Ein Arbeitszimmer – zwei Partner

Wenn das Arbeitszimmer geteilt wird


Ehepartner teilen meist alles: Geld, Haus und Bett. Aber auch das Arbeitszimmer wird gerne zusammen genutzt. Doch gerade bei gemeinsamer Nutzung von berufstätigen Partnern bleibt eine Frage: Wer kann welche Kosten steuerlich absetzen?

Aufteilung der Kosten

Klar ist, dass als erstes die Arbeitszimmerkosten zu berechnen sind. Diese müssen dann den Partnern entsprechend dem Nutzungsverhältnis zugeordnet werden. Dann muss die persönliche Abzugsberechtigung geprüft werden:

  • Ist das Arbeitszimmer der Mittelpunk der gesamten beruflichen Tätigkeit eines Ehepartners? Dann kann dieser seinen Kostenanteil in voller Höhe als Werbungskosten oder Betriebsausgaben absetzen.
  • Nutzt ein Ehepartner das Arbeitszimmer, weil kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht? Dann ist sein Kostenanteil nur bis zum anteiligen Höchstbetrag von 1.250 Euro absetzbar – bei hälftigem Nutzungsanteil also bis zu 625 Euro.

Mehr erfahren Sie in unserem Artikel: Arbeitszimmer absetzen

Höchstbetrag jeweils anteilig

Nun hat das Finanzgericht Münster entschieden, dass der abzugsfähige Höchstbetrag jedem Nutzer, der die persönliche Abzugsberechtigung erfüllt, nur anteilig entsprechend seinem Nutzungsanteil zusteht. Hier gilt die objektbezogene und nicht die personenbezogene Betrachtungsweise (Aktenzeichen 11 K 2425/13 E, G).

Der entschiedene Fall

Eheleute nutzen gemeinsam das häusliche Arbeitszimmer. Die Ehefrau ist selbstständig tätig, sodass das Arbeitszimmer für sie den beruflichen Mittelpunkt darstellt. Der Ehemann ist Angestellter und arbeitet im Homeoffice. Ihm steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. Die Nutzungsanteile sind jeweils 50 Prozent.

Das bedeutet: Die Gesamtkosten des Arbeitszimmers in Höhe von 4.000 Euro kann die Ehefrau mit ihrem Nutzungsanteil von 50 Prozent, also mit 2.000 Euro, als Betriebsausgaben absetzen. Der Ehemann kann seinen Kostenanteil von 2.000 Euro lediglich mit seinem anteiligen Höchstbetrag absetzen. Im vorliegenden Fall konnte der Ehemann also 50 Prozent von 1.250 Euro, sprich 625 Euro, als Werbungskosten geltend machen.

Ungleiche Behandlung nicht rechtens

Nach geltender Rechtslage kann ein Lehrerehepaar, das zwei kleine Räume von jeweils 14 qm als Arbeitszimmer nutzt, die Kosten zweimal bis zu 1.250 Euro als Werbungskosten absetzen. Nutzt das Ehepaar jedoch einen Raum von 28 qm gemeinsam, sind die Kosten nur einmal bis zu 1 250 Euro absetzbar. Somit kann jeder Ehepartner lediglich 625 Euro als Werbungskosten absetzen. Dies erscheint ungerecht.

Bei objektbezogener Betrachtung liegt möglicherweise ein verfassungswidriger Gleichheitsverstoß vor, weil man durch das einfache Einfügen einer Wand den Abzugsbetrag verdoppeln kann. Daher ist der Fall, dass zwei Personen einen größeren Raum gemeinsam nutzen, steuerlich genau so zu behandeln wie die Nutzung von zwei getrennten, kleineren Räumen.

Betroffen? Legen Sie Einspruch ein

Falls Sie betroffen sind, sollten Sie Ihren Steuerbescheid offen halten. Denn zur Frage, ob der Höchstbetrag für den Abzug von Arbeitszimmerkosten objekt- oder doch personenbezogen zu gewähren ist, ist derzeit ein Verfahren vor dem BFH anhängig (Aktenzeichen VI R 53/12). Jeder Ehepartner sollte also für das gemeinsam genutzte Arbeitszimmer Kosten bis zum Höchstbetrag geltend machen, gegen die Ablehnung Einspruch einlegen und mit Hinweis auf das Verfahren das Ruhenlassen beantragen.

Steuerberatung?

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