Doppelter Haushalt mit den Eltern

Doppelter Haushalt mit den Eltern

Was gilt beim Mehrgenerationenhaushalt?


Viele Arbeitnehmer, die an einem auswärtigen Ort beschäftigt sind und dort eine Zweitwohnung haben, leben an ihrem Heimatort zusammen mit ihren Eltern in einem Haushalt. Doch das Finanzamt lehnt dann gerne eine doppelte Haushaltsführung ab.

Voraussetzung: Eigener Hausstand

Die entscheidende Voraussetzung für die Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung ist der eigene Hausstand.

Dies ist bei Ledigen eine eigene Wohnung, die sie als Eigentümer oder Mieter nutzen und die den Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen darstellt. Auch müssen sie den Haushalt „unterhalten“ oder mitunterhalten, d.h. die Haushaltsführung bestimmen oder wesentlich mitbestimmen.

Auch mit den Eltern möglich

Nun hat der Bundesfinanzhof entschieden, dass Ledige einen eigenen Hausstand auch dann unterhalten können, wenn dieser gemeinsam mit den Eltern oder einem Elternteil geführt wird. Dies gilt jedoch nicht für jüngere Kinder, die nach ihrer Ausbildung im elterlichen Haushalt ein Zimmer bewohnen, weil sie die Haushaltsführung nicht wesentlich mitbestimmen.

Etwas anderes aber gilt für ältere, wirtschaftlich selbstständige, berufstätige Kinder: Bei ihnen ist davon auszugehen, dass sie die Führung des Haushalts maßgeblich mitbestimmen, sodass ihnen dieser Haushalt als „eigener Hausstand“ zugerechnet werden kann (Urteil des Bundesfinanzhof, Aktenzeichen VI R 76/13).

Nach Auffassung der Richter gilt diese Regelvermutung insbesondere, wenn die Wohnung am Beschäftigungsort nur als Schlafstätte dient. Ein wichtiges Indiz ist auch, wenn die Heimatwohnung besser ausgestattet und größer ist als Zweitwohnung am Beschäftigungsort.

Vor allem spricht dafür, dass der Ledige am Heimatort sein Privatleben führt und dort die engeren persönlichen Beziehungen bestehen, so auch wegen der alten, betreuungs- oder sogar pflegebedürftigen Eltern.

Hinweis

Neu ist eine überaus großzügige Auffassung des BFH zugunsten der Steuerzahler:

Der Haushalt am Heimatort kann sogar dann als „eigener Hausstand“ anerkannt werden, wenn die Zweitwohnung am Beschäftigungsort wesentlich größer ist.

Im Urteilsfall war die Zweitwohnung 82 qm groß, während der Ledige im Haushalt der Eltern nur einen zusätzlich angemieteten Kellerraum von 28 qm allein nutzte. Gleichwohl hat er einen eigenen Hausstand im Mehrgenerationenhaushalt unterhalten, weil er die Haushaltsführung dort wesentlich mitbestimmte.

Finanzielle Beteiligung nötig?

Nach der Rechtslage bis 2013 kommt es nicht darauf an, ob sich ledige Arbeitnehmer an der Haushaltsführung finanziell beteiligen oder nicht. Die Kostenbeteiligung ist lediglich ein Indiz, aber keine unerlässliche Voraussetzung für eine doppelte Haushaltsführung.

Dies ist anders ab 2014: Jetzt ist eine finanzielle Beteiligung an den Kosten der Lebensführung erforderlich, damit ein „eigener Hausstand“ bejaht werden kann. Dabei darf es sich nicht lediglich um Bagatellbeträge handeln.

 

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