Fahrten zur Mietwohnung

Meist in voller Höhe absetzbar


Vermieter müssen immer mal wieder zum vermieteten Objekt fahren. Sei es, um nach dem Rechten zu sehen oder Probleme mit dem Mieter zu klären. Aber auch Renovierungen, Besichtigungstermine mit Mietinteressenten oder Gartenarbeiten können auf dem Programm stehen.

Hier gibt es nun gute Nachrichten: Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass die Fahrten zum Vermietungsobjekt im Regelfall mit der Dienstreisepauschale absetzen können. Das sind 30 Cent je Fahrtkilometer!

So können Vermieter, die das Vermietungsobjekt nur in größerem oder kleinerem zeitlichen Abstand aufsuchen, etwa zu Kontrollzwecken, zu Verwaltungsaufgaben, zu Reparaturen, bei Mieterwechseln oder zur Ablesung von Zählerständen, sich jeden Kilometer der Fahrtstrecke als Werbungskosten ansetzen (Aktenzeichen IX R 18/15).

Wenn die Wohnung öfter aufgesucht wird

Doch von jeder Regel gibt es bekanntlich eine Ausnahme: Falls das vermietete Objekt als regelmäßige Tätigkeitsstätte des Vermieters anzusehen ist, kommt nur die ungünstigere Entfernungspauschale von 30 Cent je Entfernungskilometer zur Anwendung.

Denn auch bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung kann ein Vermieter – vergleichbar einem Arbeitnehmer – am Vermietungsobjekt eine regelmäßige Tätigkeitsstätte haben. Und zwar wenn er die Wohnung bzw. das Haus nicht nur gelegentlich, sondern mit einer gewissen Nachhaltigkeit fortdauernd und immer wieder aufsucht. Dies ist bei einer ungewöhnlich hohen Zahl von Fahrten und der damit praktisch arbeitstäglichen Anwesenheit der Fall (Aktenzeichen IX R 18/15).

Der entschiedene Fall

Ein Vermieter sanierte mehrere Wohnungen und ein Mehrfamilienhaus. Hierfür suchte er die eingerichteten Baustellen 165-mal bzw. 215-mal im Jahr auf. Aufgrund der Vielzahl der Fahrten zu den beiden Objekten kam das Finanzamt zu dem Ergebnis, dass er am Ort der Vermietungsobjekte seine regelmäßige Tätigkeitsstätte habe. Die Fahrtkosten waren daher nach Ansicht des Finanzamtes nur in Höhe der Entfernungspauschale abziehbar. Der Bundesfinanzhof gab nun dem Finanzamt Recht.

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3 Kommentare

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  1. 1
    Harald Kemmerling

    In dem Fall unter Aktenzeichen IX R 18/15 hat der Kläger “Revision” eingelegt .
    Unter welchen Voraussetzungen bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung eine regelmäßige Arbeitsstätte vorliegt, ist höchstrichterlich nicht geklärt. Der BFH hat lediglich entschieden, dass § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4, Abs. 3 EStG auf Fahrtkosten, die zu den Herstellungskosten des Vermietungsobjekts gehören, nicht anwendbar ist, weil die Herstellungskosten als Grundlage für die Bemessung der Absetzung für Abnutzung und der erhöhten Absetzungen bei den Überschusseinkünften in gleicher Weise wie bei den Gewinneinkünften zu ermitteln sind (BFH, Urteil v. 10.5.1995, IX R 73/91, BStBl 1995 II S. 713). Zu dieser Problematik liegen einige Entscheidungen von Finanzgerichten zur Auslegung des Begriffs der regelmäßigen Arbeitsstätte im Fall von Vermietungseinkünften vor (vgl. z. B. Hessisches FG, Urteil v. 29.4.1993, 10 K 3886/89, EFG 1993 S. 781; FG Düsseldorf, Urteil v. 4.6.1991, 6 K 89/86 E, EFG 1992 S. 67).
    In der Literatur wird überwiegend danach unterschieden, ob Fahrten zu dem Mietobjekt nur gelegentlich, in diesem Fall Abzug der tatsächlichen Fahrtkosten, oder regelmäßig durchgeführt werden, mit der Folge der Anwendung der Entfernungspauschale. Auch die Finanzverwaltung lässt den Ansatz der tatsächlichen Fahrtkosten nur im Falle von gelegentlichen Fahrten zu dem vermieteten Grundstück zu (s. R 21.2 Abs. 4 Satz 4 EStR).
    Der Steuerpflichtige hat Revision beim BFH eingelegt (Az. des BFH: IX R 18/15).
    In gleich gelagerten Fällen sollten die Steuerpflichtigen Einspruch einlegen und im Hinblick auf die anhängige Revision Ruhen des Verfahrens beantragen. FG Berlin-Brandenburg, Urteil v. 11.2.2015, 7 K 7084/13, Haufe Index 7744908
    Ob bisher eine endgültige Entscheidung gefallen ist, ist UNBEKANNT!
    30.11.2017

  2. 2
    irene

    wenn ich eine wohnung im EU-Ausland habe und vermiete , wie verhält sich das dort? Kann ich die Kilometerpauschale nutzen?

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