Erbschaftsteuer: Vermögen übertragen – Aber richtig

Rechtzeitig planen und Steuern sparen


Der frühe Vogel fängt die Steuer: Durch frühzeitige Planung lassen sich hohe Zahlungen für Erbschaftsteuer bzw. Schenkungsteuer vermeiden. Haus, Grundstück, oder Finanzanlagen – schließlich möchten Sie, dass auch Ihre Kinder in späteren Jahren noch von Ihrem Vermögen profitieren. Aber worin unterscheiden sich überhaupt Erbe und Schenkung?

Erbschaft oder Schenkung?

Erbschaft oder Schenkung? Eigentlich das gleiche, oder? Tatsächlich sind die beiden Vorgänge gar nicht so verschieden – auch wenn sie zwei unterschiedliche Dinge beschreiben. Die Gemeinsamkeit: In beiden Fällen erhalten Sie Vermögen, ohne dafür zu bezahlen. Der große Unterschied: Eine Schenkung gibt es nur unter lebenden Personen. Im Todesfall wird von einem Erbe gesprochen. Damit ist eine Schenkung prinzipiell mehrmals im Leben möglich. Ein Erbe kommt nur im Todesfall vor. Sie bestimmen selbst darüber, ob Sie Ihr Vermögen vererben oder verschenken: Und dadurch lassen sich Steuern sparen!

Erbschaftsteuer bzw. Schenkungsteuer: Besteuert wird der Vermögenszuwachs

Doch auch der Staat möchte ein Stück von dem Kuchen. Oftmals werden große Vermögenswerte vererbt oder verschenkt, die zur finanziellen Bereicherung des Empfängers beitragen. Der Staat belastet das erhaltene Vermögen mit Erbschaft- oder Schenkungsteuer. Voraussgesetzt, es übersteigt einen bestimmten Wert. Zahlen muss die Steuer derjenige, der das Erbe oder die Zuwendung erhält. In folgenden Fällen kann Steuer auf Ihr erhaltenes Vermögen anfallen:

Erwerb von Todes wegen

Das ist das typische Erbe oder der Pflichtteil. Andere Formen sind der Erbvertrag oder ein Vermächtnis.

Schenkungen unter Lebenden

Man spricht hier auch von einer „freigiebigen Zuwendung“. Dabei handelt es sich um Vermögenswerte, die Sie unentgeltlich – also geschenkt – erhalten. Und zwar aus freien Stücken des Schenkenden. Das ist jedoch nicht der Fall, wenn er dazu verpflichtet ist. Zum Beispiel bei Unterhaltszahlungen oder aufgrund eines Gerichtsbeschlusses.

Zweckzuwendungen

Sie bekommen Geld geschenkt oder vererbt mit dem Auftrag, es an eine Organisation weiterzugeben. Dann handelt es sich um eine Zweckzuwendung. Auch wenn Sie dadurch persönlich gar nicht bereichert werden, schulden Sie die Steuer.

Vermögen einer Familienstiftung

Eine Stiftung selbst kann nicht sterben und somit nicht erben. Deswegen erhebt der Staat eine “Erbersatzsteuer”. Auf das Vermögen einer Familienstiftung muss alle 30 Jahre die Erbschaftsteuer gezahlt werden.

Steuerklassen

Wie viel Erbschaftsteuer oder Schenkungsteuer müssen Sie auf das erhaltene Vermögen zahlen? Das hängt ähnlich wie bei der Lohnsteuer von Ihrer Steuerklasse ab. Die Steuerklasse steht hier allerdings für das Verhältnis, in dem Sie zum Erblasser oder Schenkenden stehen. Das Gesetz unterscheidet in drei Steuerklassen:

SteuerklasseVerwandtschaftsgrad
IEhegatten, Lebenspartner, Kinder, Enkelkinder, Stiefkinder, Adoptivkinder, Urenkelkinder, Eltern, Großeltern
IIGeschwister, Nichten und Neffen, Stiefeltern, Schwiegerkinder
IIINicht verwandte Personen

