Berufskrankheit: Wenn der Job krank macht

Behandlungskosten mindern Steuer


Sehnenscheidenentzündung, Rückenschmerzen oder plötzlich auftretende Allergien: Bei Krankheiten, die durch Ihren Beruf entstanden sind, können die Behandlungskosten Ihre Steuer mindern.

Worauf Sie achten sollten

Übliche Krankheitskosten mindern als außergewöhnliche Belastungen die Steuer. Der Haken daran: Erst wenn die Ausgaben die individuelle zumutbare Eigenbelastung übersteigen, werden die Kosten angerechnet.

Anders bei einer typischen Berufskrankheit oder einer Krankheit, die offensichtlich mit dem Beruf in Zusammenhang steht: Die Ausgaben hierfür können in voller Höhe als Werbungskosten geltend gemacht werden.

Offensichtlicher Zusammenhang

Um die Arzt- oder Behandlungskosten als Werbungskosten abziehen zu können, muss ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen Krankheit und beruflicher (versicherter) Tätigkeit vorhanden sein. Die Krankheit muss entstanden sein

  • am Arbeitsplatz
  • auf einer betrieblichen Veranstaltung
  • auf Dienstreise
  • bei einem Unfall auf dem Weg zur Arbeit

Eine Liste mit typischen Berufskrankheiten finden Sie hier.

Tipp: Sie sind sich nicht sicher, ob es sich bei Ihren Beschwerden um eine Berufskrankheit handelt? Setzen Sie sich mit dem medizinischen Dienst Ihrer Krankenkasse oder dem zuständigen Gesundheitsamt in Verbindung.

Welche Kosten können Sie absetzen?

Sie können grundsätzlich alle Kosten absetzen, die Ihnen in Zusammenhang mit der Krankheit entstanden sind. Als Nachweis für den Fiskus benötigen Sie ein Attest. Absetzen können Sie

  • Kosten für Medikamente
  • Kosten für Hilfsmittel (z.B. Krücken)
  • Kurkosten
  • Zuzahlungen zu Heilbehandlungen (z.B. Krankengymnastik, Massagen, Elektrotherapie)
  • Fahrtkosten zu Arzt oder Krankenhaus

Wichtig

Erstattungen von Ihrer Krankenkasse oder dem Arbeitgeber müssen Sie von den Ausgaben abziehen.

Nicht abziehbar sind Ausgaben für vorbeugende Maßnahmen. Dazu zählt zum Beispiel eine Kur, um den allgemeinen Gesundheitszustand zu erhalten – und damit die Arbeitskraft.

Tragen Sie die Ausgaben auf der Anlage N in Zeile 46 ein.

Urteil Finanzgericht München

Kein Werbungskostenabzug

Nun hat das Finanzgericht München entschieden, dass Aufwendungen für eine mehrwöchige Behandlung in einer psychosomatischen Klinik nicht als Werbungskosten absetzbar sind. Bei einer psychischen oder psychosomatischen Erkrankung, die auch durch eine starke emotionale Belastung im Beruf ausgelöst wird, handelt es sich nicht um eine typische Berufskrankheit. Die Richter sehen keine zwingende Kausalität von Belastungssituationen und Stress im Beruf für eine manifeste psychische Erkrankung (FG München vom 26.4.2013, 8 K 3159/10).

Der Fall

Ein Abteilungsleiter wird nicht wie erwartet zum Prokuristen ernannt. Dies empfindet er als Degradierung und bekommt anschließend akute gesundheitliche Beschwerden. Seine Hausärztin überweist ihn deswegen in Abstimmung mit einem Facharzt für Psychiatrie in eine psychosomatische Klinik zur stationären Behandlung. Die Krankenversicherung verweigert trotz der Atteste die Kostenübernahme, weil ein stationärer Aufenthalt nicht erforderlich gewesen sei. Auch das Finanzamt sperrt sich.

Abzug als außergewöhnliche Belastung?

Wenn also ein Werbungskostenabzug der Behandlungskosten ausgeschlossen ist, müssen die Kosten doch wenigstens als außergewöhnliche Belastungen absetzbar sein, wobei hier eine zumutbare Belastung angerechnet wird und nur der übersteigende Betrag sich steuermindernd auswirkt. Ja, so sollte es tatsächlich sein! Doch bei psychotherapeutischen Behandlungen – um die es hier geht – verlangt das Gesetz, dass die medizinische Indikation durch ein Attest des Amtsarztes oder des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen nachgewiesen wird und dieses Attest vor Beginn der Behandlung einzuholen ist. Im vorliegenden Urteilsfall hat das Finanzgericht München die steuerliche Anerkennung abgelehnt, weil ein amtsärztliches Attest nicht vorgelegt worden ist.

Steuerberatung?

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