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Bildschirm-Arbeitsbrille

Nicht als Werbungskosten absetzbar


Mit zunehmendem Alter ist eine “normale” Brille zusehends ungeeignet f√ľr die Arbeit am Computer. Auch wenn diese mit Fernteil und Nahteil ausgestattet ist, wird der mittlere Abstand zum Bildschirm doch nicht zufriedenstellend erfasst. Die L√∂sung bietet eine spezielle Arbeitsbrille¬†mit zwei unterschiedlichen Dioptrien: der obere Teil erfasst die Distanz zum Bildschirm und der untere Teil die Distanz zur Tastatur. Da diese Brille keinen Fernteil enth√§lt, ist sie¬†als gew√∂hnliche Alltagsbrille nicht geeignet. Dann m√ľsste man die Kosten ja eigentlich als Werbungskosten absetzen k√∂nnen, oder?

Die Arbeitsbrille ist ein medizinisches Hilfsmittel

Leider nein. Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass eine Computer-Arbeitsbrille kein Arbeitsmittel, sondern ein medizinisches Hilfsmittel ist. Da die Brille der Korrektur der Sehschw√§che und damit der Behebung eines k√∂rperlichen Mangels dient, sind die Kosten der privaten Lebensf√ľhrung zuzurechnen- und deshalb in der Steuererkl√§rung nicht absetzbar.

Brille nur am Arbeitsplatz

Die Ausgaben sind selbst dann nicht abziehbar, wenn die Behebung des Mangels zugleich im beruflichen Interesse liegt. Selbst dann, wenn die Brille ausschlie√ülich am Arbeitsplatz getragen wird. Auch spielt es keine Rolle, dass die Brille gem√§√ü augen√§rztlicher Bescheinigung “als gew√∂hnliche Korrekturbrille nicht geeignet ist” (Urteil des Bundesfinanzhofs, Aktenzeichen VI R 50/03).

Berufliche Ursache der Sehschwäche

Doch wann kann eine Brille √ľberhaupt als Werbungskosten abgesetzt werden? Dies ist m√∂glich, wenn die Sehschw√§che auf eine typische Berufskrankheit oder einen Arbeitsunfall zur√ľckgeht. Im √úbrigen sind die Kosten f√ľr die Brille stets als au√üergew√∂hnliche Belastung abziehbar – allerdings unter Anrechnung der zumutbaren Belastung.

Arbeitgeber muss die Arbeitsbrille zahlen!

Aber f√ľr Mitarbeiter, die regelm√§√üig am PC arbeiten und eine spezielle Bildschirmbrille ben√∂tigen, muss der Arbeitgeber aufgrund arbeitsschutzrechtlicher Bestimmungen die Kosten daf√ľr √ľbernehmen. Dies ergibt sich aus ¬ß 6 der Bildschirmarbeitsverordnung und ¬ß 3 Abs. 3 des Arbeitsschutzgesetzes. Beim Arbeitgeber sind die Kosten als Betriebsausgaben absetzbar, und beim Mitarbeiter entsteht kein steuerpflichtiger geldwerter Vorteil.

Wichtig: Attest des Augenarztes f√ľr eine Bildschirmbrille

Doch bei der Kosten√ľbernahme durch den Arbeitgeber hat der Fiskus eine H√ľrde eingebaut: Der Betriebsausgabenabzug beim Arbeitgeber und die Steuerfreiheit beim Arbeitnehmer sollen nur dann gew√§hrt werden, wenn die Notwendigkeit der Sehhilfe durch einen Augenarzt bescheinigt wird und diese √§rztliche Verordnung vor Anschaffung der Brille ausgestellt wird.

Begr√ľndung: Nur ein Augenarzt sei eine “fachkundige Person” nach der Bildschirmarbeitsverordnung, nicht jedoch ein Optiker. Dies hat zur Folge, dass f√ľr den Arbeitgeber keine gesetzliche Verpflichtung zur √úbernahme der Kosten f√ľr eine spezielle Sehhilfe besteht, wenn lediglich ein Optiker die entsprechende Notwendigkeit bescheinigt.

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2 Kommentare

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  1. 1
    Heike

    Haben Sie Ihre Augen wg. “Grauem Star” kontrollieren lassen ?
    Ich hatte vor einigen Jahren auch eine Chemotherapie , litt einige Jahre später unter hoher Lichtempfindlichkeit und Kopfschmerzen und habe dann schließlich erfahren, dass ich einen Grauen Star habe Рdies sei Folge der Chemotherapie sagte mir die Augenärztin.
    Mittlerweile bin ich gelasert.
    Wg. den Kosten zu der Bildschirmbrille kann ich leider nichts sagen .
    Mein Arbeitgeber hat die vollen Kosten √ľbernommen.
    Viele Gr√ľ√üe Heike

  2. 2
    Susanne Steele

    Hallo, dazu h√§tte ich mal eine Frage: Ich hatte aufgrund einer Krebserkrankung eine Chemotherapie. Aufgrund dieser hat sich meine Sehkraft am Rechner und √ľberhaupt erheblich verschlechtert (Grund: Chemotherapeutika zerst√∂ren schnell wachsende Zellen). Meine Augen sind sehr lichtempfindlich geworden. Ist dann in diesem Fall eine Bildschirmarbeitsplatzbrille steuerlich absetzbar? √úbrigens: Mein Arbeitgeber hat nur 120 Euro dazu gezahlt. Er hat nicht die gesamten Kosten √ľbernommen. Ist das rechtens? Das Rezept wurde von einem Augenarzt ausgestellt. Vielen Dank

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