Fiskus verteilt ID-Nummern doppelt

Behördenpanne mit unangenehmen Folgen


Die steuerliche Identifikationsnummer – einzigartig wie ein Fingerabdruck sollte sie sein. Doch neuste Enthüllungen erschrecken: Über 160.000 Bürgern wurden falsche Nummern vergeben.

Einzigartig wie ein Fingerabruck?

Die erste Post für Neugeborene enthält sie: Die steuerliche Identifikationsnummer. Und die Bindung an sie ist auf Dauer. Ein Leben lang soll Sie die Bewohner des Landes begleiten – bis über den Tod hinaus. 2007 wurde die elfstellige Nummer als DAS neue Sicherheitsmerkmal eingeführt – einzigartig für jeden Steuerzahler. So wie der Fingerabdruck. Oder eben nicht.

Nicht bei 164.451 Bürgern

Nun wurde die Verwaltungspanne bekannt: Zehntausendfach wurde die so unverwechselbare Nummer vom Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) doppelt vergeben. Dies berichtet die „Süddeutsche Zeitung” und weist auf ein Antwortschreiben des parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesfinanzministerium, Michael Meister (CDU) auf eine Anfrage des Linken Richard Pitterle hin.

Oberflächliche Bearbeitung der Finanzbeamten schuld

Laut Meister liegen Hinweise auf 164.451 solcher Fälle vor. Etwa 106.000 Fälle seien bereits gelöst, 14.000 noch in Bearbeitung. Fälle von Steuerbürgern mit mehreren Nummern erklärt Meister durch längere Auslandsaufenthalte: Bei Rückkehr nach Deutschland forderten die zuständigen Meldebehörden häufig eine neue Nummer an – obwohl bereits eine Identifikationsnummer existierte. Dies geschah in tausenden Fällen. Plausibilitätsprüfungen? Fehlanzeige!

Das Zentralamt für Steuern prüfte anscheinend nicht gründlich genug nach. Fälle, bei denen mehreren Bürger ein und dieselbe Identifikationsnummer zugeteilt wurden, seien durch Flüchtigkeitsfehler der Finanzbeamten entstanden. Offiziell bereits über 1.300 mal.

Falsche Einstufung in Steuerklassen

Die Doppelvergabe der Nummer brachte bereits unangenehme Konsequenzen mit sich. So wurde eine Nummer an zwei Arbeitnehmer mit gleichem Geburtsdatum und ähnlichem Namen vergeben. Einer der beiden wurde von seiner Firma in die ungünstigste Steuerklasse VI eingestuft – da laut Behörde bereits ein Arbeitsverhältnis vorlag. Der Spuk flog erst durch Nachfrage des Arbeitnehmers auf: Sein Nummern-Doppelgänger hatte vor ihm eine Arbeit aufgenommen. Für den Fiskus galten die zwei Nummern dank der Doppelvergabe als ein und dieselbe Person.

Tipp: Prüfen Sie Ihre aktuelle Lohnsteuerbescheinigung 2013 genau, ob die angegebenen Daten stimmen. Beachten Sie dabei vor allem Lohnsteuerfreibeträge, Anzahl der Kinder und Steuerklasse. Sollten Sie Fehler entdecken,  wenden Sie sich an Ihre zuständige Meldebehörde. Korrekturen der Daten werden dort veranlasst und dem BZSt elektronisch mitgeteilt.

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