Fahrten zur regelmäßigen Arbeitsstätte

Pendeln oder Reisen?


Die Frage, wo ein Arbeitnehmer seine „regelmäßige Arbeitsstätte“ hat, ist entscheidend dafür, in welcher Höhe er seine Fahrten dorthin steuerlich absetzen kann. Was Sie beim Absetzen von Fahrtkosten beachten sollten zeigen wir Ihnen in diesem Beitrag.

Pendlerpauschale oder Reisekostenpauschale?

Ihre täglichen Fahrten zum Arbeitsplatz sind mit der Pendlerpauschale – auch: Entfernungspauschale – pro Entfernungskilometer (nur Hinfahrt) als Werbungskosten absetzbar, wenn der Arbeitsplatz Ihre regelmäßige Arbeitsstätte ist. Dann müssen Sie auch die Nutzung eines Dienstwagens für die Fahrten zur Arbeit versteuern.

Fahren Sie dagegen zu einem beruflichen Tätigkeitsort, der nicht Ihre regelmäßige Arbeits­stätte ist, liegt eine Auswärtstätigkeit (Dienstreise, Einsatzwechseltätigkeit) vor, die mit der doppelten Reisekostenpauschale von 0,30 € pro gefahrenem Kilometer (also Hin- und Rückfahrt) steuerlich geltend gemacht werden kann. Hinzu kommen bei mehrtägigen Dienstreisen noch absetzbare Verpflegungspauschalen und Übernachtungskosten. Überdies dürfen Reisekosten vom Arbeitgeber steuerfrei erstattet werden.

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Pendlerpauschale

Fahren Sie mit dem Auto zur Arbeit? Dann beteiligt sich das Finanzamt an Ihren Fahrtkosten. Für jeden Kilometer gibt es 30 Cent – das ist die so genannte Pendlerpauschale.

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Wo liegt die regelmäßige Arbeitsstätte?

Bisher waren die Finanzämter bemüht, Arbeitnehmern mit mehreren Tätigkeitsstätten auch mehrere regelmäßige Arbeitsstätten zu unterstellen, damit so wenig berufliche Fahrten wie möglich günstig als Dienstreise abgerechnet werden konnten. So lag für die Finanzverwaltung bereits dann eine regelmäßige Arbeitsstätte vor, wenn Sie eine betriebliche Einrichtung Ihres Arbeitgebers im Kalenderjahr im Durchschnitt an einem Arbeitstag je Arbeitswoche auf­suchten, egal, was Sie dort gemacht haben (R 9.4 Abs. 3 LStR 2011).

Beispiel: Fuhr ein Außendienstmitarbeiter jede Woche zu drei verschiedenen Filialen seines Arbeit­gebers, hatte er folglich drei regelmäßige Arbeitsstätten und konnte alle Fahrten dorthin in der Steuererklärung nur mit der Entfernungspauschale abrechnen. Die Qualität der dort ausgeübten Tätigkeiten spielte keine Rolle, vielmehr genügte schon die Entgegennahme von Aufträgen oder die Übernahme des Dienstwagens für die Annahme einer regelmäßigen Arbeitsstätte.

Doch der Bundesfinanzhof hat im Jahr 2011 seine Rechtsprechung geändert und entschieden, dass ein Arbeitnehmer beim gleichen Arbeitgeber nur eine einzige regelmäßige Arbeits­stätte haben kann – nämlich dort, wo der ortsgebundene Mittelpunkt seiner beruflichen Tätigkeit liegt (BFH-Urteile vom 9.6.2011, VI R 55/10, VI R 36/10, VI R 58/09). Lässt sich bei Arbeitnehmern mit mehreren Tätigkeitsorten nicht feststellen, welchem Ort die zentrale Bedeutung zukommt, wo also schwerpunktmäßig die geschuldete Arbeitsleistung erbracht wird, existiert keine regelmäßige Arbeitsstätte. Dann übt der Arbeitnehmer an allen Orten eine Auswärtstätigkeit aus. Aus diesem Urteil folgt, dass nun viel mehr Arbeitnehmer als früher berufliche Fahrten steuerlich lukrativ als Reisekosten absetzen können.

