Trockenes Brötchen und Kaffee sind kein Frühstück

Trockenes Brötchen und Kaffee sind kein Frühstück

Keine Besteuerung als Arbeitslohn


Bekommen Angestellte kostenlos Mahlzeiten wie Frühstück und Mittagessen von ihrem Arbeitgeber angeboten, müssen sie diese als geldwerten Vorteil versteuern. Doch gilt bereits ein trockenes Brötchen mit Kaffee als steuerpflichtiges Frühstück?

Kostenloses Essen ist mit dem Sachbezugswert zu versteuern

Erhalten Arbeitnehmer vom Arbeitgeber freie oder verbilligte Verpflegung, so ist der geldwerte Vorteil steuer- und sozialversicherungspflichtig. Bewertet wird der Vorteil nach den amtlichen Sachbezugswerten, die allerdings – gemessen am allgemeinen Preisniveau – vergleichsweise niedrig scheinen.

Die amtlichen Sachbezugswerte betragen im Jahr 2017:

Für ein Frühstück                                1,70 Euro      (1,73 Euro in 2018)

Für ein Mittag- oder Abendessen    3,17 Euro     (3,23 Euro in 2018)

Doch was ist, wenn der Arbeitgeber morgens seinen Mitarbeitern lediglich trockene Brötchen (Laugen-, Käse-, Schoko- und Roggenbrötchen) und einen Heißgetränkeautomaten kostenlos zur Verfügung stellt? Gilt das schon als Frühstück? Dann würde auch das Finanzamt sein Stück davon haben wollen.

Ein trockenes Brötchen ist kein Frühstück

Nun hat das Finanzgericht Münster entschieden, dass ein trockenes Brötchen und ein Heißgetränk kein lohnsteuerpflichtiger Sachbezug in Form eines „Frühstücks“ ist. Zu den Mindeststandards eines Frühstücks gehöre nach dem allgemeinen Sprachgebrauch neben Brötchen und Getränken auch ein entsprechender Brotaufstrich (Aktenzeichen 11 K 4108/14, Revision VI R 36/17).

So läge bei einer Hotelübernachtung mit „Frühstück“ ein zivilrechtlicher Mangel vor, wenn das Hotel sich auf die Gestellung eines Heißgetränks und trockenen Brötchen beschränken würde, ohne darüber hinaus einen entsprechenden Brotbelag zur Verfügung zu stellen. Kurzum: Steuerfreiheit für die Brötchen!

Der entschiedene Fall

Ein Softwareunternehmen mit 80 Mitarbeitern bestellte täglich ca. 150 Brötchen (Laugen-, Käse-, Schoko- und Roggenbrötchen). Die Backwaren standen in Körben auf einem Buffet in der Kantine für Mitarbeiter sowie für Kunden und Gäste zum Verzehr zur Verfügung. Dabei wurden nur die Brötchen, aber kein Aufschnitt oder sonstige Belege gereicht. Zudem konnten sich die Mitarbeiter, Kunden und Gäste ganztägig kostenlos aus einem Heißgetränkeautomaten bedienen. Ein Großteil der Brötchen wurde von den Mitarbeitern in der Vormittagspause verzehrt.

Das Finanzamt sah hierin eine unentgeltliche Zurverfügungstellung einer Mahlzeit an Arbeitnehmer in Form eines Frühstücks, welches als Sachbezug mit den amtlichen Sachbezugswerten von 1,70 Euro je Mitarbeiter und Arbeitstag zu besteuern sei. Das Finanzgericht hingegen ist anderer Meinung. Nach Auffassung der Finanzrichter handelt es sich hier um einen Sachbezug in Form von „Kost“, der mit den üblichen Preisen zu bewerten ist, z.B. Brötchen mit 60 Cent.

Folge: Die Vorteile bleiben bis zu 44 Euro im Monat steuer- und sozialversicherungsfrei. Diese Freigrenze ist bei durchschnittlich 20 Arbeitstagen im Monat und Kosten von 60 Cent pro Brötchen nicht überschritten. Im Übrigen gelten Getränke und Genussmittel, die der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern unentgeltlich oder verbilligt im Betrieb zur Verfügung stellt, als steuerfreie Aufmerksamkeiten. Dazu zählen Obst, Tee, Kaffee, Mineralwasser, Kekse, Pausen-Snack.

+ Hier gibt es noch keine Kommentare

eigener Kommentar