Ehrenamtspauschale: Gutes tun und Steuern sparen

Welche Pauschalen gibt es?


Mehrere Millionen Ehrenamtliche in zahlreichen Vereinen und Projekten bereichern tagtäglich das Leben vieler Menschen. Nicht nur in Krisenzeiten ist der gesellschaftliche Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung wichtig. Egal ob in der Gemeinde, dem Verein oder im Pflegeheim: Es gibt viele Möglichkeiten, sich ehrenamtlich engagieren. Das möchte der Staat fördern und bietet steuerliche Vorteile für Ehrenamtliche wie z. B. die Ehrenamtspauschale.

Übersicht: Mit diesen Pauschalen sparen Sie

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***Aktuell*** Mehr Unterstützung für Ehrenamtliche geplant

Die Finanzminister der Länder fordern aktuell Reformen zur Entlastung des Ehrenamts. Hierzu soll das BMF einen Gesetzesentwurf vorliegen, dessen Vorschriften noch rückwirkend ab dem 1.1.2020 in Kraft treten sollen. Unter anderem sollen die Reformen eine Anhebung der Ehrenamts- und Übungsleiterpauschale beinhalten. Die Ehrenamtspauschale soll auf 840 Euro und die Übungsleiterpauschale auf 3.000 Euro im Jahr erhöht werden. Wir halten Sie diesbezüglich selbstverständlich auf dem Laufenden.

Die Ehrenamtspauschale: 720 Euro

Beim Ehrenamt ist der eigene Vorteil meist nachrangig: Im Vordergrund steht der gute Zweck. Dennoch ist es üblich, dass Sie für Ihr Ehrenamt einen kleinen Obolus erhalten. Und hier tut auch der Staat Gutes: Bis zu 720 Euro pro Jahr sind für Ihre ehrenamtliche Tätigkeit steuer- und sozialversicherungsfrei. Daneben können Sie ggf. noch einen Aufwendungsersatz für beispielsweise Fahrt- und Telefonkosten erhalten.

Voraussetzungen für die Ehrenamtspauschale

Aber nicht alle nebenberuflichen Tätigkeiten sind ein Ehrenamt. Welche einzelnen Tätigkeiten als Ehrenamt zählen, ist im Gesetz nicht genau bestimmt. Folgende Voraussetzungen müssen aber immer erfüllt sein:

  • Sie arbeiten für einen Verein oder Zweckbetrieb. Ein Zweckbetrieb ist z. B. eine Behindertenwerkstatt, ein Kindergarten oder auch ein Altenheim
  • Der Verein oder Zweckbetrieb muss eine öffentlich-rechtliche oder gemeinnützige Körperschaft sein. Gemeint sind damit z. B. Sportvereine, Universitäten, Schulen oder Kindergärten
  • Der Verein oder Zweckbetrieb fördert gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke.  Zum Beispiel die Arbeit für den Tier- und Naturschutz, Gleichberechtigung von Minderheiten oder die Jugendhilfe.
  • Sie üben Ihr Ehrenamt nebenberuflich aus. Das heißt, dass Sie Pi mal Daumen nicht mehr als ein Drittel Ihrer Zeit dort arbeiten. Dabei ist egal, ob Sie berufstätig sind oder studieren.

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Für was genau gilt die Ehrenamtspauschale?

Welches Ehrenamt bleibt steuerfrei? Nachfolgend stellen wir Ihnen einige Beispiele vor:

  • Aufgaben in der Vereinsverwaltung: z. B. Vorstand oder Schatzmeister
  • Unterstützung im aktiven Vereinsbetrieb: z. B. als Schiedsrichter im Amateurbereich oder Platzwart
  • Fahrdienste für die Organisation
  • Als Ordnungskraft bei Veranstaltungen eines Vereins (wenn dafür keine Eintrittskarten verkauft wurden)
  • Hilfe bei der Reinigung von Außenanlagen oder Räumlichkeiten

… Und für was nicht?

Wie sieht es denn mit dem Kuchenverkauf beim Vereinsfest aus? Und was gilt für den Ticketvorverkauf für Veranstaltungen wie z. B. Konzerte?

