Einspruchsempfehlung Februar 2020

Handwerkerleistungen: Steuerermäßigung auch für Statiker


Haushaltsnahe Steuerermäßigung

Sie haben einen Handwerker bezahlt, der Ihr Haus renoviert hat? Dann können Sie gemäß § 35 a Abs. 3 EStG 20 Prozent der Personalkosten steuerlich absetzen. Pro Jahr ist der abzugsfähige Betrag jedoch auf 1.200 Euro begrenzt.
Diese Regelung scheint klar zu sein. Dennoch ist es in der Rechtsprechung immer wieder umstritten, welche Leistungen konkret unter die Steuerermäßigung fallen.

Verwaltung schließt Statiker aus

Grundsätzlich können sämtliche handwerklichen Tätigkeiten unter die Steuerermäßigung fallen. Eine Ausnahme besteht jedoch nach Auffassung der Finanzverwaltung bei Gutachter-Tätigkeiten. Dazu gehören zum Beispiel die Wertermittlung eines Grundstücks oder das Erstellen eines Energieausweises. Gleiches gilt laut Finanzverwaltung auch für Statiker. Im BMF-Schreiben vom 9.11.2016 (Az: IV C 8 – S 2296 b/07/10003 :008) wird erklärt, dass die Tätigkeit eines Statikers von der haushaltsnahen Steuerermäßigung ausgenommen ist.

Positive Rechtsprechung

Das FG Baden-Württemberg ist jedoch anderer Auffassung. Im Urteil vom 4.7.2019 (Az: 1 K 2384/19) hat das Gericht die Steuerermäßigung auch für Kosten einer statischen Berechnung zugelassen. Denn diese war zur Durchführung einer Handwerkerleistung erforderlich. Das Gericht erkannte den engen Zusammenhang zwischen den statischen Berechnungen und den folgenden Handwerkerleistungen – und hielt die Steuerermäßigung für gerechtfertigt.

Die oberste Instanz erkennt auch den unmittelbaren räumlichen Zusammenhang zum Haushalt an. Denn es gab eine Besprechung vor Ort und eine Begutachtung des Hauses. Eine Aufspaltung nach Maßgabe des Leistungsortes der Berechnung hält das Gericht für gekünstelt. Deshalb fallen sämtliche Aufwendungen unter die Steuerermäßigung.

Die Finanzverwaltung hat gegen das Urteil Revision beim BFH eingelegt.

Sind auch Sie betroffen?
Dann sollten Sie mit Verweis auf das anhängige Verfahren Einspruch einlegen.

 

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