Gleichgeschlechtliche Paare

Künstliche Befruchtung absetzbar?


Ehepaare und Frauen in nichtehelicher Lebensgemeinschaft können Ausgaben für eine künstliche Befruchtung steuerlich geltend machen: Als Krankheitskosten im Rahmen der außergewöhnlichen Belastungen. Wichtig für die steuerliche Anerkennung: Es muss sich um verschiedengeschlechtliche Paare handelt.

Kinderwunsch gleichgeschlechtlicher Paare

Doch auch Frauen, die in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben, können zur Realisierung ihres Kinderwunsches eine künstliche Befruchtung unter Verwendung von Samenzellen eines Spenders in Erwägung ziehen. Sind auch solche Ausgaben steuerlich absetzbar? Macht es einen Unterschied, ob die Frau keine Kinder bekommen kann, weil sie keinen männlichen Partner hat oder weil sie aufgrund einer primären Sterilität (Unfruchtbarkeit) ohne medizinischen Eingriff nicht schwanger werden kann?

Kein Steuervorteil

Ja, es macht einen Unterschied! Dies entschied nun das Finanzgericht Münster in seinem aktuellen Urteil (Aktenzeichen 6 K 93/13 E). Bei einer in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft lebenden Frau sind die Kosten für eine In-vitro-Fertilisation (IVF) unter Verwendung von Samenzellen eines Spenders steuerlich nicht absetzbar.

Zwar war die Frau wegen einer primären Sterilität empfängnisunfähig, und diese Empfängnisunfähigkeit hat grundsätzlich auch einen Krankheitswert. Weiter war die durchgeführte IVF aus medizinischer Sicht erforderlich, um eine Schwangerschaft herbeizuführen. Die IVF stellt eine Heilbehandlung dar.

Mangelnde Zwangsläufigkeit

ABER es fehlt hier an der erforderlichen Zwangsläufigkeit zwischen der Krankheit der Frau und den Kosten der künstlichen Befruchtung. Denn die Kinderlosigkeit der Frau war nicht unmittelbare und ausschließliche Folge ihrer krankheitsbedingten Unfruchtbarkeit.

Vielmehr war die Kinderlosigkeit der Frau zugleich maßgeblich darin begründet, dass sie in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt, in der die Zeugung eines Kindes auf natürlichem Wege ausgeschlossen ist. Der Kinderwunsch des Paares hätte sich ohne Verwendung von Samenzellen eines Spenders selbst dann nicht erfüllt, wenn die Frau empfängnisfähig gewesen wäre und auf natürlichem Wege hätte schwanger werden können.

Freiwillige Entscheidung

Die künstliche Befruchtung dient hier in erster Linie der Realisierung des Kinderwunsches. Der Entschluss, den Kinderwunsch durch eine IVF unter Verwendung von Samenzellen eines Spenders zu verwirklichen, beruht auf einer freiwilligen Entscheidung und ist mithin dem Bereich der individuell gestaltbaren Lebensführung zuzurechnen.

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