Die Vergütung für diese Tätigkeiten fällt leider nicht unter den Steuerfreibetrag. Denn damit unterstützen Sie den Verein nicht mehr nur bei wohltätigen Aufgaben, sondern fördern dessen wirtschaftliche Interessen. Dieser Ausschluss gilt auch für:

  • Tätigkeiten in der Vereinsgaststätte oder im Vereinsladen
  • Unterstützung bei Veranstaltungen, für die die Besucher Eintritt zahlen müssen. Dazu zählen Aufgaben wie der Aufbau, Abbau, Platzeinweiser etc.
  • Werbende Tätigkeiten für einen Verein oder Organisation (z. B. Akquise von Sponsoring-Partnern, Flyer-Verteilen etc.)

Unser Tipp für Sie: Ehrenamt als Anstellung

Sie haben bisher keine weitere Anstellung? Dann empfiehlt es sich, mit Ihrem Ehrenamtsleiter einen Arbeitsvertrag abzuschließen. Dann steht Ihnen nämlich zusätzlich der Werbungskosten-Pauschbetrag von 1.000 Euro zu. Das heißt: Sie können problemlos 1.720 Euro (1.000 Euro + 720 Euro) über dem Steuerfreibetrag dazuverdienen. Die Werbungskosten-Pauschale wird Ihnen automatisch von den steuerpflichtigen Einnahmen abgezogen.

Nutzen Sie die Pauschale aber schon z. B. für Ihren Haupt-Job, darf sie nicht nochmal für Ihr Ehrenamt verwendet werden.

Die Übungsleiterpauschale: 2.400 Euro

Die Ehrenamtspauschale haben Sie bereits kennengelernt. Für viele nebenberufliche Tätigkeiten, die nicht als Ehrenamt gelten, kann aber die Übungsleiterpauschale interessant sein! Als Übungsleiter bleiben für Sie sogar 2.400 Euro im Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei. Für die Organisation, in der Sie als Übungsleiter angestellt sein können, gelten die gleichen Voraussetzungen wie oben. Der einzige Unterschied: Als Übungsleiter sind Sie hauptsächlich im pädagogischen Bereich tätig. Übungsleiter sind Sie z. B. als Ausbildungsleiter, Erzieher, Betreuer, Trainer, oder Pfleger. Aber auch hier gilt: Das Übungsleiter-Amt müssen Sie nebenberuflich ausüben.

Übrigens
Wenn Sie sowohl in einem Ehrenamt als auch als Übungsleiter tätig sind, können Sie die Pauschalen kombinieren. Das heißt: Insgesamt können Sie 3.120 Euro steuerfrei verdienen! Es muss sich allerdings um verschiedene Tätigkeiten handeln. Auch die Kombination mit einem Mini-Job ist möglich.

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Dürfen Sie Werbungskosten ansetzen?

Vielleicht fahren Sie regelmäßig mit Ihrem privaten Auto zu Ihrer Ehrenamtsstelle. Oder Sie nutzen Ihr privates Handy auch für Telefonate, die Ihre Übungsleiter-Tätigkeit betreffen. Eventuell müssen Sie sogar bestimmte Kleidung oder Ausstattung kaufen, um Ihr Ehrenamt anzutreten. Normalerweise spricht man bei solchen berufsbezogenen Kosten von Werbungskosten. Diese geben Sie gewöhnlich mit Ihren Einkünften in der Steuererklärung an – und sparen damit Steuern. Wie sieht das aber aus, wenn Sie – wie beim Ehrenamt oder Übungsleiter – steuerfreie Einnahmen haben?

Grundsätzlich dürfen für steuerfreie Einnahmen keine zusätzlichen Werbungskosten angegeben werden. Denn: Auf die Einnahmen wird gar keine Steuer fällig. Damit gibt es auch kein Erstattungs- oder Verlustvortragspotenzial. Sie dürfen also z. B. auch keinen Verlust aus Ihrer steuerfreien Tätigkeit feststellen oder mit anderen Einkünften verrechnen.

Was, wenn die Einnahmen höher sind als die Pauschale?

Anders sieht das aus, wenn Sie tatsächlich mehr verdient haben als die jeweilige steuerfreie Pauschale. Soweit Ihre Einnahmen höher sind, dürfen Sie Werbungskosten abziehen.

Beispiel
Sie sind ehrenamtlich im Vorstand eines Fußballvereins und verdienen dafür im Jahr 3000 Euro. Für Ihr Ehrenamt entstehen Ihnen Werbungskosten i. H. v. 900 Euro, die Ihnen nicht erstattet wurden.