Keine Steuer auf private Alltagsgegenstände

Geburtstagsgeschenke müssen also versteuert werden? Keine Sorge, sofern Sie Geschenke in üblichem Wert verschenken. Das Schenkung- und Erbschaftsteuergesetz sieht nämlich auch Befreiungen vor. Wichtig für Sie ist vor allem die Steuerbefreiung für private Gegenstände. So bleiben unter anderem steuerfrei:

  • Übliche Geschenke im Rahmen von Geburtstagen, Jubiläen oder anderer sozialen Ereignisse
  • Hausrat, Wäsche und Kleidungsstücke bis zu einem Wert von 41.000 Euro (Steuerklasse I)
  • Andere Gegenstände wie z.B. Autos, Schmuck oder Elektronikgeräte bis zu einem Wert von 12.000 Euro (Steuerklasse I)
  • Hausrat, Wäsche und Kleidungsstücke sowie andere bewegliche Gegenstände (z. B. Autos) bis zu einem Wert von 12.000 Euro (Steuerklasse II und III)

Persönlicher Freibetrag

Neben den oben genannten Freibeträgen gibt es noch den persönlichen Freibetrag. Diesen gewährt der Staat Ihnen zusätzlich. Der persönliche Freibetrag ist abhängig von Ihrer Steuerklasse – ganz egal, welche Vermögensgegenstände Sie erhalten. Folgende Freibeträge gelten:

SteuerklasseVerwandtschaftsgradFreibetrag
IEhegatten, Lebenspartner

Kinder, Enkelkinder (deren Eltern verstorben sind), Stief- und Adoptivkinder

Enkelkinder

(Groß)Eltern, Urenkelkinder
500.000 Euro

400.000 Euro

200.000 Euro

100.000 Euro
IIGeschwister, Nichten und Neffen, Stiefeltern, Schwiegerkinder20.000 Euro
IIINicht verwandte Personen20.000 Euro

Beispiel

Ihr Bruder vererbt Ihnen ein Vermögen von insgesamt 50.000 Euro. Darunter befinden sich Haushaltsgeräte im Wert von 10.000 Euro und ein Auto im Wert von 15.000 Euro.

1. Haushaltsgeräte

Wert:           10.000 Euro
Freibetrag: 12.000 Euro
Steuerfrei:  10.000 Euro

2. Auto

Wert:           15.000 Euro
verbleibender Freibetrag: 2.000 Euro
Steuerfrei:  2.000 Euro

3. Persönlicher Freibetrag

Erbe:                                   50.000 Euro
Steuerfreie Beträge:         12.000 Euro
Verbleiben:                        38.000 Euro
Persönlicher Freibetrag:  20.000 Euro

Steuerpflichtiges Erbe:     18.000 Euro

Die Freibeträge gelten pro Person. Wenn Sie also zum Beispiel mehrere Geschwister haben, steht jedem der Freibetrag von 20.000 Euro zu. Wie Sie sehen, fallen die Freibeträge für Geschwister, Bekannte, Freunde oder Personen entfernterer Verwandtschaft vergleichsweise schmächtig aus. Wenn Sie also ein großes Vermögen wie z. B. ein Grundstück verschenken, informieren Sie sich vorher unbedingt über die Freibeträge.

Versorgungsfreibetrag nur bei Erbschaftsteuer

Einen weiteren Freibetrag gibt für überlebende Ehegatten und Kinder. Diesen Versorgungsfreibetrag können Sie ausschließlich für ein Erbe, also Vermögen einer verstorbenen Person, anwenden. Steuerfrei bleiben dann für den Ehegatten 256.000 Euro – gekürzt um eventuelle Versorgungsbezüge.
Bei Kindern richtet sich die Höhe des Versorgungsfreibetrags nach dem Alter.

Alter in JahrenVersorgungsfreibetrag
< 552.000 Euro
5 - 1041.000 Euro
11 - 1530.700 Euro
16 - 2020.500 Euro
21 - 2710.300 Euro

Steuersatz

Bleibt nach Abzug der Freibeträge noch was übrig? Dann kommt der Steuersatz ins Spiel. Der Steuersatz ist abhängig von Ihrer Steuerklasse und dem Wert der Schenkung bzw. des Erbes nach Anrechnung der Freibeträge. Das steuerpflichtige Erbe wird mit dem Steuersatz multipliziert. Daraus ergibt sich dann die Steuer, die Sie ans Finanzamt zahlen müssen.

