Der gläserne Steuerbürger

Der gläserne Steuerbürger

Bundesregierung plant Angabe der Steuer-ID bei Krediten


Wie jetzt bekannt wurde arbeitet die Bundesregierung an weiteren Maßnahmen zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung. Der vorliegende Gesetzentwurf gilt als Antwort auf die im letzten Jahr bekannt gewordenen „Panama-Papers“. Ziel des neuen Gesetzes: Mehr Transparenz durch mehr Überwachung.

Ab 2018: Kredite nur noch mit Steuer-ID

Besonders pikant: Bei der Aufnahme von Krediten soll verpflichtend ab dem 01.01.2018 immer die Steueridentifikationsnummer angegeben werden. Ohne Auskunft also kein Kredit mehr. Praktisch für den Fiskus: So kann das Finanzamt zukünftig abrufen, wie hoch denn die monatlichen Raten des einzelnen sind. Denn dadurch kann es noch besser abschätzen, ob die erklärten Einnahmen auch tatsächlich zum Lebensstil passen. Der Fiskus lernt Sie also noch ein Stück besser kennen.

Datenkrake Finanzamt

Bereits jetzt liegen dem Fiskus zahlreiche Informationen über seine Steuerpflichtigen vor. Nach der Einführung der lebenslangen Steueridentifikationsnummer wurden Arbeitgeber und Versicherungen verpflichtet, ihre Daten um die Steuer-ID zu erweitern. Diese müssen nun unter Verwendung der Steuer-ID die Daten ans Finanzamt übermitteln. So liegen dem Fiskus bereits heute folgende Angaben vor:

  • Lohnsteuerbescheinigung Ihres Arbeitgebers
  • Einkommens- und Lohnersatzleitungen
  • Ausgezahlte Renten der gesetzlichen und privaten Rentenversicherungen
  • Gezahlte Beiträge zu Riester- und Rürup-Versicherungen
  • Beiträge und Erstattungen zur privaten Krankenversicherungen

Auch vor Ihrer Bank macht der Fiskus nicht halt!

Den genauen Saldo kann es nicht erfragen. Es darf aber nachprüfen bei welchen Banken Sie ein Konto haben. So können Fiskus und andere Behörden, wie etwa das Sozialamt, überprüfen ob die Einnahmen aus Kapitalvermögen vollständig erklärt wurden.

Ihrer Bank liegt bereits jetzt Ihre Steueridentifikationsnummer vor. Ursprünglich eingeführt wurde diese Maßnahme um die Einbehaltung der Kirchensteuer auf Kapitalerträge sicherzustellen. Mittelfristig ist damit zu rechnen, dass die Steuerbescheinigung Ihrer Bank auch automatisch ans Finanzamt übermittelt werden.

Vorausgefüllte Steuererklärung bald Pflicht?

Für die Steuererklärung 2017 ist bereits geplant, dass die dem Finanzamt vorliegenden Informationen als Ihre Angaben gelten. Deswegen empfiehlt es sich bereits jetzt, die sogenannte vorausgefüllte Steuererklärung zu nutzen. So übernimmt das Finanzamt die ihm bekannten Daten automatisch in Ihre Steuererklärung. Etwaige Fehler können Sie dann direkt mit der übermittelnden Stelle, also etwa Ihrem Arbeitgeber oder einer Versicherung, besprechen. Diese müssen die Daten bei Fehlern neu an das Finanzamt übermitteln.

2 Comments

eigener Kommentar
  1. 1
    Tischendorf,Lothar

    Es ist notwendig die Steuererklärung zu vereinfachen. Im weiteren fehlen bei Elekt. -Abgabe vom Finanzamt die Rückmeldunjg über den Erhalt.

  2. 2
    Harry Fehling

    Der Abruf der vorausgefüllten Steuererkläung ist nur Steuerpflichtigen möglich, die über einen Internetzugang verfügen und sich im Elster-Portal persönlich registriert haben.
    Ein Abruf durch Lohnsteuerhilfevereine ist zur Zeit noch nicht möglich, es sei den, der Steuerpflichtige würde die vorgenannten Schritte selbst ausführen und die Abrufnummer dem Verein zur Verfügung stellen.
    Dies erscheint wenig pratikabel und ist aus Datenschutzgründen höchst zweifelhaft.

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