Das Bundesfinanzministerium hat klein beigegeben und erkennt die neue Rechtsprechung ab 2011 sowie für alle früheren Veranlagungszeiträume an, für die die Steuerbescheide noch nicht bestandskräftig sind (BMF-Schreiben vom 15.12.2011, BStBl I 2012 S. 57). Es gelten nun die folgenden, vom BMF festgelegten Kriterien einer regelmäßigen Arbeitsstätte:

  • Grundsatz: Eine regelmäßige Arbeitsstätte liegt in der Regel vor, wenn der Arbeit­nehmer aufgrund dienst- oder arbeitsvertraglicher Festlegung einer betrieblichen Einrichtung seines Arbeitgebers dauerhaft zugeordnet ist oder dort entweder arbeits­täglich oder je Arbeitswoche einen vollen Arbeitstag oder mindestens 20 % seiner vereinbarten regelmäßigen Arbeitszeit tätig werden soll (Prognoseentscheidung).
  • Ausnahme: Abweichend davon kann unter Berücksichtigung der neuen BFH-Urteile der inhaltliche (qualitative) Schwerpunkt der beruflichen Tätigkeit dazu führen, dass eine andere betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers die regelmäßige Arbeitsstätte ist oder gar keine regelmäßige Arbeitsstätte vorliegt. Dies ist vom Arbeitnehmer dem Finanzamt nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, etwa anhand von Unterlagen des Arbeitgebers.

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Pauschale für tägliche Fahrt

Selbstständige und Gewerbetreibende können ihre Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb absetzen – mit 30 Cent je Entfernungskilometer. Dabei werden die Gesamtkosten des Betriebs-Pkw, die in vollem Umfang Betriebsausgaben sind, um die anteiligen Kosten gekürzt, die auf diese Fahrten entfallen.

Doch was gilt, wenn man nur einen einzigen Auftraggeber hat und ständig in dessen Betrieb tätig ist?

Bei nur einem Betrieb: Pendlerpauschale

Nun hat der Bundesfinanzhof die Frage der Fahrtkosten für Selbstständige geklärt: Falls diese nur einen einzigen Auftraggeber haben und ständig in dessen Betrieb tätig sind, stellt dieser Betrieb zugleich deren Betriebsstätte dar.

Nach Auffassung des BFH ist nämlich die “Betriebsstätte bei einem Unternehmer, der nicht über eine eigene Betriebsstätte verfügt, der Ort, an dem oder von dem aus die beruflichen oder gewerblichen Leistungen erbracht werden”.

Folge: Die Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte sind nur mit der Pendlerpauschale je Entfernungskilometer abzugsfähig. Dies gilt sowohl für die alte Rechtslage bis 2013 als auch für die neue Rechtslage ab 2014 (Aktenzeichen X R 13/13).

Bei mehreren Betrieben: Dienstreisepauschale

Falls Selbstständige doch eine eigene Betriebsstätte haben, stellen die Fahrten zum Auftraggeber Fahrten zwischen zwei Betriebsstätten dar und sind somit mit den tatsächlichen Kosten absetzbar. Das heißt die als Betriebsausgaben verbuchten Kfz-Kosten müssen nicht gekürzt werden.

Voraussetzung ist, dass die eigene Betriebsstätte (Büro) nicht im selben Haus wie die Wohnung liegt, sondern davon räumlich getrennt ist. Andernfalls sind wegen der engen Einbindung in den privaten Lebensbereich Ausgangs- und Endpunkt der Fahrten die Wohnung und demzufolge die Fahrten zum Auftraggeber nur mit der Entfernungspauschale absetzbar.

 

Was ist eine Betriebsstätte?

Das BFH-Urteil steht im Einklang mit der Finanzverwaltung, die in einem neuen Erlass die Betriebsstätte eines Selbstständigen wie folgt definiert:

“Betriebsstätte ist die von der Wohnung getrennte dauerhafte Tätigkeitsstätte, d.h. eine ortsfeste betriebliche Einrichtung des Steuerpflichtigen, des Auftraggebers oder eines vom Auftraggeber bestimmten Dritten, an der oder von der aus die steuerrechtlich relevante Tätigkeit dauerhaft ausgeübt wird” (BMF-Schreiben vom 23.12.2014).

Vorsicht: Höchstbetrag!

Die anzusetzende Entfernungspauschale ist grundsätzlich auf einen Höchstbetrag von € 4.500 begrenzt, wenn:

  • der Weg zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mit einem Motorrad, Motorroller, Moped, Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt wird,
  • der Weg zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte als Mitfahrer einer Fahrgemeinschaft zurückgelegt wird, für die Tage an denen mitgefahren und nicht selbst gefahren wird oder
  • Der Weg zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt wird und die Aufwendungen hierfür nicht höher sind.

Bei Nutzung eines eigenen oder zur Nutzung überlassenen Kraftwagens greift diese Begrenzung nicht. Die Nutzung dieses Kraftwagens muss nachgewiesen werden oder glaubhaft gemacht werden. Ein Indiz können Werkstattrechnungen sein, die den Kilometerstand enthalten.

Steuerberatung?

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