Erhöhte Abschreibung in Sanierungsgebiet

Erhöhte Abschreibung in Sanierungsgebiet

Auch Neubauten begünstigt


Bauen in Sanierungsgebieten lohnt sich: Gebäude sind bereits nach zwölf Jahren abgeschrieben. Doch: Das Finanzamt funkt gerne dazwischen. Was Sie dagegen tun können, lesen Sie hier.

Steuersparmodell Sanierungsgebiet

Für Baumaßnahmen an einem vermieteten Gebäude, das in einem förmlich festgelegten Sanierungsgebiet oder in einem städtebaulichen Entwicklungsbereich liegt, können erhöhte Abschreibungen in Anspruch genommen werden. Geregelt ist dies in § 7h des Einkommensteuergesetzes.

Vorteil der Regelung: Bei Baumaßnahmen können die Herstellungskosten wie folgt als Werbungskosten abgesetzt werden:

  • in den ersten 8 Jahren mit jeweils 9 Prozent und
  • in den folgenden 4 Jahren mit jeweils 7 Prozent

Somit ist das Gebäude bereits nach zwölf Jahren zu 100 Prozent abgeschrieben. Streitigkeiten mit der Finanzverwaltung gibt es allerdings immer dann, wenn im Zuge der Sanierung quasi ein Neubau entstanden ist.

Steuervorteil auch für neu geschaffenen Wohnraum

Nun hat der Bundesfinanzhof entschieden, dass auch Kosten für eine Eigentumswohnung, mit der neuer Wohnraum geschaffen wurde, begünstigt sein können. Vorausgesetzt, sie beziehen sich auf den Altbaubestand und erfüllen die gesetzlichen Voraussetzungen des § 7h EStG.

Ob und mit welchem Anteil die begünstigten Ausgaben das Sondereigentum oder das Gemeinschaftseigentum betreffen, ist egal (Aktenzeichen X R 6/16).

Der entschiedene Fall

Die Kläger sind Eigentümer einer Wohnung in einer Anlage mit einer denkmalgeschützten Altbausubstanz. Die Wohnung selbst wurde allerdings als Penthouse auf die vorhandene Altbausubstanz neu aufgebaut. Dennoch erhielten die Kläger vom Bezirksamt die Bescheinigung, dass die gesetzlichen Voraussetzungen vorgelegen hätten. Das Finanzamt jedoch lehnte die erhöhte Abschreibung ab.

Das Paar klagte. Der Bundesfinanzhof gab den Eigentümern recht und genehmigte die erhöhten Absetzungen. Die Bescheinigung des Bezirksamts sei materiell-rechtliche Abzugsvoraussetzung für die Begünstigung und Grundlagenbescheid im Sinne der Abgabenordnung.

Allein die Gemeinde prüfe, ob Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt wurden, und entscheidet nach Maßgabe des BauGB, wie die Begriffe „Modernisierung“ und „Instandsetzung“ zu verstehen sind und ob darunter auch ein Neubau in bautechnischem Sinne zu subsumieren ist.

Das bedeutet das Urteil für Sie

Hat die Bescheinigungsbehörde (hier: das Bezirksamt) eine bindende Entscheidung über eine der in § 7h Abs. 1 EStG genannten Voraussetzungen getroffen? Dann muss das Finanzamt diese im Besteuerungsverfahren ohne weitere Prüfung annehmen.

In der Praxis ist eine gewisse Tendenz zu erkennen, dass Gemeinden – vorsichtig ausgedrückt – die Ausstellung der Bescheinigungen nach § 7h EStG sehr wohlwollend prüfen. Den Finanzbeamten ist diese Praxis nicht immer genehm. Doch ihnen sind die Hände gebunden: Sie müssen die Bescheinigungen akzeptieren. Nur die Höhe der anzuerkennenden Kosten dürfen sie dann noch prüfen.

+ Hier gibt es noch keine Kommentare

eigener Kommentar

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.