Arbeitslohn Ehrenamt: 3000 Euro
Abzgl. Ehrenamtspauschale: -720 Euro
= 2.280 Euro
Werbungskosten Ehrenamt: 900 Euro
Abzgl. Ehrenamtspauschale: -720 Euro
= 180 Euro
Summe: 2.280 Euro – 180 Euro = 2.100 Euro

Unentgeltliche Arbeitszeit spenden

In den meisten Fällen üben Sie Ihr Ehrenamt unentgeltlich auch. Die Ehrenamts- bzwl. Übungsleiterpausche stellt Einkünfte steuerfrei. Wenn Sie also gar keine Einkünfte aus Ihrer Tätigkeit haben, stellt sich die Frage, ob Sie bei der Steuer dennoch sparen können.

Hierfür haben Sie z. B. die Möglichkeit, Ihre Arbeitszeit an die Einrichtung “zu spenden”. Das bedeutet, dass Sie ausdrücklich auf die Entlohnung verzichten und stattdessen den entsprechenden Betrag der Einrichtung als Spende zukommen lassen. Diese Arbeitszeit-Spende wird steuerlich genauso behandelt, wie andere Spenden: als Sonderausgaben.

Voraussetzung für die Arbeistzeit-Spende ist, dass Sie vorher schriftlich eine entsprechende Vereinbarung mit einer angemessenen Vergütung getroffen werden.

Wo tragen Sie die nebenberuflichen Einkünfte ein?

Sie können sowohl selbstständig als auch nichtselbstständig ehrenamtlich oder als Übungsleiter tätig sein. Abhängig davon ist dann auch, an welcher Stelle in der Steuererklärung Sie Ihre Einkünfte erklären. Sind Sie selbständig tätig, tragen Sie die Einkünfte in die Anlage S ein. Als nichtselbstständiger Übungsleiter oder Ehrenamtler ist die Anlage N die Richtige.

Erklärvideo zur Ehrenamtspauschale

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4 Kommentare

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  1. 1
    Ingrid Koschützki

    Danke. Endlich bekomme ich die Erläuterungen, die ich mir mühselig zusammengesucht habe, um dem Finanzamt zu erklären, was ich in meiner Nebentätigkeit mache. Ob der jährliche Ärger nun aufhört?

  2. 2
    John Cottbus

    Was ist mit ehrenamtlichen, die das tatsächlich ehrenamtlich tun, also ohne Vergütung? Ehrenamt schließt nach der Begrifflichkeit eine Vergütung doch aus. Warum heißt Ehrenamt, “Ehrenamt” wenn es vergütet wird? Können diejenigen die Pauschale auch dann ansetzen, wenn sie tatsächlich “ehrenamtlich” arbeiten und vor allen Dingen wo?

    • 3
      Carina Hagemann

      Guten Tag,

      unter Anwendung der allgemeinen steuerlichen Regeln wären Vergütungen aus ehrenamtlichen Tätigkeiten oder als Übungsleiter steuerpflichtiger Arbeitslohn oder als Einkünfte aus selbstständiger Arbeit zu versteuern. Um das jedoch zu vermeiden, sind diese Vergütungen in Höhe der Pauschalen steuerfrei gestellt. Denn in der Regel wird – wie Sie schon korrekt sagen – das Ehrenamt nicht ausgeübt um tatsächlich einen “Gewinn” zu erwirtschaften. Trotzdem ist es durchaus üblich, dass z. B. in Vereinen eine kleine Vergütung für die investierte Zeit gezahlt wird.
      Arbeitet jemand unentgeltlich für eine gemeinnützige Organisation, stellt sich ohnehin das “Problem” der Besteuerung nicht. Entgeltlich arbeitende Ehrenamtliche werden also durch die Pauschalen steuerlich nicht besser gestellt. Ihre Frage ist dennoch berechtigt und gab mir Anlass dazu, den Artikel um einen Punkt zu erweitern. Denn es gibt es auch für unentgeltlich Tätige die Möglichkeit, die Arbeitszeit steuerlich geltend zu machen. Lesen Sie hierfür im Beitrag den Abschnitt Unentgeltliche Arbeitszeit spenden .

      Viele Grüße,
      Carina Hagemann von steuernsparen

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