Billiger wohnen in der Zweiten

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Das Neuste zur doppelten Haushaltsführung


Flexibilität bei der Wahl des Arbeitsplatzes wird immer wichtiger. Leider ist der Gesetzgeber bei der steuerlichen Anerkennung von Kosten für doppelte Haushaltsführung wenig flexibel. Aktuelle Richtersprüche stärken die Steuerzahler.

  • In der Hauptwohnung muss eigener Hausstand geführt sein
  • Von Musterverfahren zu Verpflegungsmehraufwendungen profitieren
  • Wegzug mit dem Familienwohnsitz nicht schädlich

Wer eine doppelte Haushaltsführung steuerlich geltend machen möchte, muss drei Voraussetzungen erfüllen: Es muss eine Hauptwohnung mit eigenem Haustand vorhanden sein; der Arbeitsort muss in einem anderen Ort liegen. Und dort muss – drittens – ebenfalls eine Wohnung mit Hausstand vorhanden sein.

Beruflich begründet – und damit steuerlich absetzbar – wird die doppelte Haushaltsführung, wenn die Zweitwohnung in erster Linie dazu genutzt wird, den Arbeitsplatz von dort aus zu erreichen. Dann kann der Arbeitnehmer Belastungen wie Fahrtkosten, Verpflegungsmehraufwendungen, Umzugskosten und natürlich die Kosten für die Zweitwohnung steuerlich absetzen. Unbedingt zu beachten ist: Die Kosten der Zweitwohnung dürfen den Durchschnittsmietzins einer 60 Quadratmeter großen Wohnung nicht überschreiten.

Eigener Hausstand entscheidend

Entscheidend für die steuerliche Anerkennung ist auch, dass am Ort des Lebensmittelpunktes ein eigener Hausstand unterhalten wird. Erst kürzlich verwarf das Finanzgericht Düsseldorf den steuermindernden Ansatz der doppelten Haushaltsführung eines Arbeitnehmers, weil dieser als Hauptwohnung eine Souterrainwohnung im Haus seiner Eltern nutzte (Az. 7 K 1976/05 E). Das konkrete Problem in diesem Fall:Der Waschkeller des Hauses war nur durch einen gemeinsamen Flur erreichbar – wodurch das Souterrain in den Gemeinschaftsbereich aller Hausbewohner integriert ist.

Streit mit dem Finanzamt kann es aber auch geben, wenn man als Steuerzahler alles richtig macht, wie Herbert Kämmer erleben musste. Er lebt seit Langem mit seiner vierköpfigen Familie in Köln-Nippes, aber sein Beschäftigungsort war schon seit geraumer Zeit München. Dort hat sich Kämmer eine kleine Eigentumswohnung zugelegt. Die Aufwendungen dafür machte er im Rahmen der doppelten Haushaltsführung erfolgreich als Werbungskosten beim Finanzamt geltend.

Unterbrechung schadet nicht

Ende 2007 teilte ihm sein Arbeitgeber mit, dass er dauerhaft nach Düsseldorf versetzt werden solle, weil die Firma dort eine weitere Niederlassung aufbauen werde. Im Februar 2008 trat Herbert Kämmer seine neue Arbeitsstelle an, und er war froh, wieder in der Nähe seiner Familie arbeiten zu können. Allerdings stand die Eigentumswohnung in München nun ungenutzt leer. Nicht so froh über den Wechsel war indes Kämmers ehemaliger Chef in der bayrischen Landeshauptstadt. Der vermisste die fachliche Kompetenz seines langjährigen Mitarbeiters.

Er bat ihn daher, nach München zurückzukehren – und versüßte diese Bitte mit einem verantwortungsvollen Aufgabengebiet und einer kräftigen Gehaltserhöhung. Kämmer nahm das Angebot an und kehrte nach nur zehnmonatiger Unterbrechung schon im Dezember 2008 wieder an seinen alten Arbeitsplatz und in seine Münchener Wohnung zurück. Freilich begehrte er nun auch wieder den Abzug der doppelten Haushaltsführung als Werbungskosten. Hinsichtlich der Verpflegungsmehraufwendungen machte ihm das Finanzamt jedoch einen Strich durch die Rechnung.

Mehraufwand nur drei Monate

Der Grund: Der Ansatz der pauschalen Verpflegungsmehraufwendungen ist auf die ersten drei Monate begrenzt. Die Argumentation des Fiskus daher: In der Münchener Wohnung hat bereits eine doppelte Haushaltsführung stattgefunden, deshalb beginnt kein neuer Dreimonatszeitraum. Dies wollte der Wahl-Münchener nicht einsehen und klagte. Mit Erfolg. Das Finanzgericht Köln (Az. 15 K 3336/08) stimmte ihm zu: Die Dreimonatsfrist beginnt jedes mal neu, wenn die Voraussetzungen für eine doppelte Haushaltsführung von neuem erfüllt sind.

Leider kann sich Herr Kämmer über die positive Entscheidung noch nicht so richtig freuen, denn das Finanzamt will das Urteil nicht hinnehmen und hat Revision beim Bundesfinanzhof eingelegt. Es bleibt also abzuwarten, ob der Neubeginn der Dreimonatsfrist rechtens ist. Wer ein ähnliches Problem wie Herbert Kämmer hat, sollte unter Hinweis auf die höchstrichterliche Beschäftigung Einspruch einlegen und Ruhen des Verfahrens beantragen (Az. VI R 15/09).

Verfahren noch anhängig

Vielleicht erledigt sich die Streitfrage bei Herbert Kämmer jedoch auch von selbst. Denn zum Thema Verpflegungsmehraufwendungen bei doppelter Haushaltsführung ist noch ein anderes Verfahren vor dem obersten Finanzgericht anhängig.

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