Beteiligt an einer GmbH

Beteiligt an einer GmbH

Schuldzinsen sind keine Werbungskosten, oder doch?


Gewinnausschüttungen einer GmbH oder AG unterliegen grundsätzlich der Abgeltungsteuer. Damit ist die Einkommensteuer abgegolten. Allerdings dürfen Schuldzinsen nicht als Werbungskosten abgezogen werden. Doch es gibt eine Alternative…

Sie haben die Wahl

Sind Sie als Gesellschafter zu mehr als 25 Prozent an dem Unternehmen beteiligt? Oder bei einer Beteiligung von mindestens einem Prozent gleichzeitig in der Firma beschäftigt? Dann können Sie wählen:

Sie können auf die Anwendung der Abgeltungsteuer verzichten und stattdessen die Besteuerung nach dem Teileinkünfteverfahren beantragen. Das bedeutet, dass die Gewinnausschüttungen zu 40 Prozent steuerfrei bleiben und die übrigen 60 Prozent mit Ihrem persönlichen Steuersatz besteuert werden.

Dies hat aber auch zur Folge, dass nun Schuldzinsen und andere Ausgaben als Werbungskosten abziehbar sind, und zwar in Höhe von 60 Prozent. Der Sparerpauschbetrag gilt hier nicht. Falls die Schuldzinsen höher sind als die Gewinnausschüttung, kann der Verlust mit positiven Einkünften anderer Einkunftsarten verrechnet werden.

Bei Veräußerung der Beteiligung sind – ab einer Beteiligungsquote von einem Prozent – der Veräußerungserlös stets nach dem Teileinkünfteverfahren zu 60 Prozent steuerpflichtig und Werbungskosten zu 60 Prozent absetzbar – und zwar dann bei den „Einkünften aus Gewerbebetrieb“.

Was müssen Sie tun?

Um in den Genuss dieser Vergünstigungen zu kommen, müssen Sie einen Antrag zur Veranlagungsoption stellen. Dieser gilt grundsätzlich fünf Jahre und kann danach wieder erneuert werden. Auch kann er jederzeit widerrufen werden, sodass die Gewinnausschüttungen dann wieder der Abgeltungsteuer unterliegen und Kreditzinsen nicht mehr abziehbar sind. Der Antrag muss rechtzeitig gestellt werden. Doch was bitte heißt hier „rechtzeitig“?

Spätestens mit der Einkommensteuer zu beantragen

Nun hat das Finanzgericht Münster entschieden, dass der Antrag zur Veranlagungsoption mit Anwendung des Teileinkünfteverfahrens spätestens zusammen mit der Einkommensteuererklärung für das jeweilige Jahr zu stellen ist. Es komme also auf den Zeitpunkt an, in dem die Steuererklärung abgegeben werde.

Diese Frist sei nicht verlängerbar, eine Antragstellung danach nicht mehr möglich. So stehe es im Übrigen auch in der Gesetzesvorschrift. Ebenfalls müsse eine Widerrufserklärung spätestens mit der Steuererklärung für das Jahr zugehen, für das die Veranlagungsoption nicht mehr angewandt werden soll (Aktenzeichen 7 K 4608/11 E).

Keine Fristverlängerung möglich

Es ist also nicht zulässig, einen Antrag zur Veranlagungsoption erst nach Abgabe der Steuererklärung, aber noch vor Bekanntgabe des Steuerbescheids – und erst recht nicht vor Bestandskraft des Steuerbescheides – zu stellen.

Hier ist die Frist deutlich strenger als bei der Günstigerprüfung, die anstelle der Abgeltungsteuer eine Besteuerung mit persönlichem Steuersatz ermöglicht: Diese kann bis zur Bestandskraft des Steuerbescheides beantragt werden.

Wichtig: Die Veranlagungsoption üben Sie aus, indem Sie in der Anlage KAP in Zeile 27-28 (2013) die erforderlichen Angaben machen. Den Antrag auf Veranlagungsoption können Sie auch dann stellen, wenn Sie gar keine Gewinnausschüttungen aus Ihrer GmbH-Beteiligung erhalten.
Damit erreichen Sie, dass Ihre Werbungskosten, z.B. Schuldzinsen, in der Steuerveranlagung steuermindernd berücksichtigt werden, und zwar zu 60 Prozent. Die so ermittelten negativen Kapitaleinkünfte werden dann mit anderen Einkünften verrechnet (BMF-Schreiben vom 9.10.2012, Teilziffer 143).

 

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