Gartenarbeiten

Gartenarbeiten

Immer wieder im Frühling


Jedes Jahr im Frühling werden landauf landab wieder Gärten hübsch gemacht. Bedient man sich dabei fremder Hilfe, ist die Frage, ob man den Fiskus an den Kosten beteiligen kann. Dabei kann es durchaus zu interessanten Ergebnissen kommen.

In Betracht kommen auf den ersten Blick Steuervergünstigungen für haushaltsnahe Dienstleistungen: Hier können Arbeitskosten mit 20 Prozent, höchstens 4.000 Euro, von der Steuerschuld abgezogen werden.

Feiner Unterschied

Doch aufgepasst! So einfach ist das nicht! Bei den Arbeiten im häuslichen Garten macht die Finanzverwaltung einen feinen Unterschied:

  • Zu den haushaltsnahen Dienstleistungen rechnen die Beamten lediglich übliche Gartenpflegearbeiten, wie Rasenmähen, Heckenschneiden, Unkrautjäten u. Ä. Diese sind also bis zum Höchstbetrag von 20.000 Euro begünstigt und mit 20 Prozent abziehbar. Toll, was? Rasenmähen bis 20.000 Euro?!
  • Hingegen stellen nach Meinung der Beamten umfangreiche Erd- und Pflanzarbeiten, Maßnahmen der Gartengestaltung, Anlegen eines Steingartens, Pflasterarbeiten auf dem Wohngrundstück usw. Handwerkerleistungen dar.

Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich steuerlich um Erhaltungs- oder Herstellungsaufwand handelt. Derartige Arbeitskosten sind jedoch nur bis zum Höchstbetrag von 6.000 Euro begünstigt und mit 20 Prozent abziehbar. Das ist gar nicht so üppig!

Neuer Garten

Der Bundesfinanzhof hat bestätigt, dass umfangreiche Erd- und Pflanzarbeiten für die erstmalige Gartenanlage – ebenso wie die Errichtung einer Stützmauer zum Nachbargrundstück – zu den Handwerkerleistungen zu rechnen sind. Ob der Garten neu angelegt wird (Herstellungskosten) oder ein naturbelassener Garten umgestaltet wird (Erhaltungsaufwand), ist ohne Belang. Demgegenüber ist die „übliche hauswirtschaftlich geprägte Pflege des Gartens“ den haushaltsnahen Dienstleistungen zuzurechnen (BFH-Urteil vom 13.7.2011, BStBl. 2012 II S. 232).

Handwerkerleistungen sind also begünstigt, wenn sie im räumlichen Bereich eines „vorhandenen Haushalts“ erbracht werden. Dies umfasst auch den dazugehörigen Grund und Boden. Nicht begünstigt sind hingegen Arbeiten zur „Errichtung eines Haushalts“, also einen Neubau, und im Zusammenhang damit die erstmalige Gestaltung des Gartens. Erfolgt somit die Anlage des Gartens erst eine Weile nach dem Einzug ins Haus, sind die Arbeiten wiederum steuerlich begünstigt.

Mehr Fragen als Antworten

Wie bitte?! Gartenarbeiten sind Handwerkerleistungen? Der Gärtner ist ja ein wunderbarer und ehrenwerter Beruf, aber in der Liste der Handwerksordnung ist er nicht enthalten! Dort werden insgesamt 41 zulassungspflichtige und 53 zulassungsfreie Handwerke sowie 57 handwerksähnliche Gewerbe aufgelistet. Aber der Gärtner ist nicht dabei. Auch bei den staatlich anerkannten Ausbildungsberufen ist der Beruf des Gärtners nicht dem Ausbildungsbereich Handwerk zugeordnet, sondern dem Ausbildungsbereich Landwirtschaft.

Weshalb es nun hier wieder dieser unnötigen Differenzierung und Verkomplizierung bedarf, um die Vergünstigungsvorschrift anwenden zu können, ist unerklärlich. Jede Differenzierung bringt weitere Abgrenzungsfragen mit sich. Beispiel: Ist das Fällen eines Baumes noch übliche Gartenpflege oder schon eine Handwerkerleistung? Sind geringfügige Erdarbeiten noch Gartenpflege? Muss die Rechnung aufgeteilt werden, wenn Gartenpflege und Gartengestaltung vorkommen?

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