Doppelte Haushaltsführung mit den Eltern

Doppelte Haushaltsführung mit den Eltern

Ist das möglich?


„Solange Du die Füße unter unseren Tisch streckst, kannst Du die doppelte Haushaltsführung vergessen“. Mit dem Beginn dieses Satzes sind ganze Generationen vertraut. Aber: Was haben die ausgestreckten Füße unter dem Tisch mit der doppelten Haushaltsführung zu tun?

Der Begriff der doppelten Haushaltsführung hat das Steuerrecht geprägt. Wird eine zweite Wohnung aus beruflichem Anlass unterhalten, können diese Mehraufwendungen als Werbungskosten die Steuer mindern. Voraussetzung ist, dass tatsächlich zwei Haushalte geführt werden.

Der eigene Hausstand

Junge Arbeitnehmer können die Kosten für eine doppelte Haushaltsführung oft nicht in der Steuer ansetzen, weil sie in der Wohnung der Eltern keinen eigenen Hausstand unterhalten. Dieser Auffassung waren auch die Richter in einem Fall des Finanzgerichts Baden-Württemberg. Eine junge Arbeitnehmerin hatte geklagt, weil sie ihren Lebensmittelpunkt immer noch am Ort des elterlichen Hauses sah. Fraglich war nun, ob die junge Arbeitnehmerin im Elternhaus einen eigenen Hausstand unterhielt. Dies lehnten die Richter ab.

Voraussetzungen:

Folgende Punkte sind nach Auffassung der Richter des Finanzgerichts zu beachten, wenn der eigene Hausstand am Heimatort und damit die Voraussetzung für eine doppelte Haushaltsführung anerkannt werden soll:

  • Mietzahlungen an die Eltern sind ein Indiz für einen eigenen Hausstand.
  • Um einen eigenen Hausstand zu unterhalten, muss die Wohnung in der Heimat nicht unbedingt abgeschlossen und mit Küche und Bad ausgestattet sein.
  • Das Kind muss für die tatsächlichen Kosten des Haushalts aufkommen und die Haushaltsführung mitbestimmen, damit es einen eigenen Hausstand unterhält.
  • Wird das Kind in den Haushalt der Eltern eingegliedert, unterhält es keinen eigenen Hausstand.
  • Das Kind muss die Wohnung tatsächlich nutzen, denn das Vorhalten einer Wohnung für gelegentliche Besuche oder Ferienaufenthalte ist noch nicht als Unterhalten eines eigenen Hausstandes zu bewerten.
  • Bewohnt das Kind an seinem Beschäftigungsort, im Vergleich zu den Räumen bei den Eltern, eine komfortable Wohnung, ist dies ein Indiz dafür, dass die Zimmer im elterlichen Haus nur für Besuchszwecke vorgehalten werden.
  • Die doppelte Haushaltsführung setzt voraus, dass nachgewiesen wird, dass sich junge Arbeitnehmer tatsächlich jedes Wochenende ihrem Hausstand bei den Eltern aufhalten.
  •  Je länger eine Auswärtstätigkeit lediger Arbeitnehmer andauert, desto substantiierter muss nachgewiesen werden, weshalb der Lebensmittelpunkt noch immer im Heimatort liegt.

Beachten Sie, dass die Nachweispflicht der doppelten Haushaltsführung bei Ihnen liegt.

Urteil des Finanzgerichts Baden-Württemberg, Aktenzeichen 2K 4399/09

 

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