Einspruchsempfehlung Januar 2020

Erhaltungsaufwendungen: Was passiert im Erbfall?


Hintergrund zum Sachverhalt

Besitzen Sie ein Vermietungsobjekt, haben Sie die Möglichkeit, Ihre Ausgaben für die Instandhaltung des Gebäudes als Werbungskosten abzusetzen. Bei höheren Ausgaben können Sie diesen Werbungskostenabzug gleichmäßig auf zwei bis fünf Jahre verteilen. Auf diese Weise können Sie, vor allem bei unterschiedlicher Steuerprogression, über die Jahre hinweg teilweise deutliche Steuervorteile erlangen.

 Eine Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass das Gebäude überwiegend zu Wohnzwecken genutzt wird. Das ist bereits der Fall, wenn die Grundfläche der Wohnräume mehr als die Hälfte der gesamten Nutzfläche beträgt.

Vererbung im Verteilungszeitraum

Streitbefangen ist in diesem Zusammenhang aktuell, wie zu verfahren ist, wenn die Immobilie in einem laufenden Verteilungszeitraum unentgeltlich auf einen Rechtsnachfolger übergeht. Das kann sowohl durch Tod des ursprünglichen Immobilieneigentümers, als auch durch Schenkung geschehen. Die Finanzverwaltung vertritt an dieser Stelle die Meinung, dass der Rechtsnachfolger in diesem Fall den Erhaltungsaufwand in dem festgelegten Verteilungszeitraum geltend machen kann. In dem Jahr, in dem die Immobilie übertragen wurde, muss der Erhaltungsaufwand entsprechend der Besitzdauer zwischen dem Erblasser und dem Erben aufgeteilt werden.

Sofortabzug möglich?

Das FG Münster sieht das mit seinem Urteil vom 11.10.2019 (Az: 10 K 3350/18 E) jedoch anders. Danach gehen die noch nicht verbrauchten Erhaltungsaufwendungen nicht auf den oder die Erben über, sondern sind in voller Höhe beim Erblasser in dem Veranlagungszeitraum abziehbar, in dem er verstorben ist. Die Auffassung der Finanzverwaltung lehnen die erstinstanzlichen Richter ab und verweisen dabei auf ein BFH-Urteil vom 13.3.2018 (Az: XI R 22/17). Dieses gilt zwar für den Fall der Immobilienübertragung gegen Nießbrauch, die Grundsätze dieser Entscheidung würden jedoch auch auf den Erbfall zutreffen. Die Finanzverwaltung stellt sich jedoch dagegen und möchte an ihrer bisherigen Auffassung festhalten.

Sind Sie hiervon auch betroffen?

Dann sollten Sie mit Verweis auf das anhängige Verfahren Einspruch einlegen.

Steuerberatung?

Einzelfragen zu Ihrer Steuererklärung darf leider nur ein Steuerberater beantworten. Wir freuen uns jedoch über Lob und Kritik und nehmen Ihre Anregungen gerne für zukünftige Beiträge auf.
Übrigens: In unserer Steuer-Software finden Sie eine ausführliche Hilfe und Tipps zu allen Themen rund um Ihre Steuererklärung.

+ Hier gibt es noch keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar