Fortbildung in Pseudowissenschaft

Fortbildung in Pseudowissenschaft

Steuerlich nicht abzugsfähig


Ein Betriebswirt hatte Fortbildungen in Psycho- und Pathophysiognomik besucht – und wollte die Ausgaben als Werbungskosten in der Steuererklärung absetzen. Doch das Finanzgericht ließ einen Abzug der Kosten für diese Pseudowissenschaft nicht zu.

Pseudowissenschaft

Bei der Psycho- und Pathophysiognomik wird versucht, anhand von Merkmalen wie Körperbau, Schädelform und Gesichtszügen auf Charakterzüge sowie Temperament eines Menschen zu schließen. Der Bänker, der diese Seminare besuchte, wollte rund 1.800 Euro für Seminargebühren, Übernachtungskosten und Fahrtkosten steuerlich absetzen.

Berufliche Veranlassung?

Die Begründung des Mannes: Er sei bereits seit sechs Jahren für die Auswahl der Azubis in seinem Betrieb zuständig. Auf Veranlassung seines Arbeitgebers ließ er sich bereits zum systemischen Coach ausbilden. Da sich diese Kenntnisse in seinem Beruf als durchaus hilfreich erwiesen hätten, habe er sein psycho- und phataphysiognomisches Wissen später vertieft. Auch diese Kosten habe sein Arbeitgeber teilweise übernommen. Daher sei die Schulung also beruflich veranlasst – und die entstandenen Ausgaben somit Werbungkosten.

Kosten nicht abzugsfähig

Dem widersprach das zuständige Finanzamt: Bei dieser speziellen Lehre handle es sich um eine Pseudowissenschaft – und die dadurch entstandenen Ausgaben seien überwiegend privat veranlasst. Gegen diese Auffassung klagte der Betriebswirt. Das Finanzgericht jedoch teilte die Meinung des Finanzamts- und lehnte die Klage ab. Der Kläger konnte die berufliche Bedeutung der Seminare, an denen übrigens auch seine Frau teilnahm, nicht nachweisen. Die Ausgaben für die Veranstaltungen „Selbstverwirklichungswille“ und „Einfühlsames Erfragen der Anlagen, um Gesundheit und Krankheit zu erkunden“ kann der Betriebswirt somit steuerlich nicht geltend machen.

Urteil des Finanzgerichtes Rheinland-Pfalz, Aktenzeichen 5 K 1261/12

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