Fahrtkosten zur Fachschule

Fahrtkosten zur Fachschule

Welche Ausgaben Azubis absetzen können


Zur Steuererklärung 2014 wurde das Reisekostenrecht komplett umgekrempelt – mit weitreichenden Folgen. Auch Azubis an privaten Fachschulen müssen jetzt neu rechnen.

Rechtslage bis 2013

Bis 2013 war eine Einrichtung im Rahmen der Ausbildung keine „regelmäßige Arbeitsstätte“, wenn es sich nicht um eine Einrichtung des Arbeitgebers handelte.

Die Fahrtkosten waren dann mit der Dienstreisepauschale von 30 Cent je Fahrtkilometer absetzbar – oder aber mit den tatsächlichen Kosten. Außerdem konnten Verpflegungspauschbeträge und Unterkunftskosten abgesetzt werden.

Was kann ab 2014 abgesetzt werden?

Nach neuem Reisekostenrecht ab 2014 gilt die Bildungseinrichtung als „erste Tätigkeitsstätte“, wenn die Ausbildung oder Fortbildung in Vollzeit stattfindet. Das hat zwei Dinge zur Folge:

  • Fahrtkosten sind lediglich mit der Entfernungspauschale von 30 Cent je Entfernungskilometer absetzbar
  • Verpflegungspauschbeträge werden nicht mehr anerkannt
  • Kosten der Unterkunft am Bildungsort können nur noch nach den Regeln der doppelten Haushaltsführung abgesetzt werden. (d.h. am Heimatort muss eine Wohnung aus eigenem Recht genutzt werden und eine finanzielle Beteiligung am Haushalt erfolgen. Das Zimmer im elterlichen Haushalt genügt nicht.)

Ausbildung in Vollzeit

Eine Bildungsmaßnahme in Vollzeit liegt vor, wenn Sie daneben keiner Erwerbstätigkeit oder einer Erwerbstätigkeit von höchstens 20 Wochenstunden nachgehen.

Unschädlich sind ebenfalls eine geringfügige Beschäftigung (Minijob) oder eine kurzfristige Beschäftigung (Aushilfsjob).

Was Azubis nun ansetzen können

Nun musste der Bundesfinanzhof beurteilen, wie die Berufsausbildung an einer privaten Fachschule zur staatlich anerkannten Erzieherin einzuordnen ist. Die angehende Erzieherin besuchte im ersten Halbjahr die Fachschule nur an 12 Tagen und absolvierte das verpflichtende Berufspraktikum in einem Kindergarten an 111 Tagen.

Das Urteil des BFH gibt Anlass zur Freude:

Sowohl die Fahrten zum Kindergarten als auch zur Fachschule sind nicht mit der Entfernungspauschale, sondern mit der Dienstreisepauschale von 30 Cent je Fahrtkilometer absetzbar. Und Verpflegungspauschbeträge sind ebenfalls anzuerkennen (Aktenzeichen III R 24/14).

Beispiel

Anna ist angehende Erzieherin. In 2014 legte sie folgende Wege für ihre Ausbildung zurück:

Kindergarten: Die Strecke von 6 Kilometern fuhr sie an 180 Tagen.

Fachschule: Die Strecke von 21 Kilometern fuhr sie an 40 Tagen.

Berechnung der Fahrtkosten:    6 km x 180 Tage x 0,3 € x 2 = 648 €

21 km x 40 Tage x 0,3 € x 2 = 504 €

insgesamt  1.152 €

Zudem kann Anna sich für jeden Tag, an dem sie aus beruflichen Gründen abwesend von zu Hause war, folgende Pauschbeträge ansetzen:                              8 bis 24 Stunden = 12 €                      24 Stunden = 24 €

Das Praktikum im Kindergarten stellt einen zeitlich begrenzten Teilabschnitt der Berufsausbildung dar, also quasi eine „Auswärtstätigkeit„. Die Fachschule wurde nicht in Vollzeit besucht, sodass nach neuer Rechtslage keine Beschränkung auf die Entfernungspauschale erfolgt.

Falls die Bildungsmaßnahme außerhalb eines Arbeitsverhältnisses nicht in Vollzeit erfolgt, können die Kosten nach den Regeln der Auswärtstätigkeit als Werbungskosten abgesetzt werden. Dies betrifft beispielsweise Personen, die sich neben ihrem Beruf abends und am Wochenende weiterbilden oder eine Ausbildung absolvieren.

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