Erbschaftssteuer: Die wichtigsten Änderungen

Erbschaftssteuer: Die wichtigsten Änderungen

Firmenerben weiterhin privilegiert


Großes Aufatmen und den obersten Reihen deutscher Familienunternehmen. Denn auch künftig können die Firmenerben von weitgehender Steuerfreiheit profitieren.

Koalition einig: Weiterhin großzügige Vergünstigungen

Nach monatelangem Ringen haben sich nun Union und SPD auf eine Reform der Erbschaftssteuer geeinigt. Reform? Nun, eher ein Reförmchen. Denn auf den großen Wurf wartet man vergeblich. Das Ergebnis ist eher ein Kompromiss, der mittelständische Unternehmen schützen und Arbeitsplätze erhalten soll.

Der deutsche Staat meint es gut mit Erben: Gerade mal ein Prozent der Steuereinnahmen – das sind 5,9 Milliarden Euro – stammen von der Erbschaftssteuer. Dank hoher Freibeträge und großzügigen Verschonungsregeln. Und das wird auch in Zukunft so bleiben.

Die neuen Regeln rund ums steuerfreie Erben von Firmen lauten wie folgt:

Steuerfreie Erbschaft

Der steuerfreie Unternehmensübergang an die nächste Generation ist auch weiterhin möglich – wenn die Erben das Unternehmen längere Zeit fortführen und die Arbeitsplätze erhalten. Für den vollständige Steuerfreiheit muss das Unternehmen sieben Jahre nach der Erbschaft fortbestehen.

Schonung bis 26 Millionen Euro

Ab einem Betriebsvermögen von 26 Millionen Euro erfolgt nun eine so genannte Bedürfnisprüfung. Weist der Erbe durch Offenlegung seiner Privatvermögen nach, dass ihn die Zahlung der Erbschaftssteuer überfordern würde, kann er Steuervergünstigungen erhalten.

Alternativ gibt es einen Abschlag von der Steuerverschonung: ein Prozent für je 750.000 Euro Betriebsvermögen über 26 Millionen Euro. Ab einem Betriebsvermögen von über 90 Millionen Euro soll es den Plänen zufolge jedoch keine Steuererlässe mehr geben.

Zinslose Stundung über zehn Jahre

Zahlt der Erbe die Erbschaftssteuer aus seinem Privatvermögen kann er die Steuer stunden: zehn Jahre lang zinslos!

Keine Nachweispflicht ab fünf Mitarbeitern

Hat ein Unternehmen maximal fünf Beschäftigte, so wird dieser Kleinbetrieb besonders bevorzugt. Hier entfällt die Nachweispflicht des Arbeitsplatzerhalts. Zuvor lag diese Grenze noch bei 20 Mitarbeitern!

Abschlag bei Privatvermögen

Soll Privatvermögen privat bleiben, greift ein Abschlag. So muss mit wachsendem Unternehmensvermögen ein größerer Teil des Betriebsvermögens versteuert werden.

Zehn Prozent des Verwaltungsvermögens steuerfrei

Zehn Prozent des Verwaltungsvermögens bleiben pauschal steuerfrei. Begünstigt werden betriebliche Altersvorsorge oder verpachtete Grundstücke sowie Firmenbeteiligungen außerhalb der EU.

Geplante Investitionen begünstigt

Werden Investitionen getätigt, die der Erblasser vor seinem Tod festgelegt hat, so sind diese innerhalb zwei Jahren nach Firmenübergang steuerbegünstigt.

Niedrigerer Firmenwert

Für das vereinfachte Ertragswertverfahren wird eine neue Berechnung eingeführt. Das alte Verfahren führte aufgrund der Niedrigzinsphase zu unrealistisch hohen Firmenwerten.

Wie geht es weiter?

Nach der Einigung auf diese Regelung müssen noch Bundestag und Bundesrat zustimmen. Dies soll bis zur parlamentarischen Sommerpause am 08. Juli geschehen.

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