Die aktuellsten Arbeitszimmer-Urteile

Die aktuellsten Arbeitszimmer-Urteile

Neues zum häuslichen Arbeitszimmer


Die steuerliche Berücksichtigung von Kosten rund um das häusliche Arbeitszimmer ist für viele Deutsche der größten Abzugsposten in der Steuererklärung. Es lohnt sich daher immer mal wieder ein Rückblick auf die jüngste Rechtsprechung. Immerhin sind die Urteile vielfältig und manchmal auch leider sehr individuell und nicht verallgemeinerungsfähig. Dennoch versuchen wir Ihnen an dieser Stelle einen guten Überblick zu geben.

Die Arbeitszimmer-Regelung: Wann können die Kosten als Werbungskosten abgesetzt werden?

Zunächst aber zur grundsätzlichen Regelung zum häuslichen Arbeitszimmer: Die Ausgaben dafür unterliegen nämlich im Grundsatz einem Abzugsverbot. Wer daher Kosten beim Finanzamt steuermindernd absetzen darf, befindet sich nach der steuerlichen Systematik bereits in der Ausnahme. Kompliziert wird es dann, weil diese Ausnahmen auch noch zu unterteilen sind, weil sie an verschiedene Voraussetzungen gebunden sind. So können die Kosten nur dann vollständig als Werbungskosten oder Betriebsausgaben steuermindernd behandelt werden, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bildet. Ist dies nicht der Fall können nur noch bis zu 1.250 Euro angesetzt werden, wenn ein anderer Arbeitsplatz nicht zur Verfügung steht.

In diesem Zusammenhang hat bereits das Finanzgericht Rheinland-Pfalz mit Entscheidung vom 11.08.2015 (Aktenzeichen 3 K 1544/13) Folgendes klargestellt: Auch Alleinerziehende können Aufwendungen für einen Telearbeitsplatz, der die häusliche Kinderbetreuung am Nachmittag ermöglicht, als Kosten für das häusliche Arbeitszimmer absetzen. Wenn sie vormittags noch in den Büroräumlichkeiten des Arbeitsgebers arbeiten, haben sie der Definition nach noch einen anderen Arbeitsplatz. Daher gilt hier der Höchstbetrag. Folge: sie können die Kosten nur begrenzt absetzen.

Ausschließliche Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers

Damit aber nicht genug. Weitere Voraussetzungen ergeben sich nämlich auch aus weiterer Rechtsprechung. So hat der Große Senat des Bundesfinanzhofes (BFH) schon 2015 (Aktenzeichen GrS 1/14) festgelegt, dass der Begriff des häuslichen Arbeitszimmers immer voraussetzt, dass der jeweilige Raum ausschließlich oder nahezu ausschließlich für betriebliche bzw. berufliche Zwecke genutzt wird.

Aus diesem Grund können Arbeitsecken in gemischt genutzten Räumen, bei denen der Arbeitsbereich etwa durch ein Sideboard oder einen anderen Raumteiler vom Wohnbereich getrennt wird, steuerlich keine Berücksichtigung finden (BFH v. 22.03.2016; Aktenzeichen VIII R 10/12). Weiterhin können Küche, Bad und Flur, die in die häusliche Sphäre eingebunden sind und zu einem nicht unerheblichen Teil privat genutzt werden auch dann nicht (teilweise) steuermindernd bei den Werbungskosten berücksichtigt werden, wenn Kosten für das Arbeitszimmer zwar abgezogen werden dürfen und die Nebenräume auch tatsächlich beruflich mitbenutzt werden (Aktenzeichen X R 26/16)

Ist der Höchstbetrag personen- oder objektbezogen?

Noch nicht abschließend ist geklärt, ob der Höchstbetrag für die Arbeitszimmerregelung personen- oder objektbezogen ist. Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz hat in 2015 (Aktenzeichen 2 K 1595/13) für eine personenbezogene Betrachtung plädiert. Dies bedeutet, dass ein Steuerzahler, der zwei Arbeitszimmer (beispielsweise ein weiteres am Sitz der doppelten Haushaltsführung) unterhält, für beide Räume nur einmal die 1.250 Euro bei den Werbungskosten geltend machen darf. Ob nicht doch eine Verdopplung des Betrags in solchen Fällen möglich ist, klärt aktuell der BFH unter dem Aktenzeichen VIII R 15/15.

Demgegenüber hat das Finanzgericht Münster (Aktenzeichen 11 K 2425/13 E, G) bei einem häuslichen Arbeitszimmer, das von beiden Eheleuten für ihre jeweilige Tätigkeit genutzt wird, für jeden Ehepartner nur den halben Höchstbetrag anerkannt und folglich eine objektbezogene Betrachtung durchgeführt.

Miteigentumsanteile relevant?

Schon 2014 hat das Finanzgericht Berlin-Brandenburg (Aktenzeichen 11 K 11055/11) entschieden, dass Kosten für ein von nur einem Ehepartner allein genutzten häuslichen Arbeitszimmer auch nur in Höhe seines Miteigentumsanteils abzugsfähig sind, wenn die Immobilie beiden Eheleuten gehört. Erfreulicherweise überprüft jedoch der BFH (Aktenzeichen VI R 41/15) noch das drakonische Urteil der ersten Instanz.

Häuslichkeit des Arbeitszimmers

Allgemein fest steht hingegen, dass die Abzugsbeschränkung oder das Abzugsverbot nur bei einem häuslichen Arbeitszimmer eingreift. Außerhäusliche Büros können daher grundsätzlich unbegrenzt abgezogen werden. Leider hat das Finanzgericht Nürnberg mit Urteil vom 12.11.2015 (Aktenzeichen 4 K 129/14) in diesem Zusammenhang Kellerräume im selben Haus noch als Zubehörräume zur Wohnung angesehen. Einschränkend muss hier aber der jeweilige Einzelfall genau betrachtet werden. Im Urteilsfall haben die Richter nämlich auch insbesondere deshalb für einen inneren Zusammenhang der Kellerräume mit der häuslichen Sphäre plädiert, weil es neben dem Treppenhauszugang auch noch einen weiteren direkten Zugang aus dem Privatbereich zum Bürobereich gab.

Tatsächlich räumt das Gericht nämlich auch ein, dass es im Einzelfall an einem inneren Zusammenhang mit der häuslichen Sphäre fehlen kann (und damit die Abzugsbeschränkung überhaupt nicht greift), wenn der Steuerzahler, um von seinem Wohnbereich in die Büroräume zu gelangen, zunächst das Haus oder die Wohnung verlassen und eine auch von anderen Personen (z.B. dem Mieter) genutzte und insoweit auch der Allgemeinheit zugänglich gemachte Verkehrsfläche durchqueren muss.

Alles in allem können Sie also schon an den noch in Revision befindlichen Streitfragen erkennen, dass die Regelung rund um den heimischen Arbeitsplatz spannend bleibt. Insbesondere über geldwerte Urteile werden wir Sie daher auf dem Laufenden halten.

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