Gezahlte Prämien bei Optionsgeschäften

Gezahlte Prämien bei Optionsgeschäften

Jetzt doch bei Verfall absetzbar


Durch den Kauf einer Kaufoption (long call) oder Verkaufsoption (long put), z. B. auf Aktien, erhalten Sie – als Optionsnehmer – das Recht, vom Verkäufer (Optionsgeber) eine bestimmte Anzahl von Aktien zu einem bestimmten Basispreis zu kaufen bzw. an ihn zu verkaufen. Dafür zahlen Sie dem Optionsgeber für den Erwerb der Optionsrechte eine Optionsprämie.

Bei diesem Geschäft gehen Sie davon aus, dass der Börsenkurs der Aktie steigen bzw. fallen wird. Geht Ihre Rechnung auf, üben Sie die Option aus. Falls aber der Aktienkurs entgegen Ihrer Erwartung in die andere Richtung verläuft, verliert das Optionsrecht im Zeitverlauf allmählich an Wert und wird zum Schluss wertlos.

Lassen Sie also die Kaufoption bzw. Verkaufsoption am Ende der Laufzeit verfallen, ist die gezahlte Optionsprämie mitsamt Nebenkosten und damit Ihr gesamter Kapitaleinsatz verloren.

Bisher: steuerlich unbeachtlich

Fiskus und Bundesfinanzhof hatten in der Vergangenheit immer stur und starr an ihrer irrigen Auffassung festgehalten, dass die gezahlten Optionsprämien wertlos gewordener Optionen bei Verfall der Option steuerlich unbeachtlich sind (BMF-Schreiben vom 09.10.2012, Teilziffer 27).

Rechtslage ab 2009

Zur alten Rechtslage bis 2009 gab es bereits im Jahre 2012 eine Umkehr: Bei Verfall des Optionsrechts wurden nun die gezahlten Optionsprämien als sog. vergebliche Werbungskosten bei den „sonstigen Einkünften aus Termingeschäften“ anerkannt (Aktenzeichen IX R 50/09 und IX R 12/11, ebenfalls BMF-Schreiben vom 27.3.2013).

Zur neuen Rechtslage ab 2009 hat der BFH Anfang dieses Jahres gegen den Fiskus entschieden: Verluste aus dem Verfall von Optionen sind als negative Einnahmen – nicht als Werbungskosten(!) – bei den Kapitaleinkünften zu berücksichtigen sind.

Anders als bisher betrachtet der BFH jetzt die Anschaffung der Option und den Ausgang des Optionsgeschäftes als Einheit. Daher darf der Wertverlust aus Options- und Termingeschäften, d.h. die Anschaffungskosten für verfallene Optionen, mit anderen Einkünften aus Kapitalvermögen, wie Zinsen und Dividenden, gemäß § 20 Abs. 4 Satz 5 EStG verrechnet werden (Aktenzeichen IX R 48/14, IX R 49/14, IX R 50/14).

Finanzverwaltung gibt nach

Nun erklärt sich jetzt auch die Finanzverwaltung damit einverstanden: Ab 2009 sind die Kosten für den Erwerb einer Kauf- oder Verkaufsoption, d.h. die gezahlten Optionsprämien, im Falle des Verfalls der Option bei der Ermittlung des Gewinns oder Verlusts zu berücksichtigen (BMF-Schreiben vom 16.06.2016).

Bei Verfall einer Option sind deren Anschaffungskosten (Optionsprämien) nicht als Werbungskosten abziehbar, sondern schon vorher auf der Ebene der Gewinnermittlung als negative Einnahmen verrechenbar.

Das Werbungskostenabzugsverbot steht dem Abzug der beim Erwerb der Option gezahlten Optionsprämien nicht entgegen, denn bei einem Termingeschäft können die Aufwendungen abgezogen werden, die in unmittelbaren sachlichen Zusammenhang damit stehen. Dazu gehören auch die vom Erwerber einer Option an den Stillhalter geleisteten Optionsprämien.

Achtung bei Fremdfinanzierung!

Sollte das Optionsgeschäft fremdfinanziert worden sein, greift für die Schuldzinsen das Werbungskostenabzugsverbot. Da derartige Verluste bisher in den Steuerbescheinigungen der Banken nicht ausgewiesen sind, sollten Sie diese mit einem kräftigen Minuszeichen in Zeile 7 der „Anlage KAP“ eintragen und die Zeile 5 ankreuzen.

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