Fahrten zur vermieteten Wohnung

Fahrten zur vermieteten Wohnung

Nur mit Pendlerpauschale absetzbar?


Mieteinnahmen sind passive Einkünfte. Doch das bedeutet nicht, dass man nichts fürs Geld tun muss. Denn wie bei anderen Einkünften gilt auch hier: Ohne Arbeit keine Einnahmen. Von Zeit zu Zeit ist es daher nötig, dass der Vermieter sein Objekt aufsucht – beispielsweise um sich um eine Besichtigung für Interessenten zu kümmern. Oder um die Zählerstände abzulesen. Auch bei Umbauarbeiten ist eine gewisse Kontrolle nötig, die die Anwesenheit des Eigentümers erfordert.

Unstrittig hierbei: die Fahrten zur Immobilie können als Werbungskosten von der Steuer abgezogen werden. Doch in welcher Höhe?

Entfernungspauschale vs. Reisekosten

Wenn die Fahrten nach Reisekostengrundsätzen berücksichtigt werden, können für jeden gefahrenen Kilometer 30 Cent angesetzt werden.

Anders bei der Pendlerpauschale: Greift diese, kann der Vermieter nur noch die Entfernungskilometer mit 30 Cent berücksichtigen. Im Ergebnis würden sich damit die abzugsfähigen Werbungskosten für die Fahrten zum Objekt halbieren.

Viele Vermieter werden sich nun fragen: „Warum denn Entfernungspauschale? Es galten für die Fahrten zum Objekt doch immer Reisekostengrundsätze!“ Das ist richtig, so war es. Und um die positive Nachricht vorwegzunehmen: Es wird auch so bleiben, zumindest in der Vielzahl der Fälle.

BFH entscheidet auf Entfernungspauschale

Dennoch hat der Bundesfinanzhof in einer aktuellen Entscheidung geurteilt, dass der Abzug der Fahrtkosten beschränkt sein kann. Nämlich dann, wenn sich bei dem Objekt auch der Mittelpunkt der Vermietungstätigkeit befindet.

Doch was damit ist gemeint? Der Sachverhalt verdeutlicht, dass es sich bei der Entscheidung um einen speziellen Einzelfall handelt:

Der Steuerzahler war im vorliegenden Fall nahezu arbeitstäglich zu seinen beiden Vermietungsobjekten gefahren. So war er 215-mal bei Objekt 1 und 165-mal bei Objekt 2. Wegen der Häufigkeit der Fahrten erkannten die Richter in beiden Objekten eine regelmäßige Arbeitsstätte. Das unliebsame Ergebnis dieser Erkenntnis: Fahrten zur regelmäßigen Arbeitsstätte können nur mit der Entfernungspauschale angesetzt werden.

Bestehen Sie auf die Reisekosten!

Aber: Die Meinung einzelner Finanzbeamten, Fahrten zum Objekt würden nun grundsätzlich nur noch mit der Entfernungspauschale berücksichtigt, ist vollkommen falsch. Der Urteilssachverhalt ist ein Extremfall.

Schon der Bundesfinanzhof stellt in seiner Entscheidung deutlich heraus, dass die gelegentlichen und üblichen Fahrten weiterhin nach Reisekostengrundsätzen als Werbungskosten steuermindernd anzusetzen sind. Nur wenn die Tätigkeit am Vermietungsobjekt sehr nachhaltig und dauerhaft ist, hat das Finanzamt eine Chance die geringere Entfernungspauschale zuzulassen, denn nur dann kann eine regelmäßige Arbeitsstätte vorliegen.

So sollten Sie begründen

Indiz für eine veraltete Rechtsprechung: An der Begrifflichkeit der „regelmäßigen Arbeitsstätte“ ist zu erkennen, dass die Entscheidung noch im alten Recht spielt. Seit der Reisekostenreform spricht man nämlich von der „ersten Tätigkeitsstätte“.

Aber es hat sich noch mehr verändert: So kann es immer nur eine erste Tätigkeitsstätte geben. Daher ist es nicht möglich, sowohl die Fahrten zum Objekt 1 und zum Objekt 2 auf die Entfernungspauschale zu begrenzen.

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