Fortbildung neben Beruf

Fortbildung neben Beruf

Wie werden Studium oder Fachschule berücksichtigt?


Wer neben seiner Berufstätigkeit ein Studium absolviert oder eine Fachschule besucht, wurde bisher steuerlich nicht verwöhnt. Das hat sich nun zum Glück geändert.

Das Finanzamt hat die Fahrten lediglich mit der Entfernungspauschale als Werbungskosten anerkannt und Verpflegungspauschbeträge gänzlich verweigert, weil auch die arbeitgeberfremde Bildungseinrichtung als zweite regelmäßige Arbeitsstätte angesehen wurde, sofern diese über einen längeren Zeitraum aufgesucht wurde.

Änderung

Eine Änderung hat der Bundesfinanzhof Anfang 2012 vorgenommen: Die Bildungsstätte gilt jetzt nicht mehr als regelmäßige Arbeitsstätte, weil diese zum einen nur im Rahmen bezahlter Arbeit in Betracht kommt und zum anderen nur eine betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers sein kann. Nach neuer Erkenntnis handelt es sich nun auch bei längerer Ausbildung um eine vorübergehende Auswärtstätigkeit (BFH-Urteile vom 9.2.2012, VI R 44/10 und VI R 42/11).

Der Bundesfinanzhof hat erneut klargestellt, dass Fahrten zu externen Bildungseinrichtungen nicht mit der Entfernungspauschale, sondern mit der Dienstreisepauschale von 30 Cent je Fahrtkilometer als Werbungskosten absetzbar sind. Denn „eine vom Arbeitnehmer besuchte arbeitgeberfremde Bildungseinrichtung stellt keine regelmäßige Arbeitsstätte dar. Dabei kommt es nicht darauf an, ob die Bildungsmaßnahme die volle Arbeitskraft in Anspruch nimmt oder neben einer Voll- oder Teilzeitbeschäftigung ausgeübt wird“ (BFH-Urteil vom 22.11.2012, III R 64/11).

Auswärtstätigkeit

Eine Bildungsmaßnahme an einer externen Bildungsstätte stellt also steuerlich eine sog. Auswärtstätigkeit dar. Das bedeutet, dass nicht nur die Fahrten mit der höheren Dienstreisepauschale absetzbar sind, sondern auch Reisenebenkosten, wie Parkgebühren, sowie bei mindestens 8-stündiger Abwesenheit auch Verpflegungspauschbeträge berücksichtigt werden. Dies gilt nach neuer Rechtslage nicht nur für Studierende mit Berufstätigkeit oder nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung, die Werbungskosten geltend machen, sondern ebenso für Studierende nach dem Abitur, die ihre Ausbildungskosten als Sonderausgaben absetzen.

Neues Reisekostenrecht

Nach dem neuen Reisekostenrecht, das ab 2014 gilt, wird der Begriff der „regelmäßigen Arbeitsstätte“ ersetzt durch den neuen Begriff „erste Tätigkeitsstätte“. Beim berufsbegleitenden Studium ist diese erste Tätigkeitsstätte die Arbeitsstätte des Arbeitgebers im Rahmen der Teilzeitbeschäftigung. Anders aber liegt der Fall, wenn das Studium in Vollzeit absolviert wird: Dann gilt die Bildungsstätte als erste Tätigkeitsstätte, sodass die Fahrten nicht mehr mit der höheren Dienstreisepauschale, sondern nur noch mit der Entfernungspauschale anerkannt werden.

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