Betriebsveranstaltungen

Jetzt Freibetrag statt erhöhter Freigrenze


Die lohnsteuerliche Freigrenze fĂŒr Betriebsveranstaltungen sollte ab 2015 von 110 Euro auf 150 Euro angehoben werden. Doch jetzt kommt es anders: Freibetrag statt Freigrenze…

Betriebsveranstaltungen und Co

Betriebsveranstaltungen sind “Veranstaltungen auf betrieblicher Ebene mit gesellschaftlichem Charakter”, bei denen die Teilnahme grundsĂ€tzlich allen Betriebsangehörigen offen steht. Also, z. B. Weihnachtsfeiern, BetriebsausflĂŒge, Sommer- und Grillfeste, Karnevals- und JubilĂ€umsfeiern.

Solche Events zielen darauf ab, den Kontakt der Mitarbeiter untereinander und damit das Betriebsklima zu fördern. Die Zuwendungen des Arbeitgebers sind steuer- und sozialversicherungsfrei, sofern maximal zwei Veranstaltungen pro Jahr stattfinden. Auch dĂŒrfen die Ausgaben nicht mehr als 110 Euro (einschließlich Umsatzsteuer) pro Arbeitnehmer betragen.

Positive Entscheidungen schmecken dem Fiskus nicht

Die steuerlichen Regeln zur Betriebsveranstaltung sind bisher in den Lohnsteuerrichtlinien enthalten und basieren auf der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH). Im Jahre 2013 hat der BFH zwei erfreuliche Entscheidungen zugunsten der Arbeitnehmer getroffen, die jedoch dem Fiskus ganz und gar nicht gefallen:

Die Freigrenze von 110 Euro gelte nicht je Arbeitnehmer, sondern je Teilnehmer. Wenn Familienangehörige am Betriebsfest teilnehmen, dĂŒrfe der auf die Angehörigen entfallende Kostenanteil nicht dem Arbeitnehmer zugerechnet werden. Die Übernahme der Kosten durch den Arbeitgeber fĂŒr die GĂ€ste stelle keine Entlohnung dar. Es komme also nicht darauf an, ob der Mitarbeiter mit oder ohne Begleitung an der Feier teilnimmt (Aktenzeichen VI R 7/11).

In die Durchschnittsberechnung der 110 Euro dĂŒrfen nur solche Kosten des Arbeitgebers einbezogen werden, die geeignet sind, beim Arbeitnehmer einen geldwerten Vorteil auszulösen. Dies könnten nur solche Leistungen sein, die die teilnehmenden Arbeitnehmer unmittelbar konsumieren können, also vor allem Speisen, GetrĂ€nke und Musikdarbietungen (“Gaumen-, Augen- und Ohrenschmaus”), nicht jedoch die Kosten fĂŒr Miete und AusschmĂŒcken der VeranstaltungsrĂ€ume (Aktenzeichen VI R 94/10).

Änderungen ab 2015: Es kommt anders als geplant…

Nun will der Gesetzgeber die Regeln ins Gesetz schreiben – und dabei die fĂŒr die Mitarbeiter vorteilhaften BFH-Urteile außer Kraft setzen. Als “Trostpflaster” wollte er eigentlich die Steuerfreigrenze von 110 EUR auf 150 EUR anheben. Doch jetzt wurde topaktuell im sogenannten “Zollkodex-Anpassungsgesetz” in letzter Minute eine bedeutsame Änderung zu Betriebsveranstaltungen vorgenommen:

Ab 2015 wird die bisherige Steuerfreigrenze von 110 EUR in einen Steuerfreibetrag von 110 EUR umgewandelt. Dies ist eine Verbesserung und bedeutet: Bei höheren Aufwendungen des Arbeitgebers von mehr als 110 EUR pro Person wird nicht mehr der Gesamtbetrag steuerpflichtig, sondern nur der ĂŒbersteigende Teilbetrag (§ 19 Abs. 1 Nr. 1a EStG).

  • Entgegen der BFH-Rechtsprechung werden weiterhin die Kosten des Arbeitgebers fĂŒr den Ă€ußeren Rahmen der Veranstaltung, z.B. Raumkosten, Eventmanager oder Busfahrten, in die Gesamtkosten bzw. in die 110 EUR-Grenze einbezogen.
  • Entgegen der BFH-Rechtsprechung werden die Aufwendungen des Arbeitgebers fĂŒr die Begleitpersonen anteilig den betreffenden Arbeitnehmern zugerechnet.
  • Anders als im Gesetzentwurf vorgesehen, sind weiterhin auch Betriebsfeiern von Abteilungen begĂŒnstigt.
  • Anders als im Gesetzentwurf vorgesehen, sind ReisekostenvergĂŒtungen im Zusammenhang mit Betriebsveranstaltungen wie bisher steuerfrei und können den Arbeitnehmern außerhalb des Freibetrages erstattet werden. Sie werden nicht in die Zuwendungen einer Betriebsveranstaltung einbezogen.

Geschenke bis 60 Euro steuerfrei

Überreicht der Arbeitgeber anlĂ€sslich einer Betriebsveranstaltung Geschenke an die Mitarbeiter, gehören diese bis zu einem Wert von 60 Euro (bis 2014: 40 Euro) zu den “ĂŒblichen” Zuwendungen und werden bei der Berechnung der 110 Euro-Freibetrags (bis 2014: 110 Euro-Freigrenze) mit eingerechnet.

Ist der Wert des Geschenks höher als 60 Euro, muss es separat als Arbeitslohn versteuert werden. ZulÀssig ist dann aber die Pauschalversteuerung mit 25 Prozent durch den Arbeitgeber.

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