Behinderung festgestellt wurde, können Sie Ihren behinderungsbedingten Mehraufwand steuerlich geltend machen. Das geht unter anderem, indem Sie den Behinderten-Pauschbetrag beantragen. Den Antrag stellen Sie einfach, indem Sie Angaben zu Ihrer Behinderung in der Steuererklärung machen. Bei erstmaligem Antrag müssen Sie dem Finanzamt allerdings einen Nachweis mitschicken (z. B. Behindertenausweis). Andererseits haben Sie auch die Möglichkeit, Ihre tatsächlichen Kosten im Rahmen der allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen anzugeben. Beachten Sie hier allerdings, dass eine zumutbare Belastung abgezogen wird.

Übrigens
Sie können auch für Ihr Kind den Behinderten-Pauschbetrag beantragen, wenn es diesen steuerlich nicht selbst nutzt. Hierfür müssen Sie entsprechende Angaben in der Anlage Kind machen.
Grad der BehinderungBehinderten-Pauschbetrag
von 25 und 30310 €
von 35 und 40430 €
von 45 und 50570 €
von 55 und 60720 €
von 65 und 70890 €
von 75 und 801.060 €
von 85 und 901.230 €
von 90 und 1001.420 €
Hilfloseerhöhter Pauschbetrag von 3.700 €
Blindeerhöhter Pauschbetrag von 3.700 €
Für das Jahr 2021 plant die Bundesregierung, den Behindertenpauschbetrag zu verdoppeln! Allerdings liegt hierfür zunächst nur ein Referentenentwurf vor. Wir halten Sie selbstverständlich hierüber auf dem Laufenden.

Pflege-Pauschbetrag

Sie pflegen zuhause unentgeltlich eine angehörige Person? Für die Mehraufwendungen, die Ihnen aufgrund der häuslichen Pflege entstehen, können Sie den Pflege-Pauschbetrag beanspruchen. Er beträgt pro Jahr 924 Euro*.

Wie wichtig ist die Zuordnung bei Ehegatten?

In der Steuererklärung müssen Sie Ausgaben wie z. B. die außergewöhnlichen Belastungen immer einer Person zuordnen. Die Frage der Zuordnung stellt sich nicht, wenn Sie ledig sind und deshalb einzeln veranlagt werden. Wie sieht es aber bei Ehegatten aus? Oftmals werden Rechnungen über das gemeinsame Konto bezahlt. Wie wichtig ist es, die Kosten wirklich einer Person zuordnen zu können? Das hängt ganz von der Veranlagungsform ab.

Zusammenveranlagung: Alles in einen Topf

Sind Sie und Ihr Ehepartner zusammenveranlagt, geschieht das ganz getreu dem Motto: Alles in einen Topf. Das gilt auch für die Berechnung der zumutbaren Belastung sowie für die abzugsfähigen außergewöhnlichen Belastungen. Wem Sie also welche außergewöhnlichen Belastungen (z. B. Krankheitskosten) zuordnen, ist für das steuerliche Ergebnis nicht relevant.

Beispiel
Nach Abzug von Werbungskosten haben Sie 2019 Einkünfte i. H. v. 35.000 Euro. Ihr Ehepartner kommt auf 50.000 Euro. Sie haben keine Kinder. Sie hatten im Jahr Krankheitskosten i. H. v. 2.700 Euro selbst getragen. Ihr Partner 1.800 Euro.

1. Berechnung Summe der Einkünfte
35.000 Euro + 50.000 Euro = 85.000 Euro.
2. Berechnung zumutbare Belastung
I. Stufe
15.340 Euro x 4 % = 613 Euro
II. Stufe
35.790 Euro (51.130 Euro – 15.320 Euro) x 5 % = 1.789 Euro
III. Stufe
33.870 Euro (85.000 Euro – 51.130 Euro) x 6 % = 2.032 Euro
Zumutbare Belastung insgesamt: 4.434 Euro
3. Berechnung abziehbare außergewöhnliche Belastungen
Außergewöhnliche Belastungen: 4.500 Euro (1.800 Euro + 2.700 Euro)
Abzgl. Zumutbare Belastung: 4.434 Euro
Abziehbare außergewöhnliche Belastungen: 66 Euro

Einzelveranlagung: Strikte Trennung oder 50:50

Anders sieht das bei der Einzelveranlagung aus. Hier wird sowohl für Sie als auch für Ihren Partner die Steuer separat ermittelt. Das bedeutet auch, dass für die Berechnung der zumutbaren Belastung jeweils die eigenen Einkünfte zugrunde gelegt werden. Entsprechend kommen dann auch nur die außergewöhnlichen Belastungen zum Abzug, die jeder Ehepartner selbst wirtschaftlich getragen hat.

Tipp
In der Realität ist es vor allem bei gemeinsamen Konten sehr schwierig, die Zahlungen sauber aufzuteilen und zuzuordnen. Deshalb haben Sie bei der Einzelveranlagung die Option, die Kosten auf Antrag 50:50 aufzuteilen – unabhängig von der tatsächlichen Zahlung. Allerdings sollten Sie vorher unbedingt prüfen, ob sich das steuerlich für Sie lohnt. Nutzen Sie hierfür einfach die Programmfunktion von WISO Steuer! Das Programm rechnet automatisch die für Sie günstigste Lösung aus.
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*Stand 2020

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Einzelfragen zu Ihrer Steuererklärung darf leider nur ein Steuerberater beantworten. Wir freuen uns jedoch über Lob und Kritik und nehmen Ihre Anregungen gerne für zukünftige Beiträge auf.
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  1. 1
    Linus Wagner

    Hallo, ich möchte ihnen Rückmeldung geben das die Hilfen und Erklärungen sehr hilfreich sind.
    Mich betrifft das Kapitel Unterhalt an bedürftige Personen im Ausland (Eltern).
    Wenn sie näher darauf eingehen könnten und zwar wie die Berechnung mit den einzelnen Voraussetzungen aussehen, wäre sehr hilfreich.
    Ich denke, das dies immer mehr Menschen in Zukunft betrifft und so auch ein immer grösseres Kundenpotential für sie entsteht
    was interessant für sie wäre.

    • 2
      Jochen Breunig

      Guten Tag Herr Wagner,

      schön zu hören, dass Ihnen unsere Beiträge helfen. Leider darf ich Sie aus rechtlichen Gründen steuerlich nicht beraten. Berechnungsbeispiele und Besonderheiten bei Unterhaltsaufwendungen an bedürftige Personen im Ausland finden Sie bei WISO Steuer aber in unserer steuer:Hilfe. Zudem werden Sie mit WISO Steuer in der Eingabemaske „Weitere Ausgaben“ > „Unterhalt an bedürftige Personen“ Schritt für Schritt und mit Erklärvideos durch die Steuerformulare und Berechnungen geführt.

      Vielen Dank und Grüße
      Jochen Breunig
      Tax Specialist bei steuernsparen

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