Wert des steuerpflichtigen Vermögens Steuersatz in der Steuerklasse I (%)Steuersatz in der Steuerklasse II (%)Steuersatz in der Steuerklasse III (%)
75.000 Euro71530
300.000 Euro112030
600.000 Euro152530
6.000.000 Euro193030
13.000.000 Euro233550
26.000.000 Euro274050
> 26.000.000 Euro304350

Sparen bei der Schenkung: Zehn-Jahres Regel

Eine Schenkung kann schon lange vor dem Erbfall durchgeführt werden. Deshalb können Sie im Laufe Ihres Lebens mehrere unentgeltliche Zuwendungen vornehmen. Das lohnt sich vor allem deshalb, weil die Freibeträge den Beschenkten alle zehn Jahre erneut zustehen. Dadurch können Sie an dieselbe Person alle zehn Jahre Vermögen in der Höhe des Freibetrags steuerfreie verschenken.

Wenn Sie sich also früh mit Ihrem Vermögen beschäftigen, können die Beschenkten bares Geld sparen! Wird ein großes Vermögen nämlich erst im Todesfall übertragen, kann die Erbschaftsteuer für die betreffenden Personen sehr teuer werden. Um das zu vermeiden ist es besser, das Vermögen „häppchenweise“ in Form von Schenkungen zu übertragen. Im Erbfall werden konsequenterweise aber auch Schenkungen der letzten zehn Jahre zum steuerpflichtigen Vermögen dazugerechnet.

Unser Tipp für Sie

Achten Sie bei Schenkungen genau auf die Zehn-Jahres-Regel und dokumentieren Sie Zahlungen. Denn vor allem bei regelmäßigen Schenkungen passiert es schnell, dass die Freibeträge zu früh überschritten werden.

Beispiel: Sie überweisen Ihrer Tochter monatlich 4.000 Euro. Zum Unterhalt sind Sie nicht verpflichtet.  Ein Versorgungsfreibetrag steht Ihrer Tochter nicht zu, da sie älter als 27 Jahre alt ist. Über zehn Jahre betrachtet erhält sie also 480.000 Euro. Ihr persönlicher Freibetrag liegt bei 400.000 Euro. Ihre Tochter müsste also 80.000 Euro versteuern.

Steuerberatung?

Einzelfragen zu Ihrer Steuererklärung darf leider nur ein Steuerberater beantworten. Wir freuen uns jedoch über Lob und Kritik und nehmen Ihre Anregungen gerne für zukünftige Beiträge auf.

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12 Kommentare

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  1. 1
    B. Lindauer

    Wie läuft es ab, wenn ein Minderjähriger erbt, zB. ein Enkelkind? Wer verwaltet das Erbe bis zur Volljährigkeit, und Wie?
    Können die Eltern etwas verwenden, zB für Ausbildung?

    • 2
      Carina Hagemann

      Guten Tag,

      leider darf ich Ihnen im Einzelfall keine Rechtsauskunft geben.
      Die allgemeine Vorschrift zur Sorgfaltspflicht der Eltern findet sich im § 1626 BGB und regelt u. a. auch die Vermögensverwaltung.
      Hiervon ist u.a. auch das Erbe eines Minderjährigen betroffen. § 1642 BGB bestimmt, dass das Geld, was für ein minderjähriges Kind verwaltet wird, prinzipiell anzulegen ist. Des Weiteren sind in § 1643 BGB genehmigungspflichtige Rechtsgeschäfte der Eltern im Namen des Kindes festgehalten.

      Viele Grüße,
      Carina Hagemann von steuernsparen

  2. 3
    Rumpf, Karl

    Wenn Kinder ihrer Mutter und ihrem Vater eine Schenkung zukommen lassen, steht dann jedem Elternteil jeweils ein Freibetrag in Höhe von 20.000 € zu?

    • 4
      Carina Hagemann

      Guten Tag,

      Sie haben im prinzip recht, der Freibetrag gilt pro Erbe und pro Person. Also bei einer Schenkung eines Kindes an seine Mutter und seinen Vater
      gilt der Freibetrag 1x für die Schenkung an die Mutter und 1x für die Schenkung an den Vater.
      Bei Schenkungen gilt ein Freibetrag von 20.000 Euro pro Person, bei Erbe sind es 100.000 Euro pro Person.

      Viele Grüße,
      Carina Hagemann
      Tax Specialist bei steuernsparen

    • 6
      Carina Hagemann

      Sehr geehrter Herr Schlaht,
      Ja, auch Urenkelkinder zählen in die Steuererklasse I des Erbschaftsteuergesetzes. Der persönliche Freibetrag für Urenkelkinder beträgt 100.000 Euro.
      Ich werde diese Information in die Tabellen auf dieser Seite mit aufnehmen – vielen Dank für den Hinweis.

      Viele Grüße,
      Carina Hagemann von steuernsparen

  3. 7
    K. Schott

    Die Zehnjahresfrist beginnt m.W. erst dann zu laufen an, wenn eine Schenkung dem zuständigen Finanzamt bekannt geworden ist (z.B. durch einen notariellen Vertrag).
    Zu Ihrem Beispiel: Bei einer laufenden Handschenkung über z.B. 15 Jahre wären dann die ersten 5 Jahre nicht verjährt, wären also wie die folgenden 10 Jahre zu versteuern.

    • 8
      Alexander Müller

      Hallo sehr geehrter Herr Schott,

      bitte beachten Sie, dass wir aufgrund der Regelungen des Steuerberatergesetzes keine Einzelfallberatung durchführen dürfen. Bei speziellen steuerrechtlichen Fragen wäre ein Steuerberater der richtige Ansprechpartner. Ich bitte daher um Verständnis, dass ich nur allgemein antworten darf.

      Bei der Berechnung der Zehnjahresfrist kommt es auf den Zeitpunkt der Entstehung der Steuer für den jeweiligen Erwerb an. Im Erbfall ist dies regelmäßig der Todestag, bei Schenkungen der Tag der Ausführung.

      Viele Grüße,
      Alexander Müller
      Tax Specialist bei steuernsparen

  4. 9
    U. Holste

    Hallo, der Artikel gefällt mir, da er kurz und bündig einen Überblick gibt. Allerdings habe ich ein Problem mit ihrem Beispiel. M.E. stimmt der Freibetrag bei der Pos. 1 Haushaltsgeräte nicht, da im Beispiel ein Bruder vererbt und es damit St.Kl. 2 ist. Oder verstehe ich in den Erläuterungen “Keine Steuer auf private Alltagsgegenstände” etwas falsch? Freundliche Grüße U. Holste

    • 10
      Carina Hagemann

      Hallo Frau Holste,
      Vielen Dank für Ihren aufmerksamen Hinweis! Sie haben Recht: Unter Geschwistern ist die Steuerklasse 2 anzuwenden und die entsprechenden Freibeträge. Tatsächlich ist mir dabei im Beispiel ein Fehler unterlaufen. Die Berechnung habe ich dahingehend korrigiert.
      Viele Grüße,
      Carina Hagemann
      Tax Specialist bei steuernsparen

    • 12
      Carina Hagemann

      Hallo Herr Molkenhin,
      Grundsätzlich gehören private Immobilien zum steuerpflichtigen Vermögen. Selbstgenutztes Wohneigentum bleibt aber ausnahmsweise steuerfrei. Das ist im Erbschaftsteuergesetz im § 13 Abs. 1 Nr. 4c geregelt. Folgende Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein:
      – Das Wohneigentum wird an die Kinder oder Enkelkinder, wenn deren Eltern verstorben sind, vererbt
      – Der Erblasser hat die Immobilie vorher selbst zu Wohnzwecken genutzt
      – Die Wohnfläche ist nicht größer als 200 m²
      – Der Erbe bezieht Immobile nach dem Tod des Erblassers selbst (innerhalb von 6 Monaten)
      – Der Erbe behält das Wohneigentum mindestens für zehn Jahre

      Viele Grüße,
      Carina Hagemann
      Tax Specialist bei steuernsparen

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