Behinderte Menschen

Behinderte Menschen

Hohe Ausgaben auf mehrere Jahre verteilen?


Behinderte Menschen sind oftmals mit sehr hohen Aufwendungen belastet, die gesunde Menschen nicht haben. Doch oft wirken sich diese Kosten steuerlich gar nicht aus.

Kosten durch Wohnungsumbau

Hohe Ausgaben, die durch eine Behinderung entstanden sind, können insbesondere durch die behindertengerechten Umgestaltung des Wohnumfeldes entstehen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • barrierefreier Umbau der Wohnung
  • Einbau eines Treppenlifts
  • Anbau eines Aufzuges
  • Bau einer Rollstuhlrampe
  • Ebenerdige Dusche
  • Umrüstung des Fahrzeuges usw.

Weil es sich hierbei um unvermeidbare Ausgaben handelt, sind sie als außergewöhnliche Belastungen absetzbar – unter Anrechnung einer zumutbaren Belastung. Die Ausgaben müssen in voller Höhe im Jahr der Bezahlung in der Steuererklärung angegeben werden.

Auswirkung oft gering

Der volle Abzug im Jahr der Zahlung kann jedoch ins Leere laufen. Das passiert, wenn die außergewöhnlichen Belastungen höher sind als der Gesamtbetrag der Einkünfte, von dem sie abgezogen werden sollen. So bringt die steuerliche Absetzbarkeit nicht den gewünschten Entlastungseffekt. Für diesen Fall hat der BFH eine Billigkeitsregelung angeregt: Betroffene sollten die Möglichkeit haben, die hohen Aufwendungen auf mehrere Jahre zu verteilen (Urteil des BFH, Aktenzeichen VI R 7/09).

Aber die Finanzverwaltung sperrt sich und erklärte mehrmals: „Eine Verteilung auf mehrere Jahre ist nicht zulässig“.

Finanzgericht stimmt Aufteilung zu

Nun hat das Finanzgericht des Saarlandes erstmals eine Verteilung von außergewöhnlichen Belastungen bejaht und damit gegen die starre Auffassung des Fiskus entschieden. Wenn kostspielige behinderungsbedingte Umbaukosten nur im Jahr ihrer Verausgabung berücksichtigt würden, werde der steuerliche Entlastungseffekt nur zum geringen Teil erreicht. Deshalb sei eine Billigkeitsregelung angemessen, wonach die Kosten wie Erhaltungsaufwendungen bei Vermietungseinkünften auf 5 Jahre verteilt werden können (Urteil des Finanzgericht Saarland, Aktenzeichen 1 K 1308/12, Revision zugelassen).

Der Fall

Ein schwerstbehinderter Mann ließ sein Haus für 135.000 Euro behindertengerecht umbauen. Diese Kosten akzeptierte das Finanzamt als außergewöhnliche Belastungen. Da aber der Gesamtbetrag lediglich 43.000 Euro beträgt, wirkte sich der größte Teil der Kosten nicht steuermindernd aus. Der Kläger beantragte eine Verteilung der Kosten auf 10 Jahre, was das Finanzamt jedoch ablehnte. Das Finanzgericht stimmte nun aber einer Verteilung auf 5 Jahre zu, sodass der Kläger 5 Jahre lang jeweils 27.000 Euro absetzen kann.

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