Babysitter bar bezahlen?

Babysitter bar bezahlen?

Bloß nicht!


Heutzutage gibt es viele von Möglichkeiten, den Nachwuchs betreuen zu lassen: in Kindergärten, Kindertagesstätten, Kinderhorten und Kinderkrippen, bei Tagesmüttern und Wochenmüttern. Aber auch die Kinderbetreuung durch Haushaltshilfen, Au-pairs, Nannys sowie Großmütter und Babysitter ist üblich.

Rechnung und Überweisung nötig

Doch Vorsicht: Kosten der Kinderbetreuung können Sie nur dann in der Steuererklärung als Sonderausgaben abziehen, wenn Sie „für die Aufwendungen eine Rechnung erhalten haben und die Zahlung auf ein Konto des Erbringers der Leistung erfolgt ist.“ Doch gelten die Bedingungen von Rechnung und Banküberweisung auch für eine geringfügig beschäftigte Haushaltshilfe, Nanny und Babysitter? Können und dürfen angestellte Personen – insbesondere Minijobber – überhaupt eine Rechnung ausstellen – oder darf man sie einfach bar auf die Hand bezahlen?

Rechnung nur bei selbstständigen Dienstleistern?

Das Finanzgericht Niedersachsen hatte eine ganz vernünftige und nachvollziehbare Entscheidung gefällt: Die im Gesetz enthaltene Bedingung nach Ausstellen einer Rechnung und Banküberweisung gelte nur bei Kinderbetreuung durch selbstständige Dienstleister, z.B. Tagesmütter oder Kindergärten.

Hingegen müsse diese Bedingung nicht erfüllt sein, wenn die Kinderbetreuung durch Personen im Arbeitsverhältnis – auch als Minijob – erfolge, z.B. durch eine Haushaltshilfe, Nanny oder Babysitter. Arbeitnehmer seien nämlich nicht verpflichtet, Rechnungen auszustellen, ja, sie dürften es nicht einmal. Folglich seien für diese Personen auch Barzahlungen erlaubt und unschädlich für die Steuervergünstigung (Aktenzeichen 3 K 12356/12).

Auch bei angestellten Betreuungspersonen

Aber: zu früh gefreut! Denn nun hat der Bundesfinanzhof den Fiskus bestärkt – und das bürgerfreundliche Urteil des Finanzgerichts verworfen. Der Abzug von Kinderbetreuungskosten ist demnach auch bei angestellten Betreuungspersonen davon abhängig, dass die Kosten mittels Rechnung nachgewiesen werden. Sogar im Rahmen eines Minijobs. Auch darf die Zahlung nicht in bar erfolgen, sondern muss über ein Konto der Betreuungsperson abgewickelt werden (Aktenzeichen III R 63/13).

Die BFH-Richter wischten das Argument der Vorinstanz einfach beiseite. Denn demnach sollte ein Arbeitnehmer und erst recht ein geringfügig beschäftigter Arbeitnehmer nicht verpflichtet sein, Rechnungen auszustellen. Doch kein Wort dazu, wie nun eine solche „Rechnung“ nun tatsächlich aussehen soll.

Auch meinen die Richter, müsse jetzt auch ohne Ausstellen einer Rechnung die Zahlungsabwicklung über das Empfängerkonto erfolgen. Die Lohnzahlung auf das Konto des – auch nur geringfügig beschäftigten – Arbeitnehmers sei ohne weiteres möglich und üblich.

Das Dilemma mit der Rechnung

Die Finanzverwaltung hat die Problematik schon kommen sehen – und bereits in einem BMF-Schreiben vom 14.03.2012 festgelegt, dass folgende Dokumente nun als „Rechnung“ gelten sollen:

  • der schriftliche Arbeitsvertrag bei einer Haushaltshilfe (im Angestelltenverhältnis oder als Minijob)
  • der Au-pair-Vertrag bei einem Au-pair oder eine Quittung für gezahlte Nebenkosten

Nach Auffassung des Niedersächsischen Finanzgerichts kann also die gesetzliche Forderung einer „Rechnung“ nach ihrem Wortlaut überhaupt nicht auf alle tatsächlich vorkommenden Fälle der Kinderbetreuung angewendet werden.

Hier andere vermeintlich gleichwertige Nachweisanforderungen für Arbeitnehmer aufzustellen (schriftlicher Arbeitsvertrag) finde im Gesetzeswortlaut keine Stütze. Diese Forderung gehe weit über den Wortlaut der Vorschrift hinaus und sei vom Wortlaut nicht mehr gedeckt. Vielmehr könne sich die Forderung nach Rechnung und unbarer Zahlung „aus der Natur der Sache nur auf externe Dienstleister beziehen“. Aber der BFH sieht das offensichtlich anders.

Entwarnung bei Minijobs im Privathaushalt

Etwas anderes gilt bei Minijobs im Privathaushalt: Das Bundesfinanzministerium hat bestätigt, dass hier die Banküberweisung als Bedingung für eine Steuervergünstigung nicht unbedingt erforderlich ist.

Also ist bei einem Monatsverdienst unter 450 Euro auch die Barzahlung an Babysitter zulässig und führt nicht zur Versagung der Steuerermäßigung. Rechnung und Banküberweisung sind folglich nur verpflichtend bei Beauftragung von selbstständigen Unternehmern, also von Dienstleistungsagenturen und Handwerkern (Drucksache des Bundestags 18/51, Seite 35).

3 Comments

eigener Kommentar
  1. 1
    Simone

    Das heißt ich kann handschriftlich den monaltichen Lohn unserer Babysitterin aufschlüsseln, dies meinetwegen von ihr gegenzeichnen lassen und dass kann ich das steuerlch geltend machen. Korrekt? Würde sich bei uns direkt lohnen, so viel wie wir unterwegs sind…

  2. 2
    Alfred

    Wie sieht es aus, wenn die Eltern Babysitter gelegentlich machen, aber 230 km entfernt wohnen ?
    Können dann Kilometergeld usw. in Ansatz gebracht werden ?

  3. 3
    Alfred

    Wie ist die Rechtslage, wenn die Eltern Babysitter gelegentlich machen, aber 230 km entfernt wohnen ?
    Können auch die gefahrenen Kilometer in Ansatz gebracht werden